Degustation

«Schmeckt nach Karton» – Schlechte Note für Schützengarten-Bier

Noémie Bont, Dario Brazerol, 8. Juni 2020, 08:29 Uhr
Frisch ab Zapfhahn schmeckt das Bier am besten.
© iStock
Fünf Biersommeliers, darunter auch ein Schweizer Meister, testeten für das Konsumentenmagazin K-Tipp zwölf Schweizer Lagerbiere. Schützengarten erhielt dabei das Gesamturteil «ungenügend». Der Schweizer Brauereiverband zweifelt an der Aussagekraft der Tests.

«Schmeckt nach Karton und wirkt alt» – so beschreibt die fünfköpfige Bier-Fachjury von K-Tipp das Lagerbier der St.Galler Brauerei Schützengarten. Es schneidet beim Geschmackstest von zwölf Schweizer Lagerbieren am schlechtesten ab.

Schützengarten vom Resultat überrascht

«Von diesem Resultat waren wir sehr überrascht und können nicht nachvollziehen, woher das Institut die Packungen beschafft hat und wie genau diese vor dem Genuss gelagert wurden», schreibt Reto Preisig, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Schützengarten, auf Anfrage von FM1Today. «Wir gehen davon aus, dass die vielen treuen Schützengarten-Fans in der Lage sind, die K-Tipp-Beurteilung entsprechend zu werten und sich ihre grundsätzlich sehr positiven Eindrücke nicht durch die Meinung einer Kleinstgruppe wegwischen lassen.»

Schützengarten selbst liefert indess eine Erklärung für den angekreideten «Geschmack nach Karton»: «Wir gehen von einer Oxidation durch Luftsauerstoff aus. Wir vermuten, dass die Probe durch einen kurzzeitigen Maschinenstopp mit Luftsauerstoff in Kontakt kam.»

Gemäss der K-Tipp-Jury dürfe ein gutes Bier nicht übermässig süss sein. Bitterkeit sei zwar erwünscht, aber sollte möglichst fein und weich abklingen. Diese Aspekte erfüllt die «Limmat Bräu» nicht ganz und erhielt deshalb ebenfalls das Siegel «ungenügend». Sowie das «Eichhof alkoholfrei»-Bier, das gemäss Jury einen unharmonischen Geschmack hat.

«Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen»

Für den Schweizer Brauereiverband (SBV) ist der K-Tipp-Test nicht aussagekräftig. «Obwohl nur helle Lager-Biere bewertet werden sollten, wurden den Testern auch unangekündigt Biere anderer Bierstile wie ‹alkoholfreie untergärige Biere› sowie ‹European-Style Mild Lager› zur Bewertung vorgesetzt. Aus Sicht von Bierexperten stört dies die Testumgebung deutlich und lässt stark an der Aussagekraft der Bewertung zweifeln», heisst es in einer offiziellen Stellungnahme des Verbands. Der K-Tipp-Test ähnle einem Vergleich zwischen Äpflen und Birnen.

«Alkoholfreies Bier muss sich mit ‹normalem Bier› messen lassen»

Andreas Schildknecht, der Leiter des Testredaktion des K-Tipp hält dagegen: «Wir haben Lagerbiere verkosten lassen, welche auf dem Markt auch als diese verkauft werden. Alkoholfreies Bier wird von den Herstellern als Alternative zum Lagerbier verkauft, dementsprechend müssen sich diese Produkte aus Konsumentensicht an dem Geschmack der anderen ‹normalen› Biere messen lassen.»

Bei der vom SBV genannten Kategorie «European-Style Mild Lager» handelt es sich aus der Sicht von Andreas Schildknecht «um eine reine Marketing-Geschichte». Dies, weil bei grossen Bier-Wettbewerben möglichst viele Biere prämiert werden sollen, da die Brauereien dafür bezahlen, dass die von ihnen eingeschickten Biere bewerten würden, sagt Andreas Schildknecht. Um möglichst viele Biere prämieren zu können, würden so spezielle Bier-Kategorien wie «Session Beer», «German Style Beer» oder eben das «European-Style Mild Lager» entstehen.

Auf die von Reto Preisig geäusserten Bedenken bezüglich der Beschaffungs- und Lagerungsart des Schützengarten Bieres sagt Andreas Schildknecht: «Sämtliche Produkte werden von den Testredaktoren frei und unerkannt auf dem freien Markt in den Schweizer Läden eingekauft. Die Produkte werden unkenntlich gemacht, temperiert und blind degustiert.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 5. Juni 2020 21:11
aktualisiert: 8. Juni 2020 08:29