Ukraine-Krieg

«Soja, Reis und andere Grundnahrungsmittel könnten teurer werden»

28. Februar 2022, 09:00 Uhr
Der Ukraine-Krieg hat auch Folgen für die Schweiz. So sind die Benzin- und Ölpreise bereits deutlich gestiegen. Doch gibt es noch andere Folgen, die zu erwarten sind? Wir haben mit Reto Föllmi, Volkswirtschaftsprofessor Uni St.Gallen, über die Auswirkungen des Kriegs auf die Schweiz gesprochen.
Längerfristig könnten Grundnahrungsmittel wie Soja, Reis und Weizen teurer werden. (Symbolbild)
© Getty Images

Reto Föllmi, hat der Ukraine-Konflikt Folgen für die Schweiz?

Die unmittelbaren Folgen für den Aussenhandel der Schweiz sind bescheiden, da wir wenig mit Russland und der Ukraine handeln. Russland gehört nicht zu den 20 grössten Handelspartner der Schweiz. Was wir aber unmittelbar bemerkt haben, ist der rasante Preisanstieg bei Öl, Benzin und Gas. Das merkt man direkt im Portemonnaie.

Gibt es weitere Folgen, die wir in Zukunft bemerken könnten?

Russland ist ein sehr wichtiger Importeur von Rohstoffen und hat deshalb eine wichtige Bedeutung für die Lieferketten. Die Rohstoffe sind beispielsweise Produkte, die ich zur Düngerproduktion brauche und haben deshalb einen wichtigen Einfluss auf die Nahrungsmittelproduktion. Mittelfristig muss man deswegen mit Preisanstiegen bei Nahrungsmittel rechnen.

Was für Lebensmittel könnten von den Preisanstiegen betroffen sein?

Da Dünger bei ganz vielen Produkten, wie Soja, Reis und anderen Grundnahrungsmitteln, eine wichtige Rolle spielt, könnte man bei diesen Produkten einen Preisanstieg bemerken. Dünger spielt in der ganzen Nahrungsmittelproduktion eine sehr wichtige Rolle. Später auch bei Nahrungsmitteln, die als Futter für Tiere in der Fleischproduktion dienen. Ausserdem ist die Ukraine ein grosser Exporteur von Weizen weltweit.

Hat der Ukraine-Konflikt Auswirkungen auf Schweizer Firmen?

Die Firmen, die direkt mit Russland handeln, merken den Konflikt stark. Aber dieser Aussenhandel ist relativ klein. Wir exportieren rund sechs Milliarden an Gütern und Dienstleistungen und importieren für etwa drei Milliarden aus Russland. Es sind vor allem Pharma, Maschinen und Uhren. Die Firmen, die vor allem auf Energie basieren, wie die Stahl- oder Aluminiumindustrie, merken die Preissteigerungen sehr stark in der Produktion. Insgesamt ist der Effekt auf die verarbeitende Industrie eher bescheiden.

Was passiert mit dem Handel wenn andere Länder angegriffen werden?

Wenn Russland weitere Länder attackiert, beispielsweise im Baltikum, wäre das eine Eskalation auf einer höheren Stufe. Dann wäre mit einem Handels-Embargo zu rechnen. Dann würden die Rohstoffe nicht mehr nach Europa kommen, sondern würde über China geliefert werden. Das ist mit extrem hohen Kosten verbunden. Das wäre Krieg von einem Ausmass, der massivste Verwerfung für die ganze Weltwirtschaft hätte. Die Unsicherheit würde nicht nur in den Ölpreisen, sondern auch in den Börsenkursen und den Zinsen zu spüren sein.

Wie stark leidet die Börse unter der Ukraine-Krise?

Die Börse musste leider Rückschläge verkraften. Unsicherheit ist immer Gift für Anlagen, wie Aktien, die ein Risiko haben. Wenn sich der Konflikt nicht auf andere Länder ausdehnt, wird bei der Börse eine Beruhigung eintreten. Rein wirtschaftlich sind diese Länder nicht so bedeutsam. Die gestiegene Unsicherheit bleibt auf dem Markt jedoch sichtbar.

(red.)

Quelle: Radio FM1
veröffentlicht: 28. Februar 2022 06:11
aktualisiert: 28. Februar 2022 09:00
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