«So etwas haben wir noch nie gesehen»

Von Noémie Bont
So sieht das Haus von P.M in Speicherschwende nach der Abrissparty aus.
So sieht das Haus von P.M in Speicherschwende nach der Abrissparty aus. © Tobias Lenherr
Bänke fliegen aus dem Fenster, die Fensterscheiben klirren und draussen brennt ein Auto lichterloh. Am Wochenende ist eine Abrissparty in der Speicherschwendi SG eskaliert. Das hat Konsequenzen für die Beteiligten, aber auch Auswirkungen auf die Umwelt.

Diese Party ist aus dem Ruder gelaufen. Der Hausbesitzer P.M. lud am letzten Wochenende hundert Leute zu einer Party «ohne Regeln» ein. Da das Haus des 28-Jährigen in ein paar Tagen durch eine Firma offiziell abgebrochen wird, durften sich die Besucher «im Haus austoben und alles zerstören». Doch der Hausbesitzer hat weder eine Bewilligung eingeholt, noch Abbruchexperten miteinbezogen. Was den Beteiligten Spass gemacht hat, schadet nun unserer Umwelt.

Eine aufgeheizte Stimmung vor Ort

Während der Abrissparty wurde massenweise Abfall illegal verbrannt. Auch ein Auto stand in Flammen. Vom ganzen Ausmass wollte sich auch Mathias Kürsteiner vor Ort ein Bild machen. Kürsteiner ist vom Amt für Umwelt Appenzell Ausserrhoden und konnte kaum fassen, was hier veranstaltet worden war. «Als ich dort war, hat das Auto zwar nicht mehr gebrannt. Aber ich sah den vielen verbrannten Abfall. Es wurden unter anderem auch Pneus aufgeschichtet und es lagen Farbkübel herum.»

Auch die Stadtpolizei St.Gallen traf am Samstag eine aufgeheizte Stimmung an, sagt Gian Andrea Rezzoli von der Kantonspolizei St.Gallen. «Innerhalb des Gebäudes hämmerten die Beteiligten Wände heraus, viele waren betrunken.»

Verstoss gegen das Umweltgesetz

Nichts ausser unbehandeltes Holz und Holzkohle darf im Allgemeinen privat verbrannt werden. Ansonsten verstösst man wegen illegaler Abfallverbrennung gegen das Umweltgesetz. Der Autobrand verbreitete rund um die Partyhütte richtiggehend einen Giftcocktail.

«Beim Autobrand ist viel Rauch entstanden, dieser hat die Luft und die Bodenoberfläche verschmutzt. Russ, Schwermetalle und Teerbestandteile sind alles giftige Schadstoffe, die die Umwelt enorm belasten», sagt Mathias Kürsteiner vom Ausserrhodner Amt für Umwelt. Wenn die Bodenpartikel aber sofort entfernt werden, sollte der Boden längerfristig keinen Schaden tragen. Davon geht der Umweltexperte aus. Ein weiterer Giftcocktail waren «die Staubpartikel, die sich gesetzt haben und zusammen mit dem Löschwasser» den Boden zusätzlich verschmutzten.

Dass Personen Schaden nehmen könnten, davon geht der Umweltexperte nicht aus. Auch dass das Wasser in dieser Region verunreinigt wird, sollte nicht geschehen, sofern die giftigen Partikel schnell entfernt und nicht mit dem Regen in die Bäche geschwemmt werden.

Partybeteiligte gesucht

«Eine solche Abrissparty hat die Kantonspolizei St.Gallen noch nie gesehen. Der Abbruch eines Hauses muss den Fachmännern überlassen werden», sagt Gian Andrea Rezzoli Sprecher der Kantonspolizei St.Gallen.

Beim betroffenen Haus handelt es sich um ein Gebäude, dass vor 1990 gebaut wurde. Deshalb muss davon ausgegangen werden, «dass durch die Zerstörung von Bodenplatten oder Deckenverkleidungen zusätzlich Schadstoffe freigesetzt wurden, die für die Gesundheit und für die Umwelt schädlich sind», sagt Umweltexperte Kürsteiner

Für die beteiligten Brandstifter wird es eine Busse geben. In welchem Ausmass kann die Kantonspolizei St.Gallen noch nicht abschätzen. Nun wird versucht über Gespräche mit einigen Beteiligten, die betroffenen Leute zu identifizieren. «Offenbar will niemand dafür verantwortlich sein», sagt Rezzoli. Wer was zu welchem Zeitpunkt und mit welchen Gegenständen getan hat, wird nun aufwändig abgeklärt.


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