Sie wird fürs Liebesbriefschreiben bezahlt

Petra Tessarek schreibt die Liebesbriefe ihrer Klienten.
Petra Tessarek schreibt die Liebesbriefe ihrer Klienten. © zVg
Wenn anderen die richtigen Worte fehlen, findet Petra Tessarek sie. Die professionelle Briefverfasserin, die unter dem Namen «Briefmeisterin» bekannte ist, verfasst als Ghostwriterin Liebesbriefe.

Wie kommt man dazu, Briefe für andere Leute zu schreiben?
Das kam, weil mich des öfteren Nachbarn gefragt haben, ob ich dies und jenes für sie schreiben könnte. Ich habe selbst bereits viele Briefe geschrieben und immer wieder gemerkt, dass man mit einem Brief mehr Erfolg hat als mit einem Anruf oder einer E-Mail. Irgendwann habe ich mir gedacht, dass ich das Briefeschreiben auch als Dienstleistung anbieten könnte. Weil es sofort gut lief, habe ich mich selbständig gemacht.

Sie erledigen ja nicht nur die gewöhnliche Korrespondenz, sondern verfassen auch Liebesbriefe voller Emotionen…
Das hat sich sehr schnell von alleine ergeben. Auf mein Onlineinserat meldeten sich Leute, die fragten, ob ich auch Liebesbriefe schreiben könnte, weil sie Angst hatten, sich falsch auszudrücken. Der Liebesbrief besteht natürlich immer noch grösstenteils aus den Worten, die mir die Leute schreiben, ich bringe es dann einfach noch in die passende Form. Also der Inhalt kommt von den Auftraggebern und ich bin sozusagen das Sprachrohr.

Liebesbriefe sind wohl die persönlichsten Briefe, die es gibt. Geht das überhaupt, dass sie von jemand fremden verfasst werden?
In dem Moment, in dem ich den Liebesbrief für jemanden schreibe, bin ich keine Fremde, sondern ich versetze mich in meinen Auftraggeber. Ich fasse einfach nur seine eigenen Gedanken und Gefühle in die richtigen Worte – aber es bleiben seine oder ihre Gedanken und Gefühle. Meine Kunden müssen den von mir verfassten Text schliesslich auch selbst zu Papier bringen – in ihrer eigenen Handschrift.

Welche Personen bitten Sie am meisten um Hilfe beim Liebesbriefschreiben?
Das ist ganz bunt gemischt – von der Putzfrau bis zum Doktor. Auch kann man nicht sagen, dass mich Männer eher beauftragen. Allerdings kann man sagen, dass Frauen eher dann Briefe schreiben lassen, wenn sie frisch verliebt sind. Männer wenden sich hingegen erst dann an mich, wenn die Frau schon weg ist und sie einen Brief brauchen.

Wie läuft ein solcher Auftrag zum Liebesbriefschreiben ab?
Meistens beginnen die Leute schon selbst mit dem Schreiben, verzweifeln dabei aber fast, weil sie nicht die richtigen Worte finden. Hier greife ich helfend ein, um das auf den Punkt zu bringen, was meine Klienten eigentlich ausdrücken wollen. Am Ende entscheidet aber natürlich immer der Kunde, was im Brief stehen soll und was nicht. Ich berate lediglich.

Was kostet ein Liebesbrief?
Das kommt ganz darauf an, wie viel jemand schon vorgearbeitet hat. Manchmal muss ich nur noch den Feinschliff machen und manchmal ist alles, was ich bekomme, eine Ansammlung von Wörtern. Es kommt also sehr auf den Aufwand an.

Fühlen Sie mit Ihren Kunden, wenn jemand frisch verliebt ist oder eine Trennung bevorsteht?
Ja, das tut mir manchmal in der Seele weh, wenn ich zum Beispiel sehe, dass es ziemlich aussichtslos ist. Wenn sich schon abzeichnet, dass ein Brief nichts mehr retten kann, sage ich das den Leuten auch immer im Vorherein. Aber viele möchten dann trotzdem einen Brief schreiben, weil ein Brief eine Art Rettungsanker darstellt.

Weitere Informationen über die «Briefmeisterin» gibt es hier.

(red.)


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