Energiekrise

Schweizer Gasverbrauch sinkt um 20 Prozent

21. September 2022, 08:12 Uhr
In den letzten zwei Monaten hat die Schweiz bereits 20 Prozent Gas gespart. Grund dafür sind die hohen Preise. Beim Gas ist eine Mangellage trotzdem wahrscheinlicher als beim Strom.

70 Prozent des Schweizer Gases kommt aus Deutschland. Nun sind die deutschen Speicher fast zu 90 Prozent gefüllt, was der Schweiz eine solide Ausgangsposition für den Winter verschafft. «Wir sind derzeit gut unterwegs, können aber für den Winter keine Entwarnung geben», sagt Bundesenergiekrisenmanager Bastian Schwark im Interview mit der «NZZ».

Hohe Gaspreise senken Verbrauch

Grund für den aufgefüllten Speicher ist die Preisentwicklung des Gases. Wegen der Teuerung ist laut Schwark der Gasverbrauch in der Schweiz um zirka 20 Prozent zurückgegangen. Dies innerhalb der letzten zwei Monate. «Firmen haben auf die hohen Gaspreise reagiert», so Schwark. Denn vor allem die Industrie habe zur Senkung beigetragen.

In Deutschland sei das ähnlich. Nun reicht aber der Speicher alleine nicht aus. «Es braucht laufend Zufluss von Gas, um den höheren Verbrauch in der kalten Jahreszeit zu decken», so der Energieexperte. Ein milder Winter würde die Lage deutlich entspannen, bei einem kalten Winter wird die Lage brenzlig. Dann braucht es möglicherweise weitere Massnahmen. «Beim Gas ist eine Mangellage wahrscheinlicher als beim Strom», erklärt Schwark zur «NZZ».

Angebot und Nachfrage

Unter anderem könnte es zu einer Mangellange kommen, wenn eine zweite Leitung mit russischem Gas (nebst der Nord-Stream-Pipeline), die via Ukraine Gas in den Westen transportiert, ausfällt. Dann «hätte Europa ein grösseres Problem». Schliesslich komme es nur darauf an, ob das Gasangebot die Nachfrage decken kann.

Kritischste Zeit für Stromknappheit im Februar

Beim Strom sieht es etwas besser aus. Es gibt einen guten Grundstock an einheimischer Produktion. Zudem sei die Schweiz voll ins europäische Stromnetz integriert, so Schwark. Fallen Auslandimporte weg, könne darauf mit Sparappelen reagiert werden, «um die Eigenversorgungsdauer beispielhaft von vier auf acht Wochen zu verlängern».

Schwark geht davon aus, dass wir beim Strom ohne Bewirtschaftungsmassnahmen durch den Winter kommen. «Dies schliesst nicht aus, dass es punktuell kritisch werden könnte.» Die kritischste Zeit dürfte ab Mitte Februar sein, wenn kalte Wintertage den Stromverbrauch erhöhen.

(hap)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 21. September 2022 08:13
aktualisiert: 21. September 2022 08:13
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