So streikten die St.Galler Kantischüler

Mit selbstgemalten Schildern demonstrierten die Jugendlichen.
Mit selbstgemalten Schildern demonstrierten die Jugendlichen. © FM1Today/Tobias Bruggmann
Am Freitagmorgen streikten rund 300 St.Galler Kantonsschüler während einer Schullektion. Statt zu lernen, demonstrierten die Jugendlichen für besseren Klimaschutz. Sie finden: Nicht nur die Politik ist gefordert.

«Wir haben vor drei Tagen begonnen, die Demonstration zu organisieren. Dass rund 300 Leute gekommen sind, überrascht uns. Wir sind sehr zufrieden», sagt Dominic Truxius, der die Kundgebung mit fünf Mitstreitern organisierte. Die Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule am Burggraben gingen am Freitagmorgen eine Stunde lang nicht in den Unterricht, weil sie einen besseren Umweltschutz fordern (FM1Today berichtete).

Stattdessen hielten die Schüler spontane Reden, skandierten Sprechchöre und zündeten Kerzen an. Ihre Forderungen sind radikal: «Wir wollen, dass in der Schweiz der Klimanotstand ausgerufen wird», sagt Truxius. Dazu soll das CO2-Gesetz noch einmal aufgenommen werden.

«Nur hier wegen der Freilektion»

Dominic Truxius (Bild: FM1Today/Christoph Thurnherr)

Die Schüler nehmen gerne an der Demonstration teil. Wohl auch, um nicht in die Schule gehen zu müssen. «Mir geht es nicht ums Klima, ich hätte sonst Chemie», sagt dann auch ein Teilnehmer unverhohlen. «Ich finde diese Demonstration lächerlich und bin nur hier wegen der Freilektion. Wie vermutlich 80 Prozent der anderen auch», meint ein weiterer Kantischüler.

Für Truxius sind solche Aussagen unvermeidlich. «Solche Menschen gibt es immer. Wir können nicht verhindern, dass die Leute deswegen kommen, aber dann haben sie wenigstens unsere Message gehört.» Je schneller der Klimawandel voranschreite, desto schneller würden solche Aussagen verschwinden.

«Selbst noch nicht viel gemacht»

Es gibt aber auch viele Schüler, die den Klimawandel stoppen wollen. Während viele Redner die Politik zum Handeln auffordern, bleiben die Schüler bei konkreten Handlungen in ihrem Leben vage. «Ich selber habe noch nicht viel gemacht. Ich rede mit vielen Leuten über das Thema», sagt ein Teilnehmer.

Mit Schildern, die im gestalterischen Vorkurs gemacht wurden, demonstrierten die Jugendlichen. (Bild: FM1Today/Tobias Bruggmann)

Diese Haltung stört den 17-jährigen Basil. Während der Demonstration greift er zum Mikrofon. «Ich habe viele Kollegen, die jedes Jahr mehrmals mit dem Flugzeug verreisen. Reisen kann man aber auch mit dem Zug.» Man müsse den Leuten bewusst machen, dass sie selbst etwas tun könnten, erklärt er nachher.

Schilder im Unterricht gebastelt

Marc König (Bild: pd)

Auch der Rektor der Kantonsschule, Marc König, ist an der Demonstration anwesend. «Ich bin stolz auf die Schüler. Sie haben ihre Sorgen und Befürchtungen hier fair und anständig vorgetragen.» Die Schüler würden ein Thema aufgreifen, das auch im Unterricht behandelt wurde. Offiziell unterstützt die Schulleitung den Streik aber nicht.

Jedoch scheinen einzelne Lehrpersonen Sympathien für das Anliegen zu haben. «Die Schilder sind im gestalterischen Vorkurs für Jugendliche entstanden», sagt eine Schülerin. König sagt, er habe davon nichts gewusst. «Ich weiss aber, dass in vielen verschiedenen Fächern der Klimawandel ein Thema ist.»

Wiederholung des Streiks möglich

Das Vorbild für die Aktion ist die 15-jährige Schwedin Greta Thunberg, die seit August die Schule nur noch teilweise besucht, um gegen die Klimapolitik zu protestieren. Dass jetzt auch in St.Gallen regelmässig gestreikt wird, befürwortet Rektor König nicht: «Das wäre nicht gut. Ich hoffe aber, dass das Thema präsent bleibt.»

Für Dominic Truxius ist klar, wie es weitergeht: «Jetzt versuchen wir, die Dynamik zu nutzen und Menschen zu motivieren, mitzuhelfen. Wir haben definitiv nicht zum letzten Mal gestreikt.»

(tob)


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