So traditionell ist das FM1-Land

Von Fabienne Engbers
Die Bochtelsnacht hat in Weinfelden Tradition.
Die Bochtelsnacht hat in Weinfelden Tradition. © Thurgauer Zeitung/Reto Martin
Maibär, Scheibenschlagen, Bochselnacht. Die Ostschweiz und Graubünden feiern viele traditionelle Anlässe und Feste. Anlässlich des Kinderfestes stellen wir euch einige davon vor.

Heute Mittwoch findet das Kinderfest in St.Gallen statt. Schon seit fast 200 Jahren wird dieser Brauch, der aus der Blütezeit von St.Gallen stammt, durchgeführt. Auch in vielen kleineren Orten im FM1-Land gibt es solche traditionellen Bräuche.

Fronleichnamprozession in Appenzell

Die «Täfelimeedle» am Fronleichnam in Appenzell. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

«Öse Herrgottstaag» nennen die Appenzeller den Fronleichnam, der jeweils zehn Tage nach Pfingsten ist. Der katholische Feiertag wird in Appenzell traditionell mit einem grossen Zug abgehandelt. Frauen laufen in der Landes- oder Festtagstracht mit. Die Mitglieder des St.Johannesvereins werden auch «Täfelimeedle» genannt, sie ziehen schwarze Jungferntrachten an und tragen bemalte Holztäfelchen mit den Geheimnissen des freudenreichen, des schmerzhaften und glorreichen Rosenkranzes.

Scheibenschlagen Untervaz

Zur Freude, dass die wärmere Jahreszeit zurückkehrt, findet in Untervaz jedes Jahr am ersten Fastensonntag das traditionelle Scheibenschlagen statt. Die Untervazer Buben erscheinen an diesem Tag in ihren «Fuoterjuppen» und machen sich mit Scheiben, die sie an einem Hanfband angemacht haben, auf den Weg bergauf. Mit dabei haben sie auch eine Haselrute und eine Fackel. Wenn es dunkel ist, zünden die Buben ihre Scheiben an, befestigen diese an der Rute und schlagen sie ins Tal hinab.

Silvesterchlausen Appenzellerland

Die schönen Silvesterchläuse ziehen von Haus zu Haus und wünschen «es guets Neus». (Bild: Keystone/Regina Kuehne)

Wenn wir unseren Silvesterkater schon längst ausgeschlafen haben, feiern die Urnäscher, Hundwiler und andere Ausserrhoder Gemeinden den Alten Silvester. Am 13. Januar machen sich die «schöne Chläus», die «wüeschte Chläus» und «Naturchläus» im Morgengrauen auf den Weg. Sie ziehen von Haus zu Haus und wünschen «es guets Neus». Bis spät in den Abend sind die Chläuse in den Wirtschaften anzutreffen.

Groppenfasnacht Ermatingen

Die Groppenfasnacht findet nur alle drei Jahre statt. (Bild: Thurgauer Zeitung/Reto Martin)

Sie gilt als die älteste und letzte Fasnacht der Ostschweiz. Drei Wochen vor Ostern findet in Ermatingen am Bodensee alle drei Jahre der Groppenumzug statt. Der Gropp ist ein Fisch, der lange als ausgestorben galt, mittlerweile aber wieder im Bodensee lebt. Gemäss Überlieferungen wurde die Groppenfasnacht bereits im 15. Jahrhundert gefeiert, weil damals der Papst in Ermatingen Halt machte.

Chalandamarz

Am Chalandamarz werden die Wintergeister vertrieben. (Keystone/Christian Beutler)

Im Engadin werden jeweils am ersten März die Wintergeister vertrieben. Am Chalandamarz tragen die Kinder ihre Glocken durch das ganze Dorf und läuten den Frühling ein. Wenn die Schüler mit den blauen Bauernhemmlein durch die Gassen gelaufen sind, stimmen sie Chöre an und lassen ihre Peitschen knallen. Bekannt wurde der Engadiner Brauch vor allem durch das Kinderbuch «Schellenursli».

Maibärtanz in Bad Ragaz

Der Maibär wird jedes Jahr durch Bad Ragaz getragen. (Bild: maibaer.ch)

Am ersten Sonntag im Mai «tanzt» ein kegelförmiges Gestell, geschmückt mit Blumen und Bändern, durch die Gassen von Bad Ragaz. Umringt wird der Maibär von Bettlern und Plündern, so sagt es die Geschichte. Mit dem Brauch sollen wie beim Chalandamarz die Wintergeister vertrieben werden. Der Maibär wird am Ende des Umzuges von der oberen Taminabrücke gestossen und den Fluten der Tamina übergeben.

Bochselnacht in Weinfelden

An der Bochselnacht ziehen die Schülerinnen und Schüler mit selbst geschnitzen Rüben durch Weinfelden. (Bild: Thurgauer Zeitung/Reto Martin)

Ausserhalb von Weinfelden kennt man die Bochselnacht kaum. Im Ort selbst ist sie jedoch eine der wichtigsten Veranstaltungen im Jahr. Jeweils am Donnerstag der letzten vollständigen Woche vor Weihnachten findet die Bochselnacht statt. Alle Kinder von der ersten Primarschulklasse bis zur zweiten Sek ziehen mit den selbst gebastelten «Bochseltieren» durch das Städtchen. Danach führen die Schüler der dritten Sek das Bochselnachttheater auf.

Noch vor einigen Jahren war es ausserdem Tradition, dass die Kinder Zigaretten und Stumpen geraucht haben. Seit 2004 wird dies allerdings – zumindest während des Umzuges – nicht mehr von der Schule geduldet, wie diese selbst schreibt. Die nächste Bochselnacht findet am 20. Dezember 2018 statt.

Eierlesefest in Oberriet

2017 fand das letzte Eierlesefest in Oberriet statt. (Bild: eierlesefest.ch)

Der uralte germanische Brauch der Eierlesete wird heutzutage nur noch in wenigen Schweizer Gemeinden gelebt. Eine davon ist Oberriet. Das Eierlesefest findet alle fünf Jahre, jeweils am Ostermontag, statt. Es kämpfen Winter und Frühling gegeneinander. Das Eierlesen wird von den Turnern durchgeführt. Eine Gruppe stellt sich auf, um hartgekochte Eier zu werfen, die andere Gruppe muss ebendiese Eier mit einem Tuch, das über einen Reifen gestülpt wird, auffangen. Das letzte Eierlesefest in Oberriet fand 2017 statt.

Hom Strom in Scuol

Am ersten Samstag im Februar brennt in Scuol der Strohmann. Mit dem Brauch «Hom Strom» sollte früher der Sonnengott geehrt werden, damit man eine gute Ernte bekam. Die Schüler von Scuol binden am Nachmittag auf dem Dorfplatz Stroh zum «Hom Strom». Ab Abend dann wird der Strohmann mit Leuchtkugeln angezündet.

Stosswallfahrt St.Mauritius

Die Appenzeller auf der Stosswallfahrt. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

Dieser Brauch geht auf die gewonnene Schlacht am Stoss im Juni 1405 zurück. Die Appenzeller gelobten damals, sie würden immer am Fest des Heiligen Bonifatius’ zum Schlachtfeld wallfahren, um ihm für die errungene Freiheit zu danken. Dieser Brauch wird auch heute noch gepflegt. Die Glocke der Pfarrkirche St.Mauritius weckt die Gläubigen und schickt sie um 6 Uhr in der Früh den Stoss hinauf. An der Wallfahrt nehmen die Standeskommission, das Kantonsgericht und die Innerrhoder Bezirkshauptleute teil. Erst seit 1991 dürfen auch Frauen und Mädchen mitlaufen.

Pschuuri in Splügen

Zwei junge ledige Frauen nach ihrer Schwärzung mit einem «Pschuurirolli». (Bild: Keystone/Arno Balzarini)

In Splügen findet einmal jährlich der Pschuuri statt. Am Aschermittwoch gehen junge Männer in den Strassen umher und schwärzen die Gesichter von Jugendlichen und ledigen Frauen. Sie tragen einen Schellengurt um die Hüften, sodass ihre Opfer sie hören und einen kleinen Vorsprung kriegen.

Am Abend ziehen die selben jungen Männer dann von Tür zu Tür und erbetteln Eier, die sie in der Nacht mit dem Dorf teilen.

In der Ostschweiz und im Kanton Graubünden gibt es einige weitere Bräuche, die es nicht auf unsere Liste geschafft haben. Schreib uns deinen Dorfbrauch doch in die Kommentare.


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