Coronavirus

«Viele Fussballvereine stornieren ihre Trainingslager»

Lara Abderhalden, 4. März 2020, 22:00 Uhr
Reiseveranstalter raten derzeit nicht von Trainingslagern im Süden ab.
© iStock
Das Coronavirus ist auch in vielen Vereinen derzeit ein grosses Thema. Einige Schweizer Amateur-Fussballclubs haben ihre Trainingslager storniert. Bezahlen müssen die Stornierungskosten in den meisten Fällen die Spieler selbst.

«Unser Trainingslager wird abgesagt», schreibt uns eine Leserin. Sie ist Mitglied eines Amateur-Fussballclubs in der Region St.Gallen — die Clubleitung habe beschlossen, aufgrund der aktuellen Coronavirus-Lage nicht in die Türkei ins Trainingslager zu reisen. 

12 von 85 Lagern abgesagt

Das ist kein Einzelfall. Beim Fussball-Trainingslager-Veranstalter Sport Agency One haben mehrere Vereine ihr Lager abgesat, sagt der Geschäftsführer Laurent Fessel: «Zwölf Vereine haben ihre Trainingslager bis jetzt storniert. Alles in allem organisiere ich rund 80 Trainingslager.» 

Die stornierten Trainingslager hätten in den meisten Fällen am Gardasee in Norditalien stattfinden sollen. «Ich war Ende Februar noch am Gardasee und habe Mannschaften besucht, die dort waren, als ich zurück kam, war die Hölle los.» 60 bis 100 Anrufe pro Tag seien bei Fässler und seinem Team fortan eingegangen.

«Trainer, Sportchefs aber auch Spielerfrauen haben mich kontaktiert und wollten wissen, wie die Situation vor Ort ist.» Laurent Fessel hat selbst Familie am Gardasee und sagt: «Die leben dort ganz normal weiter. Einzig das Nachtleben ist teilweise eingeschränkt. Von Trainingslagern in Italien rät unsere Agentur derzeit nicht ab.» 

Schulen in Italien geschlossen

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) rät im Moment auch nicht explizit von Reisen nach Italien ab. Es weist aber darauf hin, dass gewisse Ortschaften abgeriegelt wurden. Das EDA fordert Reisende deshalb auf, sich über die aktuell gültigen Massnahmen in der jeweiligen Region zu informieren. In Italien gibt es die grösste Ausbreitung in Europa. Mittlerweile gibt es über 2500 bestätigte Fälle, 79 Personen sind verstorben (Stand Mittwochabend, 4.3.2020). In der Folge wurde die Schliessung aller Schulen und Universitäten im Land angeordnet.

Kosten müssen Spieler selbst tragen

Die Trainingslager, die Laurent Fessel organisiert, finden grossmehrheitlich in Norditalien statt. Er vermutet deshalb, dass noch weitere Vereine absagen werden. In vielen Fällen führe aber gar nicht die Angst vor dem Coronavirus zu Absagen, sondern der Druck von Verwandten oder Arbeitgebern. «Ein Arbeitgeber sagt dem Spieler beispielsweise, dass er gehen darf, danach aber drei bis vier Wochen nicht arbeiten und dafür unbezahlten Urlaub nehmen müsse.»

Im Falle einer Annulation müssen die Spieler die Kosten in den meisten Fällen selbst übernehmen. «Wir versuchen mit den Hotels zu verhandeln, diese haben jedoch auch Kosten, die sie decken müssen», so Fässler. Viele Hotels würden extra für die Trainingslager Arbeitskräfte schon vor der Hochsaison engagieren: «Das Hotel muss diese Löhne trotzdem bezahlen. Deshalb gibt es, stand jetzt, keine Rückerstattungen der Hotels, die ich betreue.»

«Tessiner haben Angst, dass Deutschschweizer Virus einschleppen»

Wie hoch die Einbussen bei der Sport Agency One sein werden, kann Laurent Fessel noch nicht sagen: «Ich mache mir eher Sorgen um die Zukunft. Gut möglich, dass die Sportvereine Italien nächstes Jahr meiden. Ich habe keine Ahnung, wie sich das ganze entwickelt.»

Gelassener gehen Mannschaften mit dem Coronavirus um, die über den Reiseveranstalter Planet Sport Trainingslager buchen, der Trainingslager im Tessin organisiert: «Wir hatten bis jetzt eine konkrete Absage», sagt Geschäftsführer Oliver Köpfer. Eine Mannschaft habe sich entschieden, heuer nicht ins Tessin zu fahren. 

«Wir raten nicht aktiv von Trainingslagern im Tessin ab. Die vermeintlichen Gefahrenzonen dort sind leer. Es befinden sich keine Gäste in den Hotels. Die Tessiner haben eher Angst, dass das Coronavirus von Deutschschweizern ins Tessin geschleppt wird.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 4. März 2020 21:37
aktualisiert: 4. März 2020 22:00