Ukraine-Krieg

Schweiz importiert wieder russisches Gold

22. Juni 2022, 20:07 Uhr
Die Goldimporte aus Russland in die Schweiz steigen nach monatelanger Ruhepause wieder sprunghaft an. Weltweit sorgt dies für Aufsehen, gilt die Schweiz doch als wichtigster Goldumschlagplatz der Welt.
Seit Kriegsausbruch sind im Mai drei Tonnen russisches Gold in die Schweiz importiert worden.
© Imago

Viele Güter aus Russland sind in der Schweiz derzeit tabu. Darunter fällt unter anderem Braunkohle oder Holz. Diese Güter sind in der Schweiz sanktioniert und dürfen nicht mehr importiert werden. Gold hingegen ist bislang von den Sanktionen ausgenommen. Der Handel mit russischem Gold über die Schweiz ist allerdings seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs quasi zum Erliegen gekommen.

Das hat unter anderem drei Gründe. Der eine, weil die in London ansässige Vereinigung zum Handel mit Gold sechs ihrer Mitglieder nach Putins Invasion suspendiert hat. Der zweite Grund ist, dass russische Banken vom internationalen Zahlungssystem Swift ausgeschlossen wurden. Zu guter Letzt war der damit verbunden Imageschaden ein weiterer Grund. Daher gingen die Schweizer Goldraffinerien weiter als gesetzlich vorgeschrieben und liesen den Import von russischem Gold vorsorglich ruhen.

Neuerlicher Import ein Tabubruch?

Allerdings hat die Schweiz vergangenen Monat (Mai) erstmals seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs wieder russisches Gold importiert. Konkret waren es 3,1 Tonnen im Wert von knapp 200 Millionen Franken. Das geht aus den Zahlen des Bundesamts für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) für den Mai hervor. Darüber berichtete das Wirtschaftsportal Bloomberg. Auch wenn der Handel mit russischem Gold derweil nicht sanktioniert ist, zeigt sich der Import schon als Tabubruch, wie der «Blick» berichtet.

Russland gilt zudem weltweit als zweitgrösster Goldproduzent. Und für die Handelsbeziehungen zwischen der Schweiz und Russland war genau dieser Umstand immer sehr wichtig. Gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) machten Edelmetalle bis Kriegsausbruch 80 Prozent der russischen Importe in die Schweiz aus, schreibt der «Blick» weiter. Auch die Verarbeitung von Gold wird in der Schweiz gross betrieben. Vier der weltgrössten Goldraffinerien stehen in der Schweiz, drei davon im Tessin.

Seco und BAZG mauern

Die neuerlichen Importe kann sich auch Marc Ummel Rohstoffexperte bei der Nichtregierungsorganisation Swissaid nicht erklären. Bei den aktuellen Importen soll es nicht nämlich um bereits raffiniertes Gold handeln. Ummel habe beim Seco und beim BAZG nähere Angaben zu den Importen verlangt – bisher ohne Erfolg, heisst es weiter. Sowohl Seco als auch BAZG geben nur Auskunft darüber, dass der Goldimport aus Russland nicht sanktioniert sei.

Importstatistiken seien zudem nicht besonders aussagekräftig. Die Importeure müssen nur anzeigen, wo sie ihr Gold kaufen und nicht, wo es geschürft wurde. Was dabei auffällig ist, nach Kriegsausbruch sind die Importe von Gold aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ) sprunghaft angestiegen. Dabei gibt es dort keine einzige Goldmine. Russisches Gold gelangt nach Dubai und von dort in die ganze Welt, vermutet Swissaid. Darüber hinaus soll eine Schweizer Raffinerie mit Sitz im Tessin Gold aus Dubai importieren. Und da der Goldimport nicht sanktioniert ist, halte sich diese somit an die geltenden Richtlinien. 

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 22. Juni 2022 20:08
aktualisiert: 22. Juni 2022 20:08
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