Nach Bern und Zürich

Schwere Missbrauchsvorwürfe auch gegen Basler Ballettschule

23. Oktober 2022, 18:00 Uhr
Nach Bern und Zürich steht nun auch die Ballettschule des Theater Basel am Pranger. Zuvor wurde bekannt, dass ein Probeleiter am Stadttheater Bern mehrere Tänzerinnen sexuell belästigt haben soll, Schülerinnen der Tanzakademie Zürich berichteten von Qualen und Demütigungen.
Zahlreiche Schülerinnen der Ballettschule des Theater Basel berichteten in den vergangenen Jahren von Quälereien und Beschimpfungen im Unterricht. (Symbolbild)
© KEYSTONE/PHOTOPRESS/GEORGIOS KEFALAS
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Zahlreiche Schülerinnen der Ballettschule des Theater Basel berichteten in den vergangenen Jahren von Quälereien und Beschimpfungen im Unterricht. Die Basler Aufsichtsbehörden haben deswegen mehrere Gespräche mit der Schulleitung geführt, welche die Vorwürfe aber allesamt abstreitet.

Häufung von Fällen 

Der Sprecher des Basler Erziehungsdepartements (ED) bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, dass die kantonalen Aufsichtsbehörden von mehreren Schülerinnen mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert worden seien. Über die gehäuften Missbrauchfälle berichtet haben die «NZZ am Sonntag» und das Basler Online-Medium «Bajour».

Das Sportamt habe im Rahmen von Leistungsvereinbarungsgesprächen in den von vielen Ballettschülerinnen besuchten Sportklassen von den Vorwürfen erfahren, so der ED-Sprecher weiter. In den vergangenen zehn Jahren habe man deswegen sieben bis acht Mal mit der Leitung der Ballettschule gesprochen. Das Sportamt habe aber darüber hinaus keine Handlungsbefugnis gehabt.

Demütigungen, Beschimpfungen und Leistungsdruck 

Die «NZZ am Sonntag» und das Basler Online-Medium «Bajour» stützen sich in ihrem Bericht auf Aussagen von über 30 ehemaligen Schülerinnen. Diese berichten über regelmässige Demütigungen und Beschimpfungen sowie übermässigen Leistungsdruck mit der Folge von Ermüdungsbrüchen und massiven Essstörungen.

In einzelnen Fällen soll es darüber hinaus zu anzüglichem Verhalten von Lehrpersonen gekommen sein. Viele der Frauen hätten während der Ausbildung an der Ballettschule keine Menstruation gehabt. Eine Schülerin habe gar völlig abgemagert ins Spital eingeliefert werden müssen. Die Leitung der Ballettschule bestreitet im Bericht der beiden Medien sämtliche Vorwürfe.

Vorwürfe auch in Zürich und in Bern 

Die Ballettschule des Theater Basel ist eine von nur zwei Institutionen in der Schweiz, die eine Berufslehre zu Bühnentänzerinnen und -tänzer mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis anbieten. Die zweite ist die Tanz-Akademie Zürich.

Auch diese ist mit vergleichbaren Vorwürfen konfrontiert, wie die deutsche Wochenzeitung «Die Zeit» im Juni publik machte. Die Akademie hat inzwischen eine Administrativuntersuchung eingeleitet, das Leitungsteam hat seine Ämter niedergelegt.

Mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert sieht sich schliesslich auch das Berner Ballett. Dort sei es im vergangenen Jahr zu sexuellen Belästigungen gekommen, berichteten mehrere Medien. Inzwischen sei ein Ballettmitarbeiter entlassen worden, während die Direktion der Bühnen Bern den Vorwürfen weiter nachgehen will.

(sda/ris)

Quelle: BärnToday
veröffentlicht: 23. Oktober 2022 15:17
aktualisiert: 23. Oktober 2022 18:00