Tiefe Überlebensrate im Kispi Zürich

Angela Mueller, 14. Mai 2019, 07:45 Uhr
Eine brisante Studie stellt dem Kinderspital in Zürich kein gutes Zeugnis aus: Zu viele Kinder mit einem bestimmten Herzfehler sterben.
Eine brisante Studie stellt dem Kinderspital in Zürich kein gutes Zeugnis aus: Zu viele Kinder mit einem bestimmten Herzfehler sterben.
© KEYSTONE/Gaetan Bally (Symbolbild)
Am Zürcher Kinderspital ist die Sterblichkeit herzkranker Kinder doppelt so hoch wie in anderen europäischen Ländern. Konflikte innerhalb des Kinderherzzentrums könnten die Ursache dafür sein.

39 Prozent aller Neugeborenen mit einem bestimmten Herzfehler sterben im Kinderspital Zürich, dies ergab eine Studie, die es selbst veröffentlicht hat. Zum Vergleich: Im deutschen Giessen sterben lediglich 15 Prozent der Babys, im niederländischen Utrecht waren es 19 Prozent.

Krankheit gilt als Gradmesser

Die Überlebensrate bei diesem Herzfehler, dem sogenannten Hypoplastischen Linksherzsyndrom, gilt als Gradmesser für die Qualität von Kinderherzzentren. Die Neugeborenen mit dieser Krankheit brauchen insgesamt drei Operationen am Baumnuss grossen Herzen. In Zürich wurden in der Studie 57 Kinder erfasst, 22 davon starben bis zur zweiten Operation. Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2001 bis 2014.

Insider berichten, dass zwischen der Herzchirurgie, der Kardiologie und der Intensivstation massive Konflikte ausgetragen werden, berichtet das «St.Galler Tagblatt». Dies würde die Qualität der Behandlung beeinträchtigen, vor allem bei den schwierigen Fällen.

Kinderspital wehrt sich gegen Vorwürfe

Das Kinderspital Zürich schreibt auf Anfrage, die Zusammenarbeit unter den Abteilungen sei anspruchsvoll, weil die Behandlungsteams Entscheide fällen, bei denen es um Leben und Tod gehe. «Es gibt viele Schnittstellen und Diskussionen, die aber konstruktiv und im Ergebnis zielführend geführt werden.»

Das Kinderspital Zürich hatte in letzter Zeit Schlagzeilen wegen Streitigkeiten unter den Ärzten Aufsehen erregt. Zum Beispiel befindet sich derzeit ein Arzt seit 44 Tagen im Hungerstreik. Dieser war vom Kinderspital freigestellt worden, nachdem er sich öffentlich negativ über das Kinderspital äusserte und drei seiner Vorgesetzten angezeigt hatte. Der Arzt verlangt vom Spital ein korrektes Arbeitszeugnis.

(red.)

 

 

Angela Mueller
veröffentlicht: 14. Mai 2019 07:25
aktualisiert: 14. Mai 2019 07:45