Notstand

Was darf ich eigentlich noch? Wir klären 10 wichtige Fragen

Dumeni Casaulta, 17. März 2020, 14:50 Uhr
Spaziergänge im Wald sind im Moment noch erlaubt. (Symbolbild)
© Keystone/Melanie Duchene
Der Bundesrat friert das Leben in der Schweiz ein, in dem er die Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor dem Coronavirus weiter verschärft. Wir klären die wichtigsten Fragen.

Ab wann gilt die «ausserordentliche Lage»?

Sie gilt ab Dienstag, 17. März 2020, 0 Uhr, also ab Mitternacht bis Sonntag, 19. April

Welche Geschäfte müssen schliessen?

Grundsätzlich sind sämtliche öffentlichen und privaten Veranstaltungen verboten. Folgende Geschäfte dürfen ab Dienstag nicht mehr öffnen:

  • Non-Food-Geschäfte
  • Märkte
  • Restaurants
  • Bars
  • Museen
  • Bibliotheken
  • Kinos
  • Konzert- und Theaterhäuser
  • Sportzentren
  • Schwimmbäder
  • Skigebiete
  • Coiffeursalons
  • Kosmetikstudios

Welche Geschäfte bleiben offen?

  • Lebensmittelläden
  • Autogaragen
  • Take-aways
  • Betriebskantinen
  • Lieferdienste für Mahlzeiten
  • Apotheken/Drogerien 
  • Spitäler, Kliniken und Arztpraxen
  • Tankstellen
  • Bahnhöfe
  • Banken
  • Poststellen
  • Öffentliche Verwaltung
  • Auch Leute auf dem Bau dürfen laut Bundesrat weiterarbeiten, wenn sie die Hygienemassnahmen einhalten können, also zum Beispiel Abstand halten 

Wird es Einschränkungen beim Einkaufen geben?

Nein, die Versorgung ist weiterhin gewährleistet. «Es ist nicht nötig, Notvorräte anzulegen», sagt Bundesrat Alain Berset. Es sollen keine Hamsterkäufe getätigt werden. 

Weshalb wird die Armee eingesetzt?

Der Bundesrat hat den Einsatz von bis zu 8000 Armeeangehörigen beschlossen. «Eine Mobilmachung der Armee in diesem Ausmass hat es seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben», sagt VBS-Chefin Viola Amherd. Eingesetzt werden in erster Linie Personen, die bereits in der RS sind oder zu WK aufgeboten wurden. Das werde aber nicht reichen, sagt Amherd. Die Armee soll im Wesentlichen drei Punkte erfüllen:

Erstens: Die Armee soll das Gesundheitswesen entlasten. (Sanitäts-)Soldaten sollen für die Pflege, Patientenüberwachung, sanitätsdienstliche Transporte oder bei der Reinigung im Spital eingesetzt werden können. Dafür sind bis zu 3000 Soldaten vorgesehen.

Zweitens: Die Armee soll logistische Aufgaben übernehme und bei Bedarf improvisierte Infrastruktur aufbauen oder Transporte übernehmen.

Drittens: Die Armee soll im Sicherheitsbereich die Polizeien und das Grenzwachtkorps unterstützen. 

Was ändert an der Grenze?

Der Bundesrat hat entschieden, die Schweiz abzuriegeln. Ab Mitternacht werden – nach Italien – auch die Grenzen zu Deutschland, Österreich und Frankreich wieder kontrolliert. Einreisen dürfen nur Schweizer Bürgerinnen und Bürger, Personen, die eine Aufenthaltsbewillligung in der Schweiz haben sowie Personen, die aus beruflichen Gründen einreisen. Ebenfalls weiter erlaubt bleibt der Transit- und Warenverkehr. Auch Personen «in einer Situation absoluter Notwendigkeit» dürfen weiter einreisen.

Um diese Massnahmen umsetzen zu können, werden kleinere Grenzübergänge gesperrt, um den Verkehr auf die grösseren zu lenken.

Was ist mit dem öffentlichen Verkehr?

Der ÖV wird in der ganzen Schweiz gedrosselt. Die SBB passt ihr Angebot per Donnerstag, 19. März, an. Es gibt nur noch eine Grundversorgung. Es wird zu Ausfällen, Verspätungen und verpassten Anschlüssen kommen. 

Züge im Fernverkehr verkehren im Stunden- statt im Halbstundentakt. Internationale Züge enden an der Grenze.

Auch Züge und Busse im Regionalverkehr werden ausgedünnt. Wo es bis jetzt einen Viertelstundentakt gibt, gilt neu ein Halbstundentakt. Wo es einen Halbstundentakt gab, gibt es neu einen Stundentakt. Wo es bisher nur stündliche Verbindungen gab, werden diese Aufrechterhalten.

Im städtischen Verkehr wird nur noch die Grundversorgung und eine gute Verteilung der Reisenden sichergestellt. Der grenzüberschreitende Busverkehr wird eingestellt.

Die Transportunternehmen empfehlen den Reisenden vor jeder Fahrt den Online-Fahrplan zu checken.

Was ist mit den Schulen und Kitas?

Die Schulschliessungen sind vorläufig bis und mit dem 19. April verlängert worden. Für Kinder, die nicht privat betreut werden können, müssen die Kantone weiterhin Betreuungsangebote anbieten.

Kitas dürfen nur geschlossen werden, wenn andere geeignete Betreuungsangebote bestehen. Der Bund mahnt weiterhin: Kinder sollen nicht von Grosseltern, die zur Risikogruppen gehören, betreut werden.

Was darf ich eigentlich noch? Was nicht?

Spielplätze bleiben in der Schweiz bis auf Weiteres geöffnet. Auch in den Wald darf man noch spazieren gehen. Öffentliche und private Veranstaltungen sind verboten, auch eine Party daheim. Auch von sonstigen Besuchen ist abzuraten. Vereinsanlässe sind verboten. 

Welche Bestrafung könnte ich bekommen, wenn ich mich nicht daran halte?

Wenn man trotz des Veranstaltungsverbot eine Party schmeisst, kann einem eine Gefängnistrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe drohen. 

Der ausführliche Liveticker zur Medienkonferenz des Bundesrates zum Nachlesen:

 

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 16. März 2020 19:00
aktualisiert: 17. März 2020 14:50