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Rückenmarksverletzung

Studie für Therapie von Rückenmarksverletzungen startet

13. Januar 2021, 07:03 Uhr
Hoffnung für Patienten, die nach einer Rückenmarksverletzung Arme und Hände nicht mehr bewegen können: Mit der «Arc Therapy» sollen durchtrennte Verbindungen zwischen noch bestehenden neuronalen Netzwerken und dem Gehirn wiederhergestellt werden.
Für den querschnittgelähmten «Superman»-Darsteller Christopher Reeve kommt die «Arc Therapy» zu spät: Er starb 2004. Leidensgenossen von ihm könnte das von einem Lausanner Unternehmen entwickelte Verfahren aber künftig Sensibilität und Beweglichkeit von Armen und Händen zurückgeben. (Archivbild)
© Keystone/AP/LUKE PALMISANO

Soeben wurde der erste Patient für die Zulassungsstudie zur Beurteilung der so genannten «ARC TherapyTM» rekrutiert. Das teilte das am Lausanner EPFL und im niederländischen Eindhoven ansässige Unternehmen ONWARD, ehemals GTX Medical, am Mittwoch mit.

In der Zulassungsstudie Up-LIFT wird die Sicherheit und Wirksamkeit der «ARC Therapy» bei der Wiederherstellung der Arm- und Handfunktion bei Rückenmarksverletzungen beurteilt. Bei Up-LIFT handelt es sich um die erste gross angelegte Zulassungsstudie der nichtinvasiven Rückenmarksstimulationstechnologie. Der erste Patient wurde im Shepherd Center in Atlanta, GA, USA rekrutiert.

Endlich wieder selber essen

«Ist die Arm- und Handfunktion durch eine Rückenmarksverletzung beeinträchtigt, so führt eine Verbesserung der Handfunktion direkt zu einem spürbaren Gewinn an Lebensqualität – essen, anziehen und Alltagsaktivitäten werden wieder möglich», so Dr. Edelle Field-Fote, eine der Prüfärztinnen der Up-LIFT-Studie und Direktorin für Rückenmarksverletzungsforschung und Professor für Rehabilitationsmedizin an der Emory University School of Medicine.

«Der Beginn dieser Studie stellt einen wichtigen Meilenstein in Sachen Verfügbarkeit der nichtinvasiven Stimulation bei Rückenmarksverletzungen dar, wobei das Hauptaugenmerk auf der Wiederherstellung der Hand- und Armfunktion liegt», so Dr. Chet Moritz, einer der Prüfärzte der Up-LIFT-Studie und Associate Professor in den Abteilungen Elektrik-, Computer-Engineering- und Rehabilitationsmedizin der University of Washington in Seattle. ONWARD plant, an bis zu 15 Standorten in den Vereinigten Staaten, Kanada, Grossbritannien und Europa 65 Probanden zu rekrutieren.

Eine Brücke für getrennte Nervenbahnen

Gemäss einer Studie, die vor kurzem von Chet Moritz und Forschenden der University of Washington im Fachjournal «Transactions on Neural Systems and Rehabilitation Engineering» publiziert wurde, führt die transkutane Rückenmarksstimulation bei motorisch vollständiger und teilweiser zervikaler SCI zu einer schnellen und nachhaltigen Erholung der Hand- und Armfunktion.

Zu einem «Arc», einem Lichtbogen, kommt es, wenn ein elektrischer Impuls die Lücke zwischen zwei Leitern überbrückt. Bei der «ARC Therapy» sollen durchtrennte Verbindungen zwischen noch bestehenden neuronalen Netzwerken und dem Gehirn durch eine spezifische, zielgerichtete Rückenmarksstimulation wiederhergestellt werden.

Quelle: sda
veröffentlicht: 13. Januar 2021 06:55
aktualisiert: 13. Januar 2021 07:03