Unter Quarantäne wegen einer Grippe

Laurien Gschwend, 9. Januar 2017, 17:36 Uhr
Von der Grippe geschwächt: Yannick Bösch, als er ins Spital eingeliefert wurde.
Von der Grippe geschwächt: Yannick Bösch, als er ins Spital eingeliefert wurde.
© zvg
«Mit einer Grippe musst du daheim bleiben und viel Tee trinken!» Für einige Personen nimmt die Erkrankung jedoch einen schwereren Verlauf. Sie müssen im Spital behandelt werden - isoliert von der Umwelt.

Der 21-jährige Yannick Bösch befand sich am Donnerstagabend während einer Beförderung im Militär-Wiederholungskurs in der Achtungsstellung, als ihm plötzlich schwarz vor Augen wurde. «Ich wurde bewusstlos und fiel zu Boden», schildert der Solothurner gegenüber FM1Today. Er kam wieder zu sich, das Ganze wiederholte sich aber noch einmal. «Deshalb liess ich mich im Spital durchchecken - nach der Blutentnahme zeigte sich, dass ich mich mit der Influenza-Grippe infiziert hatte.»

«Meine Besucher tun mir leid»

Seit Freitag befindet sich der ETH-Student nun in einem Isolationszimmer des Bürgerspitals Solothurn. Wer den angehenden Ingenieur besucht, muss einen Schutzanzug, Handschuhe und eine Maske überziehen. «Eine komische Situation. Meine Besucher tun mir leid, obwohl ich eigentlich der bin, der krank ist.» Es seien schon viele Selfies von Familienmitgliedern und Freunden in Einwegmänteln entstanden, erzählt Yannick und lacht.

Nach Spitalaufenthalt zurück in den WK

Wirklich schlecht gehe es ihm nicht mehr. «Bereits am Samstag war das Fieber weg, die Ärzte sagen aber, das Virus könne insgesamt fünf Tage übertragen werden, deshalb liege ich jetzt noch hier», berichtet Yannick aus dem Krankenzimmer. Am Mittwoch könne er das Bürgerspital verlassen. «Dann muss ich zurück in den WK, der noch bis Freitag dauert.»

Der Wiederholungskurs endet womöglich mit einigen Absenzen: Sechs junge Männer seien am Freitag ebenfalls krank geworden. «Verbringt man so viel Zeit zusammen wie im Militär, dauert es jeweils nicht lange, bis man seine Kameraden ansteckt», sagt Yannick.

Elf Personen unter Quarantäne

Eric Send, Mediensprecher der Solothurner Spitäler, bestätigt, dass derzeit einige Grippepatienten unter Quarantäne gehalten werden. «Am heutigen Montag sind es elf Fälle, die stationär behandelt werden müssen.» Diese Zahl variiere jedoch ständig. Zeige jemand nicht mehr ganz so starke Symptome, könne er wieder nach Hause. Eine Durchschnittsgrippe dauere etwa eine Woche, manche Patienten müsse man danach noch einige Tage aufbauen.

Influenza kann tödlich enden

Für Isolationszimmer entscheide man sich, weil Influenza-Viren hoch ansteckend seien. «Es ist enorm wichtig in einem Spital, alles zu unternehmen, damit diejenigen Patienten, die ohnehin geschwächt sind, nicht auch noch mit der Grippe angesteckt werden», sagt Send. Schliesslich könne die Influenza bei älteren und immunschwachen Personen einen tödlichen Verlauf nehmen.

Bei einigen Patienten müsse man den Kreislauf stabilisieren und sie auf der Intensivstation überwachen. «Eine Grippeerkrankung ist ernst zu nehmen.» Bei jüngeren, gesunden Personen genüge es allerdings oftmals, die Krankheit daheim auszukurieren, sich auszuruhen und viel zu trinken.

«Notfallstationen werden überrannt»

«Seit einigen Tagen werden die Solothurner Notfallstationen von Leuten mit Grippesymptomen regelrecht überrannt», sagt Send. Ob es sich in jedem Fall um eine Grippe handle, sei schwierig zu sagen, zumal man nur Patienten stationär im Spital aufnehme, die etwas älter sind, schwere Krankheitsverläufe durchmachen oder an einer Vorerkrankung leiden.

Quarantäne auch im FM1-Land Normalfall

Dass Patienten mit einer Influenza isoliert werden, ist auch im Kantonsspital St.Gallen eine Standardmassnahme, um eine Verbreitung zu verhindern. «Wenn immer möglich soll der Patient in einen Einzelzimmer isoliert werden», sagt Mediensprecher Philipp Lutz auf Anfrage. Das Personal sowie auch der Besuch müsse bei Patientenkontakten chirurgische Masken tragen.

Wie viele Personen derzeit im St.Galler Kantonsspital aufgrund einer Influenza isoliert werden müssen, kann Lutz nicht genau sagen. «Es gibt leider auch immer wieder einzelne Patienten, bei denen eine Grippe mit schwereren Symptomen auftritt. Diese Patienten müssen auf den Intensivstationen überwacht werden.»

«Wir spüren die Grippewelle im Kanton Thurgau aktuell sehr, dies vor allem im Notfall», schreibt auch Martin Krause, Chefarzt der medizinischen Klinik am Kantonsspital Münsterlingen. Man behandle in seinem Spital derzeit rund acht Patienten stationär wegen einer Influenza. «Die Patienten werden isoliert, entweder im Einzelzimmer oder abgeschirmt mit Stellwand im Zweierzimmer.» Man treffe diese Massnahme, um die Übertragung mittels Tröpfchen auf Personal und andere Patienten zu verringern.

Laurien Gschwend
veröffentlicht: 9. Januar 2017 15:41
aktualisiert: 9. Januar 2017 17:36