Covid-19

Zertifikat, Maske, Isolation – Was erwartet uns im Corona-Herbst 2022?

Maurus Held, 15. August 2022, 09:05 Uhr
Im kommenden Herbst rechnet das Bundesamt für Gesundheit saisonal bedingt wieder mit steigenden Covid-Fallzahlen. Gibts erneut einen Lockdown? Kommt das Zertifikat zurück? Treten neue Varianten auf? Die wichtigsten Antworten im Überblick.

Ist das die berühmt-berüchtigte Ruhe vor dem Sturm? Oder ist die Pandemie wirklich ausgestanden? Mit Blick auf die bevorstehenden Kältemonate fragt sich manch einer, ob (je nach Zählweise) eine sechste Corona-Welle bevorsteht und was, wenn dem so ist?

1. Ist mit einer neuen Corona-Welle zu rechnen? Und wie würde diese aussehen?

Die «Bad News» zuerst: Ja. «Im Herbst 2022 ist saisonal bedingt wieder mit steigenden Covid-19-Fallzahlen zu rechnen», sagt Simon Ming, Mediensprecher des Bundesamts für Gesundheit (BAG) gegenüber der Today-Zentralredaktion. Das Risiko für den Einzelnen und die Belastung des Gesundheitssystems werden im Herbst und im Winter am höchsten sein. Aus diesem Grund hat das BAG für den Herbst auch die Impfempfehlung auf die gesamte erwachsene Bevölkerung ausgeweitet.

Aktuell ist praktisch nur die Omikron-Variante im Umlauf – ob dies auch im Winter noch der Fall sein wird oder ob neue Mutationen zirkulieren werden (und den Impfschutz umgehen könnten), lässt sich aktuell aber noch nicht sagen. Bleibts bei der Omikron-Variante, würde die neue Welle derjenigen vom vergangenen Winter ähneln: Hohe Fallzahlen wegen dem hohen Ansteckungspotenzial, aber überwiegend milde Verläufe und eine kürzere Isolationszeit

Wie BAG-Mediensprecher Ming mitteilt, werde die Entwicklung der Lage fortlaufend anhand verschiedener Systeme überwacht. Nebst der Analyse der genauen Kennzahlen, die hier einsehbar sind, kontrolliert das BAG auch das Abwasser auf mögliche Hinweise.

2. Wären die Spitäler bereit für einen neuen Ansturm?

«Die Spitäler haben in den früheren Wellen die Covid-19-Fälle bewältigen können, mit Verschiebungen von nicht dringlichen Eingriffen oder mit Verlegungen zwischen den Regionen. Das wird auch in Zukunft so sein», sagt Michael Jordi, Generalsekretär der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK). Problematisch sei aber nicht die Anzahl Betten – vielmehr mangle es an qualifiziertem Personal.

Dies sei nicht nur wegen Corona so, sagt Jordi. Klar ist: Viele Fachkräfte spüren eine grosse Belastung. Der GDK-Generalsekretär sagt aber auch, dass die Spitäler bereits Erfahrung damit hätten: «Es gibt bereits eingespielte Prozesse dazu.»

Wird die Lage ernst, werde die GDK als Koordinatorin zwischen den einzelnen Kantonen Massnahmen ausarbeiten und empfehlen, sagt Jordi. Kantonale Unterschiede seien damit aber nicht ausgeschlossen, da die Kantone schliesslich eigenständig entscheiden können.

3. Welche Massnahmen könnten ihr «Comeback» feiern?

Da sich die Schweiz aktuell in der «normalen» und nicht in einer «besonderen Lage» befindet, sind die Kantone für die Anordnung von Massnahmen zuständig, wie Ming bestätigt. Das BAG, das die epidemiologische Entwicklung im In- und Ausland fortlaufend beobachtet, kann aber dennoch Empfehlungen abgeben. Auf Bundesebene umsetzen kann es diese aber nicht.

Möglich wäre grundsätzlich, dass der Bund die «besondere Lage» wieder einführt (dies wird aktuell auch wegen der Affenpocken gefordert), um die Massnahmen einheitlich zu regeln. Der Bundesrat würde dies aber nur noch in Betracht ziehen, wenn die Welle «besonders heftig» wäre, wie er im März verlauten liess.

Bis dahin kann er die Zertifikatspflicht nicht wieder einführen – 2G+ wird wahrscheinlich also kein Comeback feiern. Dass die Kantone eine erneute Maskenpflicht im Öffentlichen Verkehr oder in Inneneinrichtungen beschliessen, ist da schon realistischer. Dasselbe gilt für die Isolationspflicht oder das Veranstaltungsverbot.

4. Wie siehts mit der Impfung und dem Booster aus?

Wofür der Bund weiterhin zuständig ist: Die Impfstoff-Beschaffung und deren Verteilung. Aktuell gilt die Impfempfehlung für Menschen ab 80 Jahren, aber auch für Pflege- und Betreuungspersonal. Mit einer Auffrischimpfung dieser Berufsgruppe soll Ausfällen in diesem Bereich Einhalt geboten werden, schreibt das BAG auf ihrer Webseite.

Impfdosen seien genügend vorhanden, schreibt das BAG weiter. Auch rechnet der Bund damit, dass neben den bisher eingesetzten Impfstoffen auch angepasste Impfstoffe verfügbar sein werden.

Sollte die Empfehlung auf die breite Bevölkerung ausgeweitet werden, wir die Auffrischimpfung kostenlos sein.

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 16. August 2022 07:14
aktualisiert: 16. August 2022 07:14
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