Diagnose Krebs

Zwischen Leben und Tod: Das Warten auf eine Stammzellenspende

Vanessa Kobelt und Ines Schaberger, 29. Oktober 2020, 10:17 Uhr
Noch immer wartet Marco Schwinger aus Trogen auf eine passende Stammzellenspende.
© Facebook / Blutspende SRK
Mit dem Tod befasst man sich oft erst, wenn man selbst damit in Kontakt kommt. So geht es auch Marco Schwinger, der an Lymphdrüsenkrebs erkrankt ist. Der Lehrer wartet noch immer auf eine Stammzellenspende und spricht im «Gott und d’Welt»-Podcast über eine sehr emotionale Zeit.

Marco Schwinger aus Trogen hat Lymphdrüsenkrebs – und zwar zum dritten Mal. Der 41-jährige Sekundarlehrer aus Trogen ist auf fremde Stammzellen angewiesen und wartet auf einen geeigneten Spender. Er wünscht sich mehr Einträge in der Datenbank, wie FM1Today berichtete. Im «Gott und d’Welt»-Podcast spricht der Familienvater sehr persönlich über sein Innenleben.

Marco, was ging dir durch den Kopf, als du erneut die Diagnose Lymphdrüsenkrebs bekommen hast? 

Mir und meiner Familie hat es erstmal den Boden unter den Füssen weggezogen. Wir haben ein paar Tage lang geweint und dann ging ein «Knopf» auf. Plötzlich hatte ich die Motivation, eine weitere Therapie in Angriff zu nehmen.

Du bist ein sehr positiv eingestellter Mensch. Kannst du die negativen Gedanken immer gut zur Seite schieben? 

Man muss die positiven, wie auch die negativen Gedanken zulassen. Manchmal findet man alles einfach scheisse, das ist normal und gehört dazu. Bei mir sind solche Momente zum Glück aber eher selten. Grösstenteils kann ich sehr positiv bleiben.

Zurzeit wartest du auf einen geeigneten Spender. Hast du manchmal Angst? 

Ja. Auch das ist ein Gefühl, das man zulassen muss. Der Gedanke: «Was ist, wenn es nicht funktioniert?» macht automatisch Angst. Ich versuche dann aber so schnell wie möglich, wieder das Positive zu sehen.

Was gibt dir Kraft in dieser Zeit? 

Meine zwei Kinder und meine Frau. Ich verbringe wahnsinnig gerne Zeit mit ihnen und das gibt mir Energie und Motivation. Mein grosses Ziel ist es, weiterhin mit ihnen das Leben zu geniessen und zu sehen, wie meine Kinder aufwachsen.

Du bist nicht religiös. Kannst du dir vorstellen, dass du in dieser schweren Zeit plötzlich zum Glauben findest? 

Bis jetzt eigentlich nicht. Es ist aber auch neu in meinem Leben, dass ich meditiere und mich mit Yoga auseinandersetze. Darum will ich auch nicht ausschliessen, dass mich «Gott» in meiner Situation vielleicht mal unterstützt, auch wenn ich es mir jetzt nicht vorstellen kann.

Glaubst du an ein Leben nach dem Tod? 

Ja, ich glaube an ein Leben nach dem Tod. Ehrlich gesagt habe ich mich erst nach meinem zweiten Rückfall mit dem Tod auseinandergesetzt. Jedoch tue ich dies so wenig wie möglich, denn ich glaube noch fest daran, dass wir einen geeigneten Spender finden und ich nächstes Jahr wieder gesund bin.

Wie Marco Schwinger die Zeit meistert, in der er auf einen Stammzellenspender wartet und wie FM1-Moderatorin Rosi Hörler, die selbst eine Stammzellen-Transplantation hatte, auf diesen Eingriff zurückblickt, hört ihr in der aktuellen Folge des «Gott und d’Welt»-Podcasts.

Vanessa Kobelt und Ines Schaberger
Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 29. Oktober 2020 10:17
aktualisiert: 29. Oktober 2020 10:17