St.Galler bringt Menschen zusammen

Stefanie Rohner, 14. Oktober 2018, 17:03 Uhr
Samir Zjakic, Gründer des Vereins Latzhose und Björn Sauter vom Schwarzen Engel.
© FM1Today/Stefanie Rohner
Menschen, die am Rand der Gesellschaft und vom alltäglichen Geschehen ausgeschlossen werden, sollen mehr mit jenen zusammenkommen, die Zugang haben. Der «Verein Latzhose» möchte mit einer Veranstaltungsreihe ein Miteinander schaffen. Im November ist Premiere.

Jetzt gibt's «eis an Latz»: Miteinander sein, sich austauschen und gemeinsam ein Konzert geniessen. Klingt wie ein normaler Abend. Doch Samir Zjakic aus St.Gallen möchte damit die Menschen zusammenbringen. Menschen, die nicht in der Mitte der Gesellschaft leben, und solche, die mittendrin sind. Deshalb plant er in der St.Galler Genossenschaftsbeiz «Schwarzer Engel» eine Veranstaltungsreihe.

Nicht nur Konzerte sind geplant sondern auch andere kulturelle Veranstaltungen. «Was genau das sein wird, werden wir sehen. Erst einmal müssen wir loslegen und sehen, welche Bedürfnisse es gibt», sagt Zjakic.

Herzensprojekt anpacken

Die Idee schlummert schon zehn Jahre in Zjakic, nun kann er sie umsetzen. Er weiss, was er will und er hat für dieses Projekt den nötigen Background. Er studiert Soziale Arbeit und hat fast täglich mit autistischen Menschen zu tun. Nebst dem Studium arbeitet er im «Workaut» in St.Georgen. Dort werden Menschen mit Autismus in der Schule, bei der Arbeit und im Alltag begleitet.

Nun setzt er sein Herzensprojekt um. Für ihn ist der «Schwarze Engel» der perfekte Ort. Er ist gern dort, auch ab und zu mit einem Klienten. «Er eckt durch seinen Autismus manchmal an. Im Engel wurde er vom Kollektiv und den Gästen gut aufgenommen. Deswegen wollte ich die Veranstaltungen hier machen», sagt Zjakic.

Das Kollektiv hat seine Idee gut gefunden und öffnet das Lokal, obwohl es dienstags normalerweise geschlossen ist. «Der Engel soll ein Ort sein, wo so etwas wie ein soziales Projekt seinen Platz findet. Im Kollektiv ist das Interesse und die Zustimmung für die Latzhose sehr gross», sagt Björn Sauter vom Engel-Kollektiv.

Die Premiere vom Verein Latzhose: Ein Konzert mit Kaufmann. Bild: FM1Today/Stefanie Rohner

«Es braucht eine Plattform»

Einmal im Monat, jeweils am Dienstag, findet eine Veranstaltung vom «Verein Latzhose» im Schwarzen Engel statt. Am 6. November, dem Premiere-Abend, wird die Siegerband des letztjährigen BandXost, Kaufmann, spielen.

Die Kollektivmitglieder des Engels werden die Bar schmeissen. «Eine andere Möglichkeit wäre, dass auch Menschen mit einer Beeinträchtigung hinter der Bar stehen und die Veranstaltungen mitgestalten», sagt Zjakic.

Er sagt, man will keine Veranstaltung für Menschen mit einer Beeinträchtigung macht, sondern mit ihnen. «Dafür braucht es eine Plattform. In diesem Fall ist es der Engel», sagt Zjakic. Er betont, es sei aber nicht ausschliesslich für Menschen mit Beeinträchtigung gedacht. «Das können auch Menschen mit Migrationshintergrund oder Geflüchtete sein. Und natürlich alle anderen», sagt Zjakic.

Die mobile Latzhose

Er möchte die Latzhose auch mobil machen. «Ich möchte, dass wir mitten in der Stadt unseren Platz finden und das könnte mit einer mobilen Bar sein», sagt er. Dazu möchte er einen alten Bauwagen umbauen und eine Bar einrichten.

Menschen, die aus der Gesellschaft ausgeschlossen sind, sollen dort hinter der Bar stehen. Zjakic ist klar der Meinung, dass die Gesellschaft Leute nicht böswillig ausschliesst. «Ich glaube an das Gute im Menschen. Es gibt aber zu wenig Plattformen», sagt er.

Teils liege es an Strukturen - räumlich seien viele vom normalen Alltag ausgeschlossen. «Asylunterkünfte und soziale Institutionen sind meist am Stadtrand angesiedelt», sagt Zjakic. Auch liege es an fehlenden personellen Ressourcen. «Es ist selten möglich, mit einem einzelnen Klienten an einen Anlass zu gehen», sagt Zjakic.

Mit dem «Verein Latzhose» möchte er einen neuen Ort für alle schaffen. Für mehr Integration und mehr Miteinander. «Wir sind nicht die ersten, die das tun. Aber die Soziale Arbeit hat den Auftrag, Brücken zu bauen und Zugänge zu schaffen», sagt Zjakic.

Stefanie Rohner
Quelle: str
veröffentlicht: 14. Oktober 2018 17:03
aktualisiert: 14. Oktober 2018 17:03