«So werden Asylsuchende verachtet»

Mit diesem Werbeslogan wirbt der Kanton Thurgau für eine Stelle als Sachbearbeiter für Asyl und Rückkehr.
Mit diesem Werbeslogan wirbt der Kanton Thurgau für eine Stelle als Sachbearbeiter für Asyl und Rückkehr. © stellen.tg.ch
Ein Stelleninserat des Thurgauer Migrationsamtes sorgt für heftige Kritik. Die Behörden suchen einen Sachbearbeiter mit Schwerpunkt Asyl und Rückkehr. Dabei verwenden sie einen «völlig unüberlegten» Slogan.

«Weltreise – Im Thurgau kommen Sie weiter.» Diese Worte prangern über der Stellenbeschreibung für einen Sachbearbeiter im Thurgauer Migrationsamt. Zu den Aufgaben des künftigen Mitarbeiters gehören unter anderem die Organisation der Rückkehr von ausreisepflichtigen Personen. «Purer Hohn», sei es diesen Slogan für ein Stelleninserat für einen Sachbearbeiter in Asyl und Rückkehr zu verwenden, findet Marianne Stuber. Sie ist Präsidentin des Solidaritätsnetzes St.Gallen. «Es ist eine Verachtung den Asylsuchenden gegenüber und völlig unüberlegt von den Verantwortlichen.»

«Alles andere als eine Weltreise»

Vor allem das Schlagwort «Weltreise» ist Marianne Stuber ein Dorn im Auge: «Wenn hier entschieden wird, dass die Asylsuchenden zurück in ihr Heimatland müssen, ist dies alles andere als eine Weltreise. Diese Leute sind nicht in die Schweiz gekommen, weil sie denken dass es hier so toll ist, sondern weil sie sich in ihrer Heimat keine Existenz mehr aufbauen können.»

Camillus Guhl, Chef des Thurgauer Migrationsamtes wehrt sich. Es sei nicht das Ziel, mit dem Slogan anzuecken, sagt er gegenüber dem Tagblatt: «Die Slogans sollen die Stelle für Stellensuchende attraktiv machen.» Das Migrationsamt habe den Slogan «nicht bewusst in Relation zum Stelleninserat gewählt». Guhl erkennt in der Kombination mit dem Weltreise-Slogan aber keinen unpassenden Nebensinn.

Laut dem Tagblatt war die Gestaltung der Stelleninserate in die Werbestrategie des Kantons Thurgau eingebettet, die das Amt für Wirtschaft und Arbeit initiierte. Die kantonalen Ämter müssen einen von sieben Slogans verwenden. Welchen sie verwenden steht ihnen frei.

«Macht mich aggressiv und traurig»

Auch deshalb findet die Präsidentin des Solidaritätsnetzes klare Worte für die Verantwortlichen des Inserats: «Mich persönlich macht es aggressiv und traurig. Für dieses Inserat gibt es keinen passenden Slogan. Dass die kantonalen Ämter im Thurgau damit für ihre Stellen werben müssen, finde ich fraglich.»

(dab)


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