Swissmilk ist «Feindbild Numero Uno»

Angela Mueller, 27. Oktober 2018, 06:49 Uhr
Die Veganer fordern von Swissmilk mehr Werbung für pflanzliche Milchprodukte.
Die Veganer fordern von Swissmilk mehr Werbung für pflanzliche Milchprodukte.
© KEYSTONE/MANUEL LOPEZ
«Und warum trinkst du Milch?» Mit dieser Frage hat Swissmilk bei den Veganern in ein Wespennest gestochen. Denn wenn es um Fleisch und Kuhmilch geht, hört bei Veganern der Spass und die Zurückhaltung auf.

«Danke für die angeregte Diskussion auf unserer Plattform. Wir respektieren eure Meinung, drehen uns aber im Kreis», so beginnt ein verärgerter Brief von Swissmilk auf Facebook, der sich an Veganerinnen und Veganer wendet. Diese hatten, zum Teil in sehr harschem Ton, den Milchkonsum verurteilt.

Stein des Anstosses war ein TV-Spot aus dem Jahre 1978, den Swissmilk in der Serie «Retro Milkday» gepostet hatte. Junge Männer in Gastlokalen sagen, weshalb sie Milch trinken. Die Reaktionen auf Facebook fallen teilweise heftig aus, hier nur die sanfteren: «Einfach nur beelendend für die ausgebeuteten Tiere. Schon mal hinter die Kulissen der Milchtierhaltung geschaut?» oder: «Würdet ihr auch weiterhin Milch trinken, wenn ihr das Kälbchen eigenhändig töten müsstet - statt nur es zuzulassen  - um an die Muttermilch zu gelangen?» Wenn es um Fleisch und Milch geht, geraten Veganer in Wut.

Retromilkday (Spot von 1972)

... und warum trinkst du Milch? #retromilkday (Spot von 1972)

Gepostet von Swissmilk am Montag, 15. Oktober 2018

Veganer und Nichtveganer beschimpfen sich

Rund 400 Reaktionen gab es auf den Post, und wie so oft in solchen Situationen beschimpfen sich auch die Kommentierenden untereinander. Swissmilk schreitet mehrmals schlichtend oder rechtfertigend ein. Vergeblich. Ein paar Tage später hat die Organisation mit dem «Liebe Veganer-Post» reagiert. «Es ist eigentlich nur eine Erinnerung an die Netiquette, welche wir ganz zum Start von Social Media veröffentlicht haben», sagt Stefan Arnold, Leiter Marketing Swissmilk.

Im Brief versucht Swissmilk die Wogen zu glätten, fragt aber auch: «(...) nur weil man einen Schluck Milch in seinem Kaffee mag, ist man ein Unmensch?» Und weiter: Schweizer Milch schneide markant besser ab, als solche aus dem Ausland und man setze sich für die Tiere ein. Bald kommt Swissmilk zum Schluss, dass man das «Feinbild Numero Uno» der Veganer sei.

Überrascht von den Reaktionen

Seit Februar diesen Jahres betreibt Swissmilk den Facebook-Account und hat bereits über 35'000 Follower. Bisher gab es keine Probleme, geschweige denn einen Shitstorm. «Wir waren überrascht, auch wenn der betreffende Post mit einem TV-Spot von 1978 durchaus nicht mehr dem heutigen Zeitgeist entspricht», sagt Arnold.

Renato Pichler von der Veganer-Organisation Swissveg distanziert sich von den unsachlichen und unseriösen Kommentaren auf Facebook bei Swissmilk, auch wenn er ein gewisses Verständnis dafür hat: «Swissmilk verbreitet zum Teil Unwahrheiten, das löst Wut aus.»

Swissvegan zeigte Swissmilk bereits an

So hat die Organisation der Veganer gegen Swissmilk wegen der «Echt stark»-Kampagne von diesem Frühjahr eine Beschwerde bei der Schweizerischen Lauterkeitskommission eingereicht. Trotzdem setzt Swissveg auf Dialog: «Wir werden uns demnächst mit Swissmilk treffen und unsere Postionen diskutieren.» Seine Kritik: «Swissmilk setzt sich nur für tierische Milchprodukte ein, wohingegen die pflanzlichen Alternativprodukte im Kommen sind.»

Doch genau hier dürfte das Hauptmissverständnis liegen. Swissmilk gehört dem Verband der Schweizer Milchproduzenten und ist verantwortlich für das Marketing der Schweizer Milch und Milchprodukte. «Wir werden von den Schweizer Milchbauern finanziert», sagt Arnold. Und die Schweizer Milchbauern produzieren logischerweise keine Pflanzendrinks.

Schweizer und ausländische Milchverarbeiter wie Emmi, Danone oder Elsa Miflora sind inzwischen durchaus auf den veganen Zug aufgesprungen, entsprechend viele Alternativen zur Milch sind in den Gestellen der Grossverteiler zu finden.

Von 8000 Rezepten 1600 vegetarisch

Swissmilk vertritt aber nur die Produzenten: «Deshalb werben wir auch nicht für alternative Milchprodukte», sagt Arnold. Er weist darauf hin: Von den über 8000 Rezepten auf swissmilk.ch sind rund 1600 vegetarisch. «Wir setzen uns für eine gesunde, regionale, frische Küche ein und dazu gehören auch vegetarische Rezepte.»

Angela Mueller
veröffentlicht: 27. Oktober 2018 06:38
aktualisiert: 27. Oktober 2018 06:49