Anzeige
Schweiz

Skandale bei der SRG: Auch im Tessin werden Belästigungen gemeldet

23. November 2020, 14:44 Uhr
Nach Belästigungsvorwürfen beim Westschweizer Fernsehen RTS soll es auch beim italienischsprachigen Radio und Fernsehen RSI zu Vorfällen gekommen sein. Die Gewerkschaft SSM hat 30 Meldungen wegen Belästigung und Mobbing erhalten.
Nach RTS ist nun RSI an der Reihe: Mitarbeiter melden Fälle von sexueller Belästigung. (Symbolbild)
© Keystone

(wap) SRG-Sprecher Edi Estermann bestätigte am Montag auf Anfrage von CH Media, dass die SRG Kenntnis von den bei der Tessiner Sektion des Syndikats Schweizerischer Medienschaffender (SSM) eingegangenen Meldungen habe. Das SSM hatte die Meldungen, die das Radio und Fernsehen der italienischsprachigen Schweiz (RSI) betreffen, am Freitag publik gemacht. In der Mitteilung der SSM ist die Rede von sexueller Belästigung und Mobbing am Arbeitsplatz.

Die SRG werde die Meldungen gleich behandeln wie jene, die in Bezug auf die französischsprachige Radio Télévision Suisse (SRG) eingegangen seien. «Auch hier werden dem SSM gemeldete Fälle geprüft und nach Abklärungen kommuniziert», sagt Estermann. Im Westschweizer Fall untersuchen nun externe Experten die Fälle. Ebenfalls mit externer Unterstützung überprüfe die interne Revision SRG die «unternehmensweit vorhandenen Instrumente zum Schutz der persönlichen Integrität der Mitarbeitenden».

«Der ganze Verwaltungsrat und ich stehen ein für eine lückenlose, unabhängige Untersuchung der Fälle bei RTS sowie der Verantwortlichkeiten und der Tauglichkeit der heute in der SRG vorhandenen Instrumente zum Schutz der persönlichen Integrität», wird SRG-Verwaltungsratspräsident Jean-Michel Cina in einer früheren Mitteilung zitiert.

«Le Temps» machte Fälle publik – und wurde verklagt

Das SSM spricht von einer «Kultur des Wegschauens und der Angst». Einer der nun publik gewordenen Fälle in der Romandie sei der Westschweizer Sektion bereits lange bekannt gewesen: «Vor einigen Jahren schon intervenierten sie bei den Verantwortlichen von RTS, weil sie Kenntnis von sexuellen Übergriffen und gezieltem Mobbing hatten, sie stiessen aber auf taube Ohren», heisst es in der Mitteilung des SSM.

Die welsche Zeitung «Le Temps» hatte Ende Oktober erstmals die schweren Vorwürfe gegen RTS-Moderator Darius Rochebin publiziert. Weitere Vorwürfe betreffen einen RTS-Kadermann. Auch der heutige SRG-Generaldirektor Gilles Marchand soll von den Vorfällen Kenntnis gehabt haben. Darius Rochebin hat auf die Vorwürfe mit einer Verleumdungsklage gegen «Le Temps» reagiert. Trotz der anonymen Vorwürfe liegen bisher keine Klagen gegen ihn vor.

Quelle: CH Media
veröffentlicht: 23. November 2020 14:00
aktualisiert: 23. November 2020 14:44