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Nach Zertifikatspflicht

Ueli Maurer: «Graben in der Gesellschaft verhärtet sich»

8. September 2021, 21:56 Uhr
Der Bundesrat, unter ihnen Finanzminister Ueli Mauerer, hat am Mittwoch eine Ausweitung der Zertifikatspflicht beschlossen. Der SVP-Bundesrat hat sich am Wochenende noch kritisch zur Ausweitung geäussert. Im «TalkTäglich» nimmt Maurer zum heutigen Bundesratsentscheid Stellung.
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Quelle: tele1

«Es gab von Anfang an drei Problemkreise», sagt Ueli Maurer zu den aktuellen Bundesratsentscheiden. «Es geht um die Gesundheit, die Finanzen und darum, wie die Gesellschaft auf den Einfluss aus Bern reagiert und dieser Punkt macht mir grosse Sorgen.»

«Ich bewege mich viel unter Corona-Skeptikern»

Es gäbe jene, die sich impfen lassen wollen und dafür werben und jene, für die eine Impfung nicht in Frage komme. «Der Bundesrat hat versucht, einen Weg dazwischen zu finden.» Für Maurer ist der eingeschlagene Weg aber kein einfacher: «Wir müssen Sorge tragen, dass sich der Graben zwischen diesen beiden Gruppen nicht weiter verhärtet. So weit, dass wir ihn nicht mehr zu bringen.»

Als SVP-Bundesrat bewege sich Maurer viel unter Corona-Skeptikern. «Darunter sind nicht nur SVPler, sondern auch sehr viele junge Frauen.» Er habe Verständnis dafür, dass sich Menschen nicht impfen lassen wollen. «Ein Impfstoff dieser Art kennt man noch nicht und der Druck aus Bern ist für viele eine Sache des Teufels.» Er glaubt aber auch, dass Impfskeptikern durchaus bewusst ist, dass durch ihre Impfverweigerung, eine Überlastung des Gesundheitssystem droht.

Maurer setzt sich für Corona-Impfung ein

«Es nützt nichts, wenn man einander ‹wüst› sagt.» Auch wenn Ueli Maurer beide Seiten versteht, setzt er sich für das Impfen ein: «Wir müssen schauen, dass sich die Leute impfen. Die Impfung bietet den grösstmöglichen Schutz für einen selbst und die Gesellschaft. Es gilt, die innere Hürde zu überwinden, so trägt man am meisten dazu bei, die Coronakrise zu überwinden.»

Dass es vor allem die SVP ist, die sich gegen Corona-Massnahmen oder eine Zertifikatspflicht ausspricht, findet der Finanzminister gut und wichtig in einer Demokratie. «Die SVP nimmt Stellung für Menschen, die Skepsis haben. Viele sagen, dass sie nicht laut sagen dürfen, was sie denken. Ich finde, jede Meinung soll angehört werden.»

«Wir müssen alle wieder normal werden»

Ueli Maurer spricht im «TalkTäglich» auch über sein eigenes Wohlbefinden während der Coronakrise. Die Verantwortung als Finanzminister sei mit so vielen Schulden gross. «Ich bin fast nicht gehört worden. Geld spielte während der Pandemie keine Rolle mehr. Es wurden Milliarden ausgegeben und ich denke dann an die Kinder und Enkel, die das eines Tages bezahlen müssen.» Die Krise habe die Leute abgehoben. «Wir müssen alle wieder normal werden.»

Auf die Frage, wie lange er mit bald 71 noch Bundesrat bleibt, sagt Maurer: «Es ist mein schönstes Hobby. Ich werde nicht im Amt sterben, schliesse aber eine weitere Legislatur nicht aus.»

(red.)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 8. September 2021 22:07
aktualisiert: 8. September 2021 21:56