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Sexuelle Belästigung im Netz: So kannst du dich wehren

Mauro Lorenz, 23. März 2021, 09:26 Uhr
Über die Hälfte der Jugendlichen ist von sexueller Belästigung im Netz betroffen.
© Getty Images
Wie ist es als junge Frau im Internet? Unser Autor bekam bei einem Selbstversuch innert kurzer Zeit Penisfotos zugeschickt. «Das ist erschreckend, aber leider nicht überraschend», sagt Sherin Attoun von Pro Juventute und erklärt, wie man sich schützen kann.

Das Internet ist ein riesiger Ort mit vielen dunklen Ecken. Zu solchen Ecken können auch Privatnachrichten in den sozialen Medien werden, wenn unaufgefordert Fotos von Genitalien, sexuelle Angebote und Drohungen verschickt werden. Wie schnell das Ganze gehen kann, zeigt unser Experiment.

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Quelle: FM1Today

Wenig überrascht zeigt sich Sherin Attoun, Projektverantwortliche für Medien und Information bei Pro Juventute: «Belästigung im Internet ist ein grosses Thema bei Jugendlichen.» Trotzdem fällt es ihnen nicht leicht darüber zu sprechen. Nacktbilder sind peinlich. Auch wenn man sie unfreiwillig zugeschickt bekommt. Entsprechend oft suchen Jugendliche und junge Erwachsene anonyme Hilfe beim «147i», der Beratungshotline von Pro Juventute.

Ignorieren, blockieren und melden

Die Empfehlungen im Umgang mit solchen Nachrichten sind klar: «Am besten ignorieren, blockieren und melden», sagt Sherin Attoun. Insbesondere das Melden sei nicht zu unterschätzen, da nur dann die Plattformen ihre Userinnen und User überprüfen.

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Der Verein Netz Courage geht noch einen Schritt weiter. Er will es Betroffenen ermöglichen, eine Anzeige zu erstellen und zwar mit tiefen Hürden. «Auf unserer Webseite können alle Betroffenen ihre Beweise hochladen und komplett anonym einen Strafantrag ausfüllen», sagt Jolanda Spiess-Hegglin, Geschäftsführerin des Vereins. Entsprechend empfiehlt sie, Beweise zu sichern. Zum Beispiel mit Screenshots. «Für eine Anzeige sind möglichst viele Beweismittel vorteilhaft.»

«Müssen die Grenzen aufzeigen»

Dem Thema der Internet-Belästigung wurde zuletzt mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Auch durch den Einsatz von Vereinen wie Netz Courage. Am Ziel sei man aber noch lange nicht. «Wir müssen weiter darüber sprechen und als Gesellschaft Grenzen aufzeigen.» Sensibilisierung soll nicht nur von Kampagnen kommen, sondern auch im kleinen Kreis. Heisst: Man soll auch in der Familie und bei Freunden deutlich machen, was man von solchen Belästigungen hält.

Das sei insbesondere für Jugendliche wichtig. Die suchen die Schuld nicht selten bei sich selbst. «Aussagen wie: Wenn du es nicht erträgst, musst du dein Profil löschen, gehören leider zum Alltag der Opfer dazu», sagt Jolanda Spiess-Hegglin. Genau in solchen Momenten brauchen Jugendliche Bezugspersonen, die sich klar gegen Belästigungen aussprechen.

Mauro Lorenz
Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 23. März 2021 05:48
aktualisiert: 23. März 2021 09:26