Schweiz

Trinkwasserinitiative: Positive Effekte würden laut Agroscope verpuffen

3. Juli 2020, 14:42 Uhr
Agroscope kommt zum Schluss, dass aufgrund der Trinkwasserinitiative die Umweltbelastung im Gesamtergebnis zunähme. (Symbolbild)
© Keystone
Die Trinkwasserinitiative würde gemäss einer neuen Studie die Pestizidbelastung von Gewässern reduzieren. Jedoch nähme die Umweltbelastung gesamthaft zu. Befürworter der Initiative zweifeln die Aussagekraft der Studie an.

(dpo) Welche Auswirkungen hätte die Umsetzung der Trinkwasserinitiative? Dieser Frage geht ein Bericht der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Agroscope nach, der am Freitag veröffentlicht wurde. Demnach liesse sich mit Umsetzung der Initiative die Belastung von Gewässern in der Schweiz mit Pestiziden und Nährstoffen reduzieren. Zudem könnte sich die Biodiversität im Inland leicht verbessern, schreibt Agroscope.

Die Trinkwasserinitiative verlangt, dass nur noch diejenigen Landwirtschaftsbetriebe mit Direktzahlungen unterstützt werden, die keine Pestizide einsetzen, ohne prophylaktischen Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung auskommen und deren Tierbestand mit dem auf dem Betrieb produzierten Futter ernährt werden kann. Das Stimmvolk wird voraussichtlich 2021 über die Initiative abstimmen.

Zunahme der Umweltbelastung durch Importe

Die Studie der Forschungsanstalt kommt allerdings zum Schluss, dass die Umweltbelastung im Gesamtergebnis zunähme. Dies sei darauf zurückzuführen, dass die Nahrungsmittelimporte, vor allem von Fleisch, steigen würden. Die Verbesserung der Wasserqualität in der Schweiz müsste mit deutlichen Umweltbelastungen in den Herkunftsländern der Importe erkauft werden, so Agroscope.

Um diese Auswirkungen der Trinkwasserinitiative zu vermindern, schlägt Agroscope verschiedene Massnahmen vor. Dazu zählen etwa das Setzen von Standards in den aktuellen Import-Herkunftsländern oder die Änderung des Ernährungsverhaltens mit Verzicht auf besonders umweltbelastende Produkte.

Ein stärkerer Fokus auf Konsumverhalten

Der Naturschutzverband BirdLife Schweiz ist der Ansicht, dass die Studienergebnisse aufgrund des zu eng gefassten Untersuchungsrahmens nicht aussagekräftig seien. Ein übermässiger Konsum an tierischen Eiweissen hätte sowohl im In- als auch im Ausland negative Umweltwirkungen. Diese gegeneinander aufzuwiegen diene nicht der Sache, schreibt BirdLife in einem Communiqué am Freitag. Die Umsetzung der Trinkwasserinitiative sei eine von mehreren Etappen auf dem Weg zu einer biodiversitätsfreundlichen Landwirtschaft.

Für den Verein Pro Natura, der die Trinkwasserinitiative befürwortet, sind die Ergebnisse der Agroscope-Studie ein «Fingerzeig, in welche Richtung künftige Diskussionen gehen sollten.» Die Studie zeige auf, dass die aktuelle Agrarpolitik zu einseitig auf den Landwirtschaftssektor ausgerichtet ist. Die Naturschutzorganisation fordert, dass die Agrarpolitik 22+ sich noch viel stärker auf unser Konsumverhalten fokussieren müsse.

Quelle: CH Media
veröffentlicht: 3. Juli 2020 14:37
aktualisiert: 3. Juli 2020 14:42