Sofortmassnahmen wegen Trockenheit

Wegen der anhaltenden Trockenheit erlegt der Kanton St.Gallen Sondermassnahmen im Bereich Landwirtschaft.
Wegen der anhaltenden Trockenheit erlegt der Kanton St.Gallen Sondermassnahmen im Bereich Landwirtschaft. © iStock/Panama7
Trotz einigen Regentropfen hat die Trockenheit die Ostschweiz nach wie vor fest im Griff. In weiten Teilen des Kantons St.Gallen wächst kein Futter mehr für Nutztiere. Deshalb ergreifen die zuständigen Ämter des Kantons nun Sofortmassnahmen.

Seit Wochen ist es im Kanton St.Gallen heiss und trocken. Darunter leidet vor allem die Natur, was unweigerlich die Landwirtschaftsbetriebe betrifft. Viele Bauern verfüttern bereits den Wintervorrat an die Tiere oder müssen ihren Tierbestand reduzieren. Um die betroffenen Betriebe zu entlasten, ergreifen das Landwirtschaftsamt (LWA) und das Amt für Natur, Jagd und Fischerei (ANJF) des Kanton St.Gallen fünf Massnahmen.

Sofortmassnahmen für die Landwirtschaft

  1. Wiesen, die wenig genutzt werden, und Magerwiesen können ab sofort beweidet werden. Es braucht dafür auch kein Gesuch.
  2. Gemäss Natur- und Heimatschutzgesetz sind alle Moore/Streueflächen geschützt. Diese Flächen dürfen normalerweise erst ab dem 1.September gemäht werden oder stehen unter Naturschutz. Nun ist eine flexiblere Handhabung möglich. Bei unüblich weit fortgeschrittener Vegetation und gutem Wetterbericht kann der Schnittzeitpunkt bis zu fünf Tage vorverlegt werden.
  3. Wenn die Bauern die Alpen früher verlassen, erhalten sie normalerweise weniger Fördergelder. Falls sie die Tiere früher ins Tal bringen müssen, weil es zu wenig Futter hat, können sie ein Gesuch einreichen, um dieselben Fördergelder wie bisher zu erhalten.
  4. Fast umgekehrt verhält es sich, wenn die Bauern in höheren Alpengebieten mehr Futter für die Tiere haben als im Tal unten. Dann können sie bis zum 1. Oktober ein Gesuch stellen, um ihren Aufenthalt in den Alpen zu verlängern.
  5. Für die Haltung von Nutztieren gibt es genaue Angaben. Zum Beispiel wie oft die Tiere auf der Weide sein müssen. Da die Wiesen so ausgetrocknet sind, werden viele Tiere mit Heu gefüttert, also im Stall und nicht auf der Weide. Die Bauern können sich nicht mehr an die Haltungsvorgaben halten. Deshalb gelten nun auch in diesem Bereich besondere Bestimmungen.

Auch im Kanton Thurgau gelten nun ähnliche Massnahmen.

Hitzeperiode zeigt, wie wichtig Naturschutz ist

Die momentane Lage und die Entwicklung in Zukunft zeigen nun auf, wie wichtig es ist, Magerwiesen und Feuchtgebiete zu erhalten, also unter Naturschutz zu stellen. Die Pufferstreifen um die Moore herum sind nun so trocken, dass sie beweidet werden können. Das ist zwar keine dauerhafte Lösung, weil eine intensive Nutzung die Wiesen zerstören würde, aber in Hitzeperioden sehr wichtig.

Schweiz hat gute Voraussetzungen

Solche Hitzeperioden werden immer häufiger. Obwohl die Hitze in diesem Sommer teilweise zu prekären Situationen führte, hat die Schweiz grundsätzlich gute Voraussetzungen für höhere Temperaturen. Der helvetische Boden ist mit viel Wasser gesegnet – vor allem im Winter. Man müsste also einfach mehr Wasser im Winter speichern. Im Tal, wo es trockener wird, könnte man andere Pflanzen säen. Zum Beispiel Zitrusfrüchte oder Olivenbäume und in den höheren Gebieten, wo man bisher nichts pflanzen konnte, die herkömmlichen Pflanzen, die wir in der Schweiz kennen. «Ich habe beispielsweise diesen Sommer auf tausend Meter Höhe Mais und Tomaten angepflanzt», sagt Simon Zeller vom Amt für Natur, Jagd und Fischerei. Wir werden also auch in Zukunft regionale Produkte geniessen können.

(nm)


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