Adi Hütter geniesst den Triumph leise

23. Juli 2017, 09:05 Uhr
YBs Trainer Adi Hütter feiert mit Miralem Sulejmani das Freistoss-Tor  zum 2:0
YBs Trainer Adi Hütter feiert mit Miralem Sulejmani das Freistoss-Tor zum 2:0
© KEYSTONE/PETER SCHNEIDER
Nach der Medienkonferenz umarmen sich Adi Hütter und Raphael Wicky herzlich wie zwei Kumpel. Die Trainer wissen, dass YBs 2:0-Sieg gegen Basel nicht mehr als das Resultat eines einzigen Spiels ist.

Mehr als einmal nach dem Schlagermatch im ausverkauften Stade de Suisse erwähnte Wicky die Entstehung des 1:0. «In dieser Szene war unser Defensivverhalten sicher nicht gut.» Aus der Stimme des umgänglichen Wallisers drang eine unüberhörbare Verärgerung. «Ich werde mir dies in den Fernsehbildern anschauen.» Wenn er dies tut, wird er wissen, wen er sich hauptsächlich zur Brust nehmen muss: Luca Zuffi. Der Winterthurer, in der Doppelsechs mit Taulant Xhaka üblicherweise ein sicherer Wert, liess sich vom Torschützen Yoric Ravet umkurven - der Ball rechts, Ravet links an Zuffi vorbei - und machte dabei eine Falle wie ein unbedarfter Junior.

Ohne diesen Lapsus wären die in der Offensive ungewohnt wirkungsarmen Basler - Neuzugang Ricky van Wolfswinkel wurde kaum jemals wahrgenommen - möglicherweise mit einem erzitterten 0:0 davongekommen. So jedoch kann es Wicky vor allem auf diese eine Szene zurückführen, dass sein von allen Seiten beobachtetes und von allen Linsen eingefangenes Debüt als Trainer in der Super League missraten ist. Diskussionslos missraten ist. Wickys Einschätzung, seine Mannschaft habe bis zu der Schlüsselszene kein schlechtes Spiel gemacht, kann daran nichts ändern.

Adi Hütter lächelte an der Medienkonferenz bisweilen verschmitzt. Nie seit seinem Beginn in Bern im September 2015 hatte er ein derart elektrisierendes Spiel erlebt. Der gebürtige Vorarlberger genoss den Triumph sichtlich, ohne in eine Schwärmerei zu geraten. Er hob hervor, dass ein derartiger Sieg gegen den Meister Selbstvertrauen gebe. Und dass es für das anstehende Qualifikationsspiel der Champions League bei Dynamo Kiew wichtig gewesen sei, zu null zu spielen. Hütter wurde auch gefragt, was der Sieg gegen Basel für die ganze Meisterschaft bedeute. Er antwortete mit den Worten, die er kurz zuvor in der Kabine von Yoric Ravet gehört hatte: Die Meisterschaft sei kein 400-Meter-Lauf, die Meisterschaft sei ein Marathon. Hütter folgerte daraus: «Wir haben die ersten 400 Meter des Marathons für uns entschieden.»

Quelle: SDA
veröffentlicht: 23. Juli 2017 01:33
aktualisiert: 23. Juli 2017 09:05