Schweiz spielt um letztes WM-Ticket

Martina Voss-Tecklenburg (50) verlässt die Schweiz nach den Spielen gegen die Niederlande als Nationaltrainerin und wechselt zu Deutschland
Martina Voss-Tecklenburg (50) verlässt die Schweiz nach den Spielen gegen die Niederlande als Nationaltrainerin und wechselt zu Deutschland © KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI
Das Schweizer Frauen-Nationalteam tritt im Playoff um das letzte WM-Ticket heute Freitag und nächste Woche gegen Europameister Holland als Aussenseiter an.

Für Martina Voss-Tecklenburg sind es die letzten Auftritte als Schweizer Nationaltrainerin. Zum Abschluss ihres Engagements beim SFV stellt sich Martina Voss-Tecklenburg eine der kniffligsten Aufgaben ihrer fast siebenjährigen Amtszeit. Im 87. und 88. Länderspiel unter der Führung der 50-jährigen Deutschen muss die SFV-Auswahl sich in Hin- und Rückspiel gegen den amtierenden Europameister durchsetzen, um sich zum zweiten Mal nach 2015 für eine WM zu qualifizieren. «Es muss sehr viel passen», sagt Voss-Tecklenburg. «Denn über 180 Minuten setzt sich normalerweise die höhere Qualität durch.»

Zum starken Gegner kommen bei den Schweizerinnen personelle Probleme hinzu, die sich im Hinblick auf das Hinspiel am Freitag in Utrecht akzentuiert haben. Neben Captain Lara Dickenmann, die sich einen Kreuzbandriss zugezogen hat, und der gesperrten Ramona Bachmann ist auch Malin Gut, die in den beiden Halbfinal-Partien gegen Belgien überzeugt hat, nicht einsatzfähig.

Dickenmanns Persönlichkeit und Bachmanns Schnelligkeit und individuelle Klasse sind gegen den spielstarken Gegner ein herber Verlust. «Die beiden sind nicht eins zu eins zu ersetzen», sagt Voss-Tecklenburg. Bachmann, die gegen Belgien eine umstrittene Verwarnung kassiert hat, steht zumindest im Rückspiel am Dienstag in Schaffhausen wieder zur Verfügung.

Die Ausfälle können nur über die Teamleistung kompensiert werden. Noch aggressiver auftreten, noch mehr laufen, noch mutiger spielen, noch disziplinierter verteidigen, noch schneller umschalten und den Gegner damit überraschen. «Wir dürfen in den ersten 20 Minuten nicht überfahren werden», so Voss-Tecklenburg. Je länger das Spiel für die Schweiz positiv verlaufe, desto mehr nähmen die Ungeduld und der Druck beim Gegner zu. «Und ein Auswärtstor wäre natürlich klasse.»

Das Team der «OranjeLeeuwinnen» präsentiert sich nahezu identisch mit jenem im Sommer 2017, das an der Heim-EM mit begeisterndem Fussball zum Titel stürmte. Die in einem 4-3-3-System agierende Mannschaft von Sarina Wiegman verfügt in der Offensive über enorme Qualitäten. Im Zentrum geben Sherida Spitse und Jackie Groenen den Takt vor, auf den Flügeln wirbeln die trickreiche Lieke Martens, die Weltfussballerin 2017, und die schnelle Shanice van de Sanden. Im Sturmzentrum erhielt in den Playoff-Spielen gegen Dänemark Lineth Beerensteyn den Vorzug gegenüber Vivianne Miedema. «Dass eine wie Miedema von der Bank kommen kann, zeigt die Klasse dieses Teams», so Voss-Tecklenburg.

Den Umweg über die Playoffs haben sich auch die Niederländerinnen selber eingebrockt. Während die SFV-Auswahl zum Abschluss der Gruppenphase mit einer Niederlage in Schottland und einem Remis in Polen ihre sehr gute Ausgangslage verspielte, gab die Niederlande mit einer 1:2-Niederlage im letzten Spiel in Norwegen den Gruppensieg und damit die direkte Qualifikation für die Endrunde in Frankreich aus der Hand.

Die Chance zur Korrektur bietet sich noch immer beiden, die Rollen sind jedoch klar verteilt. «Wir haben uns in der Vergangenheit oft leichter getan, wenn wir nur etwas zu gewinnen hatten», sagt Voss-Tecklenburg. Trotz des Beginns der letzten Amtswoche ist bei ihr die Zeit für Sentimentalitäten noch nicht gekommen. «Die Gedanken kreisen einzig um diese zwei Spiele, damit wir das Optimum aus dem jungen Team herausholen.» Es ist eine Herkulesaufgabe.

(SDA)


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