Überlingen

Vor 20 Jahren kam es zum Flugzeugunglück in Überlingen – eine Chronik

1. Juli 2022, 13:35 Uhr
Es ist auch 20 Jahre später eine der grössten Tragödien der europäischen Luftfahrt: die Flugzeugkollision bei Überlingen am Bodensee. Auch die Schweizer Flugsicherung Skyguide war involviert. Insgesamt starben 71 Personen, 49 davon waren Kinder. Eine Übersicht der Ereignisse nach dem Unglück.

1. Juli 2002

Am Abend des 1. Juli 2002 ist ein Flugzeug der ehemaligen russischen Airline Bashkirian auf dem Weg von Moskau nach Barcelona. An Bord der Maschine befanden sich insgesamt 69 Personen, 60 Passagiere und neun Besatzungsmitglieder.

In der Maschine waren sich grösstenteils hochbegabte Schülerinnen und Schüler, die als Belohnung nach Spanien reisen konnten. Ausserdem wären die Kinder einen Tag früher geflogen. Den Flug verpassten sie allerdings, weil sie verspätet am Flughafen ankamen.

Gleichzeitig wie das Flugzeug der russischen Airline war eine DHL-Maschine auf dem Weg von Italien nach Brüssel. Weil dies ein Frachtflug war, befanden sich zwei Piloten an Bord und keine Besatzung oder Passagiere. Kurz nach 23:30 Uhr kam es zum tragischen Unfall über dem Bodensee: Beide Flugzeuge befanden sich auf gleicher Höhe und kollidierten bei Überlingen in Deutschland. Zuständig für die Flugsicherung war die Schweizer Firma Skyguide.

2. Juli 2002

Nach Mitternacht gingen einige Notrufe wegen Kleinbränden im Gebiet des Absturzes bei der Feuerwehr ein. Zunächst suchten die Rettungskräfte noch nach Überlebenden.

3. Juli 2002

Zwei Tage nach dem Zusammenstoss begann die Bergung der Opfer. Es dauerte allerdings Tage, bis die 71 Opfer gefunden und identifiziert waren. Deutsche Medien berichten vom grössten Polizeieinsatz in Bundesland Baden-Württemberg. Am 8. Juli wurde der Einsatz für beendet erklärt.

24. Februar 2004

Der Fluglotse Peter Nielsen war in der Nacht des Unfalls verantwortlicher Fluglotse bei Skyguide. Am 24. Februar wurde der 36-jährige Däne auf der Terrasse seiner Wohnung in Kloten vor den Augen seiner Frau erstochen. Der Mörder ist Witali Kalojew. Ein russischer Vater, der beim Absturz zwei Kinder und seine Frau verlor. Über drei Jahre nach dem Mord bekam er eine Gefängnisstrafe von fünf Jahren. Nach der Gefängnisstrafe wurde Kalojew in seiner Heimat als Held empfangen.

19. Mai 2004

Fast zwei Jahre nach dem Unglück publizierte die deutsche Flugunfalluntersuchung einen Bericht. Für den Unfall verantwortlich machte die Untersuchung technische Mängel und menschliche Fehler.

15. Mai 2007

Vor dem Bezirksgericht Bülach bei Zürich gab es einen Strafprozess gegen acht Skyguide-Mitarbeitende. Das Gericht verurteilte anschliessend vier der Angestellten wegen fahrlässiger Tötung zu Bewährungsstrafen.

1. und 2. Juli 2022

Jährlich finden in Überlingen Gedenkfeiern anlässlich des Unglück statt. Am 20. Jahrestag sollen etwa 40 Angehörige der Opfer aus der russischen Republik Baschkirien an den Bodensee reisen. Hinterbliebene heisse man am Absturzort willkommen, sie erhalten die notwendigen Visa der deutschen Behörden. Wegen des Kriegs in der Ukraine seien russische Staatsvertreter nicht eingeladen, teilt die Stadt Überlingen als Veranstalterin gegenüber dem Online-Portal «SWR Aktuell» mit.

(log/sda)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 1. Juli 2022 10:23
aktualisiert: 1. Juli 2022 13:35
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