Coop, Migros & Co

Schweizer Detailhandel soll auf Mengenrabatt beim Fleisch verzichten

22. Oktober 2022, 18:03 Uhr
Im Kampf gegen Food-Waste macht nun der Bundesrat Druck auf den Detailhandel, den Aktionsrabatt auf verderbliche Ware wie Fleisch durch andere Angebote zu ersetzen. Diese würden nämlich Lebensmittelabfälle fördern.
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In den Supermärkten sind die Kühlregale voll mit Angeboten: Zehn Cervelats im Multipack oder Fleisch zum Preis von «2 für 1». Alles immer günstiger als im Einzelverkauf. Nun will aber der Bund, dass bald Schluss damit ist. Auch wenn die Begeisterung und auch die Kaufkraft mit solchen Aktionen angekurbelt wird, landet viel von den Würsten und Frischfleisch leider im Abfall.

Um Food-Waste in der Schweiz zu verringern, hat der Bundesrat nun einen Aktionsplan entworfen. Dieser beinhaltet einige Massnahmen, wie unter anderem, nicht verkauftes Fleisch vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums einzufrieren, dieses dann später zu verkaufen oder das Fleisch allenfalls zu spenden.

Die grossen Detailhändler haben diesen Plan unterschrieben, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. Sie sollen so die aufgelisteten Massnahmen auf freiwilliger Basis umsetzen. Bis 2030 soll die Menge weggeworfener Lebensmittel in der Schweiz halbiert werden. Jährlich sind das bislang rund 2,8 Millionen Tonnen.

Angefangen wird beim Fleisch

Der Bundesrat führt konkrete Massnahmen auf, um das Ziel zu erreichen. Dabei fordert er die Händler auf, Multipacks bei frischen Waren aus ihren Kühltruhen zu verbannen. Der Bundesrat legt sein Augenmerk laut eigenen Angaben auf Massnahmen mit hohem Umweltnutzen.

Den Detailhändlern ist die Problematik von Mengenrabatten bei Fleisch oder Wurst durchaus bewusst. Thomas Paroubek, Nachhaltigkeitsverantwortlicher der Migros, sagt zum «Tages-Anzeiger», dass die Gefahr von Food-Waste tendenziell bei Aktionen mit Grosspackungen steige.

Detailhandel reagiert

Die Migros hat bereits reagiert, indem viele Produkte die gleichen Rabatte für kleinere Verpackungen aufweisen. Damit sollen auch Kundinnen und Kunden, die kleinere Mengen einkaufen wollen, von Aktionen profitieren können.

Coop hingegen ist noch nicht so weit. Die Massnahmen zu Mengenrabatten sollen zuerst innerhalb der Branche diskutiert werden. «Themen wie Frischeaktionen in Grossmengen sollten branchenweit geregelt werden. Das zu besprechen, ist Teil des Aktionsplans», erläutert Guido Fuchs, Nachhaltigkeitschef von Coop.

Werden die Ziele nicht erreicht, drohen Gesetze

Der Verzicht auf Mengenrabatte kann nämlich auch schlecht fürs Geschäft sein. Solche Angebote haben das Potenzial, Kundschaft in die Läden zu locken. Daher will auch Denner unbedingt an ihnen festhalten. Vor allem bei Familien, die aufs Budget achten müssen, seien die Mengenangebote recht beliebt. Aber auch Denner sieht Handlungsbedarf und will das Angebot für Kleinhaushalte weiter ausbauen.

Setzen die Supermärkte die Forderungen des Bundes nicht konsequent genug durch, will dieser eingreifen. Bereits 2025 soll ein erstes Fazit gezogen werden. Bis dann sollen die Lebensmittelabfälle um 25 Prozent zurückgehen, tritt das nicht ein, können als letzte Massnahme auch Gesetze vorgegeben werden.

(sib)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 22. Oktober 2022 18:06
aktualisiert: 22. Oktober 2022 18:06