Seco lässt Toggenburger Streithähne alleine

Die Bergstation Chäserrugg der Architekten Herzog und de Meuron sind das Flagschiff der Bergbahnen Toggenburg.
Die Bergstation Chäserrugg der Architekten Herzog und de Meuron sind das Flagschiff der Bergbahnen Toggenburg. © KEYSTONE/Gian Ehrenzeller/Archiv
Die beiden Bergbahnen im Toggenburg haben das Heu einfach nicht auf der gleichen Bühne: Das musste auch das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) feststellen. Das Seco will deshalb nicht mehr weiter zwischen den Bergbahnen vermitteln.

Auch das Seco gibt auf, es will nicht länger zwischen den zerstrittenen Bergbahnunternehmen im Toggenburg vermitteln: «Wir haben festgestellt, dass die Positionen zwischen den beiden Bergbahnen zu unterschiedlich sind. Unsere ferne Expertise macht auf dieser Basis keinen Sinn», sagt Eric Jakob, Leiter der Direktion für Standortförderung des Seco. Die Gespräche hätten zu keinem Ziel geführt.

«Es braucht eine gewisse Nähe zwischen den beiden Parteien, damit sich Brücken zumindest abzeichnen und dies war bei unseren Gesprächen mit den Bergbahnen nicht der Fall», sagt Eric Jakob. Das Seco habe sich eingestehen müssen, dass eine weitere Vermittlung keinen Sinn ergebe: «Das wäre rausgeworfene Zeit und rausgeworfenes Geld für Erwartungen, die nicht erfüllt werden können.»

Neue Verteilung der Einnahmen

Das Seco startete im Frühling einen Vermittlungsversuch. Dabei wollte das Seco den Verteilschlüssel für die Einnahmen aus dem gemeinsamen Ticket, einer der Streitpunkte zwischen den beiden Parteien, analysieren. Das Seco wollte eine neue Variante ausarbeiten, damit die Einahmen gerecht verteilt werden können. Diese Analyse werde nun aber nicht durchgeführt. Zum Rückzug vom Verhandlungstisch habe sich das Seco gemeinsam mit dem Kanton St.Gallen entschlossen. «Es ist sehr enttäuschend», sagt Eric Jakob, «uns hätte es gefreut, wenn wir die Positionen hätten aufweichen können. Dies war leider nicht der Fall.»

«Bin nicht überrascht»

«Ich persönlich bin nicht wahnsinnig überrascht, dass es beim Seco nicht geklappt hat», sagt der St.Galler Regierungsrat Bruno Damann. Er selbst, der Gemeindepräsident von Wildhaus Alt St.Johann und der Präsident von Toggenburg Tourismus hätten es schon probiert und einsehen müssen, dass es schwierig ist, beide Parteien an einen Tisch zu kriegen und beinahe unmöglich, die beiden Bergbahnen in eine Richtung zu bewegen, damit ein Kompromiss gefunden werden kann.

«Ich hoffe für die Region, dass die Vernunft irgendwann eintritt, denn separate Wintertickets wären ganz schlecht für das Toggenburg. Ein Gast versteht nicht, warum er für ein Skigebiet, zwei unterschiedliche Tickets kaufen muss. Beide Bergbahnen würden darunter leiden», sagt der Regierungsrat. Dass man beim Seco zu schnell aufgegeben hat, glaubt Bruno Damann nicht: «Man hat intensiv versucht, einen Weg zu finden und dafür verschiedene Varianten für ein Ticket ausgearbeitet.»

Gelder weiterhin blockiert

Diesen Winter (2018/2019) gibt es das kombinierte Skibillett noch, wie es ab Sommer 2019 aussieht, ist noch nicht bekannt. Klar ist, dass die Gelder der öffentlichen Hand für den Ausbau des Skigebiets Wildhaus derzeit blockiert sind. Erst wenn sich die beiden Bergbahnen vertragen, werden die Gelder freigegeben. Eine Beschwerde gegen das Zurückhalten dieser Gelder wurde von den Wildhausern beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht. Dieses hat in der Sache aber noch nicht entschieden und wird dies erst in rund einem Jahr tun.

Wildhaus scheiterte mit Kompromiss-Vorschlag

Wildhaus machte kürzlich einen Vorschlag für einen Kompromiss. Neben dem gemeinsamen Ticket sollte es auch möglich sein, nur ein lokales Ticket der jeweiligen Bergbahn zu kaufen. Ausserdem sollten die Einnahmen der gemeinsamen Tickets neu verteilt werden. Dieser Verteilschlüssel ist ein Streitpunkt. Die Toggenburger Bergbahnen winkten jedoch ab. Sie halten an ihrem «feindlichen» Übernahmeangebot fest und wollen die Aktien der Wildhaus-Aktionäre aufkaufen. Das Angebot der Übernahme läuft noch bis zum Ablauf des gemeinsamen Tickets.

(abl)

 


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