Spital: Wut und Erleichterung in Wattwil

Von Marc Sieger
Bereits nach dem Umbau des Spitals Wattwil im Juni 2018 kam es zu Demonstrationen.
Bereits nach dem Umbau des Spitals Wattwil im Juni 2018 kam es zu Demonstrationen. © Tagblatt/Ralph Ribi
Am Spital Wattwil werden Stellen abgebaut, es gibt weniger Betten und künftig keine Operationen mehr. Die Sofortmassnahmen, die der Spitalverbund beschlossen hat, sorgen in Wattwil für grosse Empörung, aber auch für ein Aufschnaufen.

«Das ist starker Tobak.» Alois Gunzenreiner, Gemeindepräsident von Wattwil und Kämpfer an vorderster Front für das Spital Wattwil, hat die Mitteilung des St.Galler Spitalverbundes vom Mittwochmorgen noch nicht verdaut. Die Empörung ist ihm anzumerken. Viel könne er jedoch noch gar nicht sagen. «Wir sind sehr irritiert und müssen zuerst einmal einordnen, was diese Aktion des Spitalverbundes soll», sagt er gegenüber FM1Today. Der Gemeinderat von Wattwil und der Förderverein, der sich für den Erhalt des Spitals stark macht, wollen in den kommenden Tagen das weitere Vorgehen planen.

Gross ist die Wut auch im Netz. «Zum Verrücktwerden», schreibt etwa ein User auf Facebook. Ein anderer meint: «Ein Spital, das keine Operationen macht, was nützt das schon.»

«Wissen, woran wir sind»

Auf den Gängen des Spitals in Wattwil ist hingegen vor allem Erleichterung zu spüren. «Wir haben lange nicht gewusst, woran wir sind und was auf uns zukommt. Nun haben wir wenigstens Klarheit», sagt Ursula Hollenstein, Präsidentin der Personalkommission der Spitalregion Fürstenland-Toggenburg. Am Mittwochmorgen wurden die Mitarbeiter des Spitals über die Sparmassnahmen informiert. Das Personal habe diese sehr gefasst aufgenommen, sagt Hollenstein. «Wir haben ja gewusst, dass irgendwann etwas passiert.» Neben der Erleichterung gehe im Spital aber eine gewisse Existenzangst um. Hollenstein: «Für den Moment wissen wir, woran wir sind. Was die Zukunft bringt, wird sich zeigen.»

Langfristige Lösung statt Sofortmassnahmen

Bei den kantonalen Parteien stösst die Sofort-Sparübung des Spitalverbundes auf Unverständnis. So reagiert zum Beispiel die FDP auf die Verlautbarungen des Spitalverbundes und der St.Galler Regierung umgehend mit einem eigenen Communiqué. Darin zeigt sie sich äusserst besorgt über die finanzielle Lager der Spitäler und fordert von der Regierung eine umfassende Lösung für die Spitalfrage.

Die Regierung und der Spitalverbund wollen bis spätestens 2021 Antworten liefern. Der FDP ist das zu spät. Ebenso der CVP und auch die SVP lässt verlauten: «Ein Aushungern der Spitäler auf Raten ist nicht akzeptabel.» Statt Sofortmassnahmen brauche es so schnell wie möglich eine langfristige Lösung. Die SP hingegen mahnt zu einem kühlen Kopf. Die Situation der Spitäler sei bekannt. «Es liegt an uns Kantonsrätinnen und Kantonsräten, nun vorwärts zu machen», heisst es in einer Mitteilung. Co-Fraktionspräsidentin Bettina Surber sagt aber dennoch: «Jetzt an einem Spital die Leistungen absolut herunterzufahren, erachten wir als nicht richtig, da dies zu einer Abwärtsspirale für das betroffene Spital führt.»

«Arbeiten so schnell, wie es geht»

Regierungsrätin Heidi Hanselmann, Vorsteherin des St.Galler Gesundheitsdepartements, verteidigt die Sofortmassnahmen. Die finanzielle Lage der Spitalregion Fürstenland-Toggenburg erfordere ein sofortiges Handeln. Die Arbeiten an einer gesamtheitlichen Lösung würden auf Hochdruck laufen. «Die politischen Strukturen können wir aber nicht übergehen. Wir arbeiten so schnell, wie wir können.»


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