Zalando: Gratis Lieferung in Gefahr

Marc Sieger, 8. Februar 2019, 21:26 Uhr
Die Post vereinfacht mit neuen Angeboten das Einkaufen im Internet. (Symbolbild)
Die Post vereinfacht mit neuen Angeboten das Einkaufen im Internet. (Symbolbild)
© KEYSTONE/PETER KLAUNZER
Der Onlinehändler Zalando wächst nicht mehr so stark wie noch vor einigen Jahren. Dies zeigen Beobachtungen einer Schweizer E-Commerce-Beratungsfirma. Die Warenkörbe sind nicht mehr so gefüllt und die Paketzahlen nehmen nicht mehr im gleichen Mass zu wie bisher. Als Antwort darauf ist es möglich, dass Zalando in der Schweiz eine Mindestbestellmenge einführt.

Zalando ist an der Spitze. Laut der Schweizer  E-Commerce-Beratungsfirma Carpathia, die seit 2011 den Aufstieg von Zalando beobachtet, hat das Unternehmen 2018 785 Millionen Franken erwirtschaftet. Ein Jahr zuvor waren es noch etwas mehr als 600 Millionen Franken. Alleine im vergangene Jahr hat Zalando mehr als 13 Millionen Pakete verschickt – laut den Carpathia-Zahlen 27 Prozent mehr als 2017. Seit 2011 war Zalando auf dem Vormarsch und das mit riesigen Schritten. Heute gilt das Unternehmen als der grösste Modehändler der Schweiz.

Kleinere Warenkörbe wegen Mobilebestellungen

Der Siegeszug von Zalando gerät aber ins Stocken. Die zeigen die Zahlen von Carpathia betreffend der Warenkörbe. Pro Bestellung geben die Leute weniger Geld aus – 2017 waren es noch 65 Franken, 2018 59 Franken. Wie Carpathia gegenüber «Blick» erläutert, liege das daran, dass immer mehr Kunden auf dem Smartphone Einkäufe tätigen. «Am Handy bestellt man eher mal ganz spontan nur eine Hose oder einen Pulli; am Desktop zu Hause werden in der Regel grössere Bestellungen verfasst.»  Würden die Warenkörbe weiter schrumpfen, würde für Zalando bald nichts mehr übrig bleiben. Dies gefährdet das Zalando-Erfolgsmodell: Kostenlose Lieferung, kostenloses Retournieren.

Mindestbestellmenge bereits in vier Ländern

In einigen der 16 Länder, in denen Zalando tätig ist, hat der Onlinehändler bereits auf diesen Trend reagiert. So führte das Unternehmen Mitte November in Italien einen Mindestbestellwert von 24.90 Euro für kostenlose Lieferungen ein. Wer drunter bleibt, bezahlt eine Liefergebühr von 3.50 Euro. Ende Januar wurden die gleichen Sanktionen auch den Kunden in Spanien, Grossbritannien und Irland auferlegt.

Ob Zalando auch in der Schweiz zu dieser Massnahme greift, ist unklar. Zalando will die Mindestbestellmenge denn auch nicht kommentieren. Gegenüber «Blick» sagt Pressesprecherin Julia Zweigle nur: «Die Firma betrachtet jeden Markt auf einer sehr lokalen Ebene und steuert ihn entsprechend der lokalen Besonderheiten. Wir werden Massnahmen ergreifen, wann immer diese notwendig sind, um weiterhin in ein optimales Einkaufserlebnis für unsere Kunden in jedem Zalando-Markt zu investieren.»

(mas)

 

 

Marc Sieger
veröffentlicht: 8. Februar 2019 21:25
aktualisiert: 8. Februar 2019 21:26