US-Iran-Krise

Schweiz spielte Schlüsselrolle in der Deeskalation

13. Januar 2020, 07:45 Uhr
Die USA töte am 3. Januar den iranischen General Ghassem Soleimani. Dies löste eine schwere Krise zwischen den beiden Ländern aus.
© CH Media
Stunden nach der Tötung des Generals Ghassem Soleimani soll der Schweizer Botschafter das iranische Aussenministerium aufgesucht haben. Später sei es zu einem zweiten Botengang gekommen.

(gb.) Die New York Times schreibt der Schweiz eine ausserordentlich wichtige Rolle in den Krisentagen des US-Iran-Konflikts zu. Die Zeitung veröffentlichte am Samstag einen ausführlichen Artikel über die Geschehnisse von Anfang Januar und die Rolle der Schweiz.

Darin steht, der Schweizer Botschafter in Teheran, Markus Leitner, habe das iranische Aussenministerium nur Stunden nach dem Angriff der USA auf General Soleimani mit einer Botschaft der US-Amerikaner aufgesucht. Die USA wollte den Iran davor warnen, eine allzu heftige Antwort auf die Tötung Soleimanis folgen zu lassen. Ansonsten könnte sich Trump zu noch drastischeren Schritten verleiten lassen. Am selben Tag soll Leitner noch ein zweites Mal das iranische Aussenministerium aufgesucht haben. Dies um die Antwort der Iraner abzuholen. Die New York Times beruft sich bei diesen Informationen auf einen «Schweizer Analysten».

Die Schweizer vermittelten ein zweites Mal – innert Minuten

Vier Tage später, als der Iran einen verhältnismässig kleinen Vergeltungsschlag auf US-Militärbasen im Irak ausgeführt hat, seien die Schweizer Diplomaten erneut zum Einsatz gekommen. Sie hätten – so heisst es in der New York Times –eine verschlüsselte Nachricht Teherans an Trump und den Sonderbeauftragten für Iran, Brian H. Hook, per Fax übermittelt. Und zwar innert zwei Minuten, nach dem die Schweizer diese von den Iranern bekommen hatten. Der Iran habe in der Nachricht zur Kenntnis gegeben, dass er vorerst von weiteren Racheakten absehen würde.

Die Amerikaner seien von der Geschwindigkeit der Übermittlung überrascht gewesen. Die New York Times schreibt der Schweiz die Rolle als «wichtigsten europäischen Akteur» in der Krise der letzten Tage zu.

Die Schweiz hat seit 1980 ein Schutzmachtmandat für die USA im Iran. Im Rahmen dieses Mandats stellt sie einen diplomatischen Kommunikationskanal zwischen den beiden Länder zur Verfügung. Ein Sprecher des EDA bestätigt auf Anfrage von CH Media, dass dieser weiterhin funktioniere. Ob die Handlungen der Schweizer Diplomaten wie von der New York Times beschrieben stattgefunden haben, und ob diese über den Auftrag des Schutzmachtmandats hinausgingen, war vom EDA nicht zu erfahren. Aus Gründen der Vertraulichkeit konnte das Aussendepartement keine detaillierten Angaben machen.

Quelle: CH Media
veröffentlicht: 12. Januar 2020 17:57
aktualisiert: 13. Januar 2020 07:45