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Eli Simic über Panikattacken: «Ich bin wie eine trockene Alkoholikerin»

Lara Abderhalden, 21. Oktober 2020, 16:34 Uhr
Eli Simic litt jahrelang unter Panikattacken. Sie hatte solche Todesangst, dass sie beispielsweise Läden manchmal auf der Stelle verlassen musste. Im Podcast erklärt die Ostschweizer Ex-Bachelorette, wie sie jetzt versucht, anderen zu helfen.

Eli Simic strahlt. Die Schweizer Bachelorette von 2017 wirkt glücklich, spricht in der aktuellen «Gott und d'Welt»-Folge selbstbewusst und vor allem offen über eine Zeit, in der es ihr nicht immer nur gut ging. Die Flawiler TV-Persönlichkeit, Influencerin, Moderatorin und Artistin hatte rund vier Jahre lang immer wieder Angstzustände.

«Du willst nur noch raus aus der Situation»

«Es waren normale Situationen beim Einkaufen, Laufen mit dem Hund oder im Kino, die mir plötzlich Todesangst bereiteten», blickt die 32-jährige Mutter zurück. Bei der ersten Panikattacke ging Eli Simic noch von einem Kreislaufzusammenbruch aus: «Es war vor acht Jahren. Ich war mit meinem Vater auf der Autobahn und musste plötzlich auf dem Pannenstreifen anhalten. Ich konnte nicht mehr weiterfahren. Es ging nicht mehr.»

In den Ferien in der Türkei mit der Schwester sei es dann so richtig losgegangen und sie erlitt gleich mehrere Angstattacken. «Ich hatte keine Ahnung, was los war. Ich hatte Todesangst, das Gefühl, meine Pumpe stelle gleich ab und es sei alles vorbei. Schweissausbrüche. Zittern. Herzrasen. Du willst nur noch raus aus dieser Situation, egal wie.»

Eli Simic begann verschiedene Ärzte und Spezialisten aufzusuchen – vom normalen Hausarzt, bis zum Naturheiler, Neurologen oder Psychologen. Der Hausarzt stellte schnell fest, dass Simic körperlich nichts fehlte. «Beim Psychologen fühlte ich mich direkt am falschen Ort, das erste, das er mich fragte, war, ob ich Selbstmordgedanken hätte.» Keiner konnte der Ostschweizerin so richtig helfen.

Mehrere Jahre litt Eli Simic unter Angstattacken. Heute nimmt sie sich auch als Mami ab und zu Zeit für sich.

© instagram/@eli_simic

«Ich hatte Angst vor der Angst»

Am Schluss waren es verschiedene Faktoren, mit denen sie die Angstzustände überwinden konnte. «Irgendwann machte es in meinem Kopf ‹klick›. Ich wollte in meinem Leben etwas ändern.» Sie begann mit Hypnose und pflanzlichen Mitteln. Durch ihren Hypnotiseur gelang es ihr schliesslich, wieder auf der Autobahn zu fahren und davor keine Angst mehr zu haben. «Es ist Übungssache. Man muss Situationen, die einem schwer fallen, immer wieder durchgehen und dem Körper sagen, dass er keine Angst haben muss.»

Häufig sei es die Angst vor der Angst gewesen, die Simic lähmte. Sie traute sich kaum mehr aus dem Haus aus Angst vor Panikattacken: «Ich begann die Gesellschaft zu meiden und immer wieder Ausreden für Abmachungen zu finden.» Doch durch diese Abschottung wurde die Angst vor der Angst nur noch grösser. «Es gab Situationen, da stand ich an der Kasse eines Lebensmittelladens, liess alle Produkte liegen und rannte raus.»

«Bei Bachelorette-Dreh waren Angstzustände noch nicht überwunden»

Die Panikattacken kamen mal häufiger, mal seltener vor und dauerten auch unterschiedlich lange: «Manchmal fünf Minuten, manchmal aber auch zwei Stunden.» Rund vier Jahre dauerte es, bis Eli Simic die Angstzustände überwunden hatte. «Beim Bachelorette-Dreh habe ich sie ab und zu noch gespürt. Es waren keine Panikattacken mehr, sondern mehr das Gefühl, dass die Dreharbeiten jetzt einmal aufhören dürften.»

Heute hat Eli Simic ihre täglichen Rituale mit Atemübungen oder Selbshypnose: «Ich nehme mir diese Zeit. Dann sage ich auch zu meiner Tochter, dass Mami jetzt fünf Minuten Pause braucht und sie sich selbst beschäftigen soll.» Mia könne sich glücklicherweise sehr gut selbst beschäftigen. «Ich bin wie eine trockene Alkoholikerin, ich denke, wenn es mir extrem schlecht ginge, kämen die Panikattacken zurück.»

2017 war Eli Simic die Schweizer Bachelorette – die Dreharbeiten wurden ihr manchmal fast zu viel.

© 3+

Selbshilfegruppe für Betroffene

Damit das nicht passiert, spricht sie sehr viel über ihre Gefühle. Das auch mit ihrer Community. Während der Corona-Zeit gründete sie eine geschlossene Facebook-Gruppe, in der sich Betroffene von Panikattacken austauschen können. «Die Rückmeldungen dort sind unglaublich. Es gibt so viele, die sich bedanken, weil sie sich endlich verstanden fühlen und nicht mehr alleine mit den Angstzuständen umgehen müssen.»

Warum sich viele Menschen dennoch nicht trauen, über ihre Angstzustände zu sprechen und wie Eli Simics Gefühle sich während der Schwangerschaft veränderten, hört ihr im aktuellen «Gott und d'Welt»-Podcast:

Lara Abderhalden
Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 22. Oktober 2020 09:57
aktualisiert: 21. Oktober 2020 16:34