«Sie haben mir auf den Platz geschissen»

Von Dario Brazerol
Bruno Straub überlegt sich aufgrund der Situation an einen anderen Ort zu ziehen.
Bruno Straub überlegt sich aufgrund der Situation an einen anderen Ort zu ziehen. © FM1Today/Dario Brazerol
Eine Gruppe Fahrender hat sich zurzeit auf einem Grundstück in Hefenhofen niedergelassen. Sie sollen auf dem Nachbargrundstück dreizehn Autobahnvignetten geklaut und auf den Parkplatz gekotet haben.

Wir stehen auf dem Grundstück von Bruno Straub in Hefenhofen, wo er Material für Festanlässe vermietet. Hinter ihm auf dem Nachbarsgrundstück reiht sich Wohnwagen an Wohnwagen. Die Wiese des benachbarten Hofes ist komplett zugestellt. Nur noch schwer hinter den zahlreichen Wohnwägen zu erkennen ist der Hof des Eigentümers des Grundstücks – es ist U. K., der als Pferdequäler von Hefenhofen bekannt wurde. Für die Anwesenheit der Fahrenden hat er eine Bewilligung.

Polizei und Gemeinde werfen sich den Ball zu

Für den 51-jährigen Bruno Straub wird die Situation zum Albtraum. «Angefangen hat alles damit, dass die Fahrenden ihre Notstromgruppe in der Nacht nicht ausstellten. Diese macht einen riesen Lärm und bringt mich und meine Familie um den Schlaf», sagt der gelernte Zimmermann, der schon seit sieben Jahren mit seiner Frau und drei Kindern auf dem Grundstück in Hefenhofen lebt und arbeitet. «Darauf habe ich mich an die Gemeinde gewendet und sie um Hilfe gebeten. Diese hat mich an die Polizei verwiesen. Beide, Polizei und Gemeindeammann sind zwar vorbeigekommen, passiert ist aber nichts.»

Das soll auch der Grund für die darauf folgenden unangenehmen Überraschungen gewesen sein, die auf Bruno Straub warteten. In einer Nacht wurden ihm dreizehn Autobahnvignetten von seinen Anhängern entfernt. Noch weit unangenehmer: «Sie haben mir auf den Platz geschissen. Richtig geschissen. Wieder habe ich mich an die Gemeinde gewendet, wieder ist nichts passiert.» Dass beide Vorfälle auf die Fahrenden zurückzuführen sind, kann nicht nachgewiesen werden. Nach dem Vorfall mit den Vignetten hat Straub Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Zu Gesprächen zwischen den beiden Parteien, sei es nicht gekommen: «Ich habe es versucht, aber sie sind einfach zu aggressiv.»

Diesen Anblick fand Bruno Straub in den letzten Tagen vor. (Bild: zvg)

Erhitzte Gemüter auf beiden Seiten

Dass die Fahrenden und Bruno Straub keine Freunde mehr werden, wird augenblicklich klar, als während des Interviews ein Auto vorgefahren kommt. Drei Männer steigen aus und drohen damit, die Polizei zu alarmieren und die Video-Kamera zu zerstören, wenn ihr Lager weiterhin gefilmt wird. Die Gemüter sind beiderseits erhitzt, die Stimmung mehr als gereizt. Wenig später klingelt das Telefon von Bruno Straub. Am anderen Ende der Leitung ist U. K. – der Eigentümer des Grundstücks auf dem die Fahrenden zurzeit verweilen. Straub versucht diesen zu beruhigen: «Du bist nicht das Problem», sagt er wiederholt. Laut Straub soll U. K. ihm gesagt haben, er solle aufpassen, was er den Medien erzähle. U. K. selbst wollte auf Anfrage von FM1Today keine Stellung beziehen.

Die Fahrenden im TVO-Beitrag:

Ähnlich bedeckt hält sich die Kantonspolizei Thurgau, was die Geschehnisse in Hefenhofen betrifft. Zu diesem konkreten Fall, will keine Stellung bezogen werden. Ob es gegen die Fahrenden in Hefenhofen eine Anzeige gegeben hat, will der Mediensprecher nicht wissen. Allerdings ist auch der Polizei bekannt, dass es in letzter Zeit vermehrt zu Begegnungen mit aggressiven Fahrenden gekommen ist. Mario Christen, Mediensprecher der Kapo Thurgau: «In den letzten Tagen sind vermehrt Anrufe bei der kantonalen Notrufzentrale eingegangen. Dort haben sich Leute über das Auftreten von einigen Fahrenden beschwert. Grundsätzlich sind aber die Gemeindebehörden für die Fahrenden zuständig. Wir unterstützen diese selbstverständlich.»

Gemeinderat überprüft zukünftige Bewilligungen

Das die Situation derart eskaliert, hat sich auch der Gemeindepräsident von Hefenhofen, Andreas Diethelm, anders vorgestellt. Er nimmt schriftlich Stellung: «Wir haben versucht, ab dem ersten Tag auf dem Platz präsent zu sein und mit den Parteien zu kommunizieren, damit ein friedliches Nebeneinander möglich ist. Wir haben Verständnis für den Unmut von Herrn Straub und haben ihm mehrmals erklärt, dass wir als Gemeinde für jede Handlung die entsprechende rechtliche Grundlage benötigen.» Trotzdem hat die aktuelle Situation den Gemeinderat zu einer Überprüfung veranlasst. Unter anderem, ob U. K. auch in Zukunft wieder eine Bewilligung für die Fahrenden auf seinem Grundstück erhalten wird. «Vergangene Erfahrungen haben aber gezeigt, dass Regelverstösse durch Fahrende nicht bei jeder Platzbelegung vorkommen müssen.»

Nächsten Montag müssen die Fahrenden in Hefenhofen das Grundstück von U. K. vorerst räumen, die Bewilligung läuft nach zwei Wochen aus. Sollte es aber erneut zu unerfreulichen Situationen dieser Art kommen, sieht Bruno Straub nur noch eine Lösung: «Ich und meine Familie überlegen jetzt schon, ob wir nicht einfach wegziehen sollen.»


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