So machst du richtig Schluss

Paartherapeut Peter Haas in seiner Praxis in St.Gallen
Paartherapeut Peter Haas in seiner Praxis in St.Gallen © FM1Today/Dario Cantieni
Wenn morgen schon alles voller Herzen ist, brechen wir sie heute noch. Obwohl, nein: Wir holen uns Tipps, wie man Partner fachgerecht fallen lässt, ohne zu viel Schaden anzurichten. Hier kommen die Schlussmach-Tipps vor dem Valentinstag.

Tipps, wie man glücklich wird (oder werden soll), gibt es genug. «Traumpartner in 17 Minuten» – «So gehst du nicht mehr alleine durchs Leben» – «Endlich verliebt!» schallt es uns von überall entgegen. Dabei wird viel zu selten darüber gesprochen, wie man aus einer Beziehung wieder rauskommt. Das machen wir heute mit dem Paartherapeuten Peter Haas aus St.Gallen.

Herr Haas, wie mache ich «richtig» Schluss?
Zuerst muss man sich bewusst sein, dass es der anderen Person weh tun wird. Ausser man kommt ihr zuvor und sie hätte auch Schluss machen wollen, dann jubelt sie eventuell innerlich (lacht). Aber sonst muss man einfach hinstehen und ehrlich sagen: Schau, ich kann es drehen wie ich will, für mich passt es nicht mehr. Das muss rechtzeitig passieren und in einem Gespräch, ja nicht per Whatsapp oder SMS.

Und wenn man in so einem Gespräch ist, was sollte man auf keinen Fall sagen?
Floskeln sind sicherlich fehl am Platz. Sprüche wie «Du hast mich nicht verdient, du bist zu grossartig» am besten bleiben lassen. Weil dann denkt sich die andere Partie: «Warum verlässt du mich dann?» Wichtig ist aber auf jeden Fall, dass man rechtzeitig anfängt zu kommunizieren und nicht wartet, wenn etwas nicht stimmt. So fällt die Person von einem Tag auf den anderen aus allen Wolken und das kann man verhindern. Floskeln sind übrigens auch keine gute Idee, wenn man jemanden trösten will. Dann die Person einfach ernst- und vielleicht in den Arm nehmen.

Wenn es dann zum Bruch kommt, wo mache ich am besten Schluss?
Meistens begann es an einem romantischen Ort, zum Schlussmachen würde ich nicht gerade so einen aussuchen. Ein Spaziergang ist sicherlich nicht schlecht, etwas abseits von Leuten, in einem Wald beispielsweise. Im Restaurant würde ich nicht empfehlen, da die andere Person in Tränen ausbrechen könnte und so einen Gesichtsverlust erleidet. Im Gespräch empfiehlt es sich, schnell zur Sache zu kommen, anstatt lange drumrum zu reden. Es ist, wie wenn man ein Pflaster von einer behaarten Stelle entfernt. Das geht mit einem grossen «Ratsch» auch besser, als wenn man langsam daran zieht. Das schmerzt dann viel mehr.

Muss ich auf die Verfassung der anderen Person Rücksicht nehmen? Wenn die beispielsweise gerade vor wichtigen Prüfungen steht?
Das wäre noch nett, ja. Wenn jemand wirklich gerade eine schwierige Situation im Leben meistern muss – wenn zum Beispiel ein vertrauter Mensch gestorben ist, halten wir es am besten noch etwas zusammen aus. Ohne der Person gross etwas vorzumachen.

Wieso gibt es immer noch so viele Menschen, die zwar gerne würden, dann aber doch nicht Schluss machen?
Das kann Bequemlichkeit sein, Feigheit oder die Angst, jemanden zu enttäuschen. Nicht nur den Partner, vielleicht auch die eigenen Eltern, die Eltern des Partners und so weiter. Dann zieht man keinen Schlussstrich. Was aber nichts daran ändert, dass man innerlich weit entfernt von dieser Person ist.

Wie lange dauert der Herzschmerz nach dem Schlussmachen?
Das ist natürlich ganz verschieden. Ich kann mich erinnern, dass ich als Jugendlicher eine Situation erlebte, in der es keine zwei Stunden ging, bis ich ein anderes, hübsches Mädchen entdeckt habe (lacht). Aber klar, wenn man älter ist und eine ernsthafte Beziehung führt, kann es durchaus Monate dauern, bis man den Verlust einigermassen verschmerzt hat. Wichtig ist dann, dass man einen klaren Schlussstrich zieht und nicht noch sporadisch Kontakt hat. Also keine Nachrichten mehr lesen voneinander, keine Fotos anschauen und so weiter. Das ist, wie wenn man aufhört, Alkohol zu trinken, aber immer noch einen Flachmann dabei hat, von dem man ab und zu einen Schluck nimmt. So kommt man nie voneinander los und muss jedes Mal von vorne beginnen, sich zu trennen.

(Interview: Dario Cantieni)


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