«Arena»

Zank in der 5G-«Arena»: Warum eine Teilnehmerin (fast) alle überstrahlt

Adrian Müller/watson.ch, 8. Februar 2020, 07:06 Uhr
Zoff um 5G in der «Arena»: Prelicz-Huber (Grüne, rechts) legte sich mit Jörg Mäder (GLP, links) an.
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Ist 5G genial oder gefährlich? Muss die Schweiz beim neuen Mobilfunkstandard mitziehen, um nicht abgehängt zu werden? Oder verursacht 5G gar Krebs? Die Strahlung sorgt wahrhaftig für heisse Köpfe in der SRF-Arena.

Glaubt man Roger Federer, ist 5G in der Schweiz längst weit verbreitete Realität. In Werbespots preiste das Sunrise-Aushängeschild schon 2019 die Vorzüge des neuen Mobilfunkstandards an.

«First on 5G»: Der Federer-Spot sorgte für Diskussionen in der Arena.
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Der Clip sorgte in der Arena für Diskussionen: Denn noch steckt 5G in der Schweiz in den Kinderschuhen. Wie schnell der Ausbau nun voranschreiten und welche Grenzwerte dabei gelten sollen, darum drehte sich der Kern der 5G-«Arena» mit Moderator Sandro Brotz.

Aufgeladene Wortgefechte lieferten sich inbesondere die Grüne Nationalrätin Katharina Prelicz-Huber und der Grünliberale Jörg Mäder. Prelicz-Huber fuchtelte teils mit den Armen. Und argumentierte immer wieder, dass es 5G an vielen Orten gar nicht brauche. Mit ihrer Verve überstrahlte sie fast alle. «Es geht darum, ob wir den totalen Vollausbau wollen. Oder ob man zuerst genauer hinschauen will, ob die Technologie wirklich so sicher ist oder nicht.» Glasfasernetze könnten viele Aufgaben übernehmen , für die 5G entwickelt werde. Etwa in Fabriken. «Rettungswagen kann man nun wirklich nicht an Glasfasernetze anschliessen. Es braucht mehr 5G-Antennen, damit die Strahlenbelastung insgesamt sinkt», sagte Grütter zu Prelicz.

Da grätschte sofort Monika Rühl rein. Die Direktorin des Wirtschaftsverbandes Economiesuisse zeigte einen äusserst engagierten Auftritt und punktete mit viel Sachkenntnis. Punkto 5G laufe der Schweiz die Zeit davon. Die Schweiz stehe bei der Digitalisierung in hartem Wettbewerb mit den USA oder Südkorea. «Ein effizientes und schnelles Handynetz bringt der ganzen Bevölkerung und nicht nur der Wirtschaft etwas.» Auch Randregionen könnten von 5G und damit von schnellen Internet profitieren.

Die ganze Arena zum Thema 5G können Sie sich hier anschauen:

5G ist nicht nur um ein x-faches schneller als 4G und kann ein viel grösseres Datenvolumen übertragen , sondern verbreitet Daten in Echtzeit. Dies ist beispielsweise Voraussetzung, dass selbstfahrende Autos künftig autonom miteinander kommunizieren und sich im Verkehr abstimmen können. Dazu braucht es aber tausende neuen Antennen. Zudem fordert die Telekom-Branche, dass die Strahlenschutz-Grenzwerte gelockert werden. Dagegen stellte sich aber das Parlament.

«Wir können den Fortschritt sicher nicht aufhalten. Aber was bringt die rasante Entwicklung von 5G, wenn die Bevölkerung nicht mitmacht und bremst», sagte Brigitte Häberli-Koller, CVP-Ständerätin. Der Bund müsse weiterhin genau hinschauen, die Forschung intensivieren und die Bevölkerung gut informieren. «Man muss die bestehenden Ängste ernst nehmen. Und muss belegen können, dass 5G kein gesundheitliches Risiko darstellt.» Denn es gebe durchaus Studien, die sagten, dass 5G krebserregend sei.

Schadet 5G der Gesundheit oder nicht? Inzwischen soll es gegen 4000 Studien dazu geben. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat mit Expertengruppen umfangreiche Abklärungen durchgeführt. Ein abschliessendes Fazit gibt es nicht. «Es braucht aber mehr Forschung. Klar ist auch, dass die aktuellen Grenzwerte auch bei 5G gelten», so Paul Steffen, Vizedirektor des BAG.

Severin Dietschi, Präsident des Vereins Schutz vor Strahlung, erhob den Mahnfinger: «Als Firma wäre vorsichtig, in 5G zu investieren. In Zukunft könnte es Klagen hageln wie damals beim Asbest». Und betonte, wie wichtig es sei, strahlenfreie Zonen – wie etwa im Schlafzimmer – zu behalten. Laut BAG sind in der Schweiz rund fünf Prozent der Bevölkerung elektrosensibel, reagieren also besonders auf Strahlung. «Die Telekomanbieter spielen mit der Gesundheit der Menschen. Viele Leute leiden wegen der Strahlung unter Schlafstörungen», sagte Studiogast Ruth Schneider aus Langnau i.E.

Weder von Sunrise, Swisscom noch von Salt wagten sich übrigens die CEO's in die Arena. Stattdessen schickten sie Peter Grütter, Präsident des Telecomverbands Asut, vor. «5G ist keine Zwängerei. Mit 4G sind wir heute an der Kapazitätsgrenze. Etwa in fahrenden Zügen können wir die Datenströme kaum mehr bewältigen.» Nun brauche einen raschen Ausbau, da sich die Datenmenge jedes Jahr verdopple. «Wir müssen die Grenzwerte erhöhen, sonst braucht es 27'000 neue Antennen, damit 5G voll nutzbar ist. Dieser Ausbau dauert viel zu lange.» Bei Prelicz-Huber stösst der Telecom-Vertreter auf taube Ohren. «Ich verweigere mich sicher nicht dem Fortschritt. Aber die Grenzwerte müssen bleiben.»

Höhere Grenzwerte oder einfach mehr Antennen? Jörg Mäder (GLP) ist der Ansicht, dass ein möglichst dichtes Netz bei minimaler Strahlenbelastung der richtige Weg sei. «Die Schweiz ist ein Hightech-Standort und muss jetzt bei 5G vorwärts machen. Man kann nicht alle Gefahren voraussehen.»

Dann stellte SRF-Brotz, der sich selbst als Online-Junkie outet, noch eine ganz andere Frage. «Tut uns der Online-Exzess überhaupt gut?». Mäder liefert eine erheiternde Antwort. «Man kann Alkohol geniessen oder saufen. Dasselbe gilt beim Internet». Ein onlinefreier Sonntag sei ein Lösungsansatz für alle, die kaum ohne Smartphone mehr leben könnten.

Adrian Müller/watson.ch
Quelle: CH Media
veröffentlicht: 8. Februar 2020 06:31
aktualisiert: 8. Februar 2020 07:06