Inflation eindämmen

SNB hebt Leitzins deutlich an – Börse auf Talfahrt

16. Juni 2022, 10:46 Uhr
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hebt etwas überraschend den Leitzins deutlich an. Die Notenbank erhöht den sogenannten SNB-Leitzins um 0,50 Prozentpunkte auf -0,25 Prozent.
Die SNB unter ihrem Chef Thomas Jordan erhöht die Leitzinsen überraschend deutlich und gibt damit markant Gegensteuer zur Infaltion. (Archivbild)
© KEYSTONE/ANTHONY ANEX

Die SNP will der Inflation entgegenwirken und hebt deshalb den Leitzins um 0,5 Prozenpunkte an. Es sei weiter nicht auszuschliessen, dass in absehbarer Zukunft weitere Zinserhöhungen nötig werden, wie die Nationalbank am Donnerstag erklärte. Die straffere Geldpolitik soll verhindern, dass die Inflation in der Schweiz breiter auf Waren und Dienstleistungen übergreift.

Die Notenbank betonte ausserdem ihre Absicht, bei Bedarf weiterhin am Devisenmarkt zu intervenieren. Die SNB hatte 2021 für 21,1 Milliarden Franken Fremdwährungen gekauft.

Erster Zinsschritt seit sieben Jahren

Damit hat die SNB erstmals seit fünfzehn Jahren die Zinsschraube wieder etwas angezogen. Im Januar 2015 hatte sie den Leitzins gleichzeitig mit der Aufgabe des Euro-Mindestkurses auf das rekordtiefe Niveau von -0,75 Prozent gesenkt.

Negativzinsen hatte die SNB am 18. Dezember 2014 eingeführt, indem sie Guthaben auf ihren Girokonten, die einen bestimmten Freibetrag überstiegen, mit einem Zins in Höhe von -0,25 Prozent belastete.

Schweizer Börse auf Talfahrt

Mit der unerwarteten Zinserhöhung hat die SNB die Marktteilnehmer an der Schweizer Börse auf dem falschen Fuss erwischt. Der Leitindex SMI reagierte mit einem markanten Taucher, dagegen ist der Franken deutlich erstarkt.

Die SNB habe nicht nur unerwartet an der Zinsschraube gedreht, sie habe dies auch viel stärker getan, als auch nur im entferntesten hätte erwartet werden können, sagte ein Händler. Der SMI büsst daher auch kräftig Terrain ein. Um 9.45 Uhr notierte das wichtigste Kursbarometer um 2,34 Prozent tiefer auf 10'530,28 Punkten, im bisherigen Tagestief waren es 10'478 Zählern. Das ist so tief wie seit Dezember 2020 nicht mehr.

Besonders unter Druck standen dabei die Aktien von Partners Group (-4,2%) sowie die Wachstumstitel Straumann (-4,8%), Sonova (-4,1%) und Lonza (-3,5%). Mit Abschlägen von ein bis zwei Prozent schlagen sich die eher defensiven Nestlé, Kühne+Nagel, Swisscom, Novartis und Roche noch am besten.

Der Euro ist zum Franken auf 1,0206 gerutscht, kurzzeitig war er gar unter 1,02 Franken gefallen. Ein Dollar wurde zu 0,9826 Franken ebenfalls deutlich tiefer gehandelt.

Vorreiter US-Notenbank

Am Vorabend hatte die US-Notenbank Fed zum dritten Mal seit Beginn der Coronavirus-Pandemie den Leitzins erhöht. Durch die Erhöhung um 0,75 Prozentpunkte liegt er nun bei einer Spanne von 1,50 bis 1,75 Prozent.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wiederum will erst im Juli ihre Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte anheben. Diese wäre dann die erste Erhöhung seit über einem Jahrzehnt.

(sda/baz)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 16. Juni 2022 09:57
aktualisiert: 16. Juni 2022 10:46
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