Wird der Staat uns das Bargeld wegnehmen?

Leila Akbarzada, 10. Mai 2017, 21:11 Uhr
Die Finanzkomission des St.Galler Kantonsrates möchte weniger Geld in die Pensionskasse einlegen.
© KEYSTONE/Christian Beutler
Am Dienstag wurde die neue 20er-Note vorgestellt. Doch ergibt es überhaupt Sinn, in der heutigen Zeit noch neue Noten zu produzieren? Leben wir nicht sowieso bald ohne Bargeld? Das wäre ein Schritt in Richtung Überwachungsstaat, wenn man die Einschätzungen des Experten und Cash.ch-Chefredakteurs Daniel Hügli liest.
Herr Hügli, zuerst eine persönliche Frage. Wie gefällt ihnen die neue 20er-Note?

Daniel Hügli: Ich bin positiv überrascht. Mir gefällt sie wirklich. Und auch unseren Lesern: 35 Prozent sagten in unserer Online-Umfrage, dass sie ihnen gefällt.

Braucht es denn überhaupt noch neue Noten? Werden wir nicht sowieso bald ohne Bargeld auskommen?

Ich glaube, Bargeld braucht es schon noch, vor allem hier in der Schweiz. Wir haben eine sehr emotionale Beziehung zu Bargeld und zum Franken. Das hängt bestimmt damit zusammen, dass die Schweiz eine starke, international angesehene Währung hat. Das ist vielleicht etwas anders im Euro-Raum. Dort haben die verschiedenen Staaten ihre Währung abgeschafft zugunsten einer Gemeinschaftswährung.

Gibt es auch andere Argumente gegen die Abschaffung des Bargeldes ausser der emotionalen Bindung?

Ja, die Abschaffung des Bargelds, wie sie in den letzten Jahren international immer wieder gefordert wurde von Staaten wie Grossbritannien oder den USA, hätte diverse Effekte. Schon im kleinen Bereich würde eine gewaltige Lawine an Gebühren entstehen durch Kreditkarten- und Kontoabrechnungen. Das freut natürlich die Kartenbetreiber. Wenn alle finanziellen Transaktionen elektronisch abgearbeitet werden, kann das auch bedeuten, dass alles aufgezeichnet wird. Dann weiss die Bank oder möglicherweise auch der Staat oder auch die Familie von A bis Z, was sie ausgegeben haben, und das ist wohl nicht im Sinne von jedem.

In mehreren nordischen Staaten wurde das Bargeld faktisch bereits abgeschafft. Kann es sein, dass das Bargeld auch in der Schweiz zunehmend an Beliebtheit einbüsst?

Ich glaube nicht, dass das Bargeld einfach so unbeliebter wird. Ich denke eher, dass die Banken und vielleicht auch der Staat darauf hin arbeitet, dass das Bargeld bei den Leuten unbeliebter wird. Wenn das Geld zentral gelagert wird, hat der Staat in Krisenzeiten einfache Mittel und kann das Geld einfach blockieren. Auch für Steuern wäre es leichter: Wenn das Geld zentral auf elektronischen Konten liegt, kann der Staat leichter Steuererhöhungen durchbringen, als wenn Bargeld im Umlauf ist. Das ist ganz klar.

Leila Akbarzada
Quelle: red
veröffentlicht: 10. Mai 2017 21:11
aktualisiert: 10. Mai 2017 21:11