Als Roger Federer in Berneck Jassen lernte

Michael Ulmann, 27. Oktober 2017, 14:31 Uhr
Er ist der berühmteste Schweizer: Tennis-Superstar Roger Federer. Und er hat Ostschweizer Wurzeln. Sein Vater Robert ist in Berneck im St.Galler Rheintal aufgewachsen. Mit FM1Today hat der sonst eher zurückhaltende 71-Jährige darüber gesprochen.

Für gewöhnlich hält sich Robert Federer lieber im Hintergrund auf und meidet die Öffentlichkeit. Für FM1Today macht er eine Ausnahme und gewährt einen Einblick, wie er in Berneck aufgewachsen ist, was ihm an der Ostschweiz besonders gefällt und ob sein Sohn Roger doch mehr Ostschweizer als Basler ist. Wir treffen Robert Federer, der nur rund einen Kilometer von der St. Jakobshalle in Basel entfernt wohnt, kurz vor dem Achtelfinal seines Sohnes bei den Swiss Indoors gegen den Franzosen Benoit Paire.

Interview: Michael Ulmann.

Robert Federer, Sie sind in Berneck aufgewachsen, ihre Mutter kommt aus Schwende im Kanton Appenzell Innerrhoden. Wie viel Rheintal oder Ostschweiz steckt noch in Ihnen?

Viel! Ich gehe immer noch sehr gerne ins Appenzellerland, ins Innerrhodische, wo meine Mutter aufgewachsen ist oder auf den Säntis. Als Schulbub war ich viel im Appenzellerland in den Ferien und half meinen Onkeln beim Heuen oder ich musste Kinder hüten.

Aber ich nehme an, nun sind Sie nicht mehr so oft in Berneck oder der Ostschweiz?

Das stimmt. Das hat damit zu tun, dass ich dort keine Verwandten mehr habe. Meine Eltern leben nicht mehr. Aber wenn's grad passt fahren wir bei Gelegenheit schon mal an Berneck vorbei.

Abgesehen vom Heuen im Appenzellerland, was haben Sie sonst noch für Kindheits- oder Jugenderinnerungen?

Wir haben wirklich viel «puuret». In Widnau waren wir oft im Riet und haben geholfen Bohnen zu ernten. Kartoffeln haben wir auch oft ausgenommen, und zwar mit dem Pflug und nicht mit den Maschinen, die man heute dafür einsetzt.

Sie sind nun schon lange in Basel zuhause. Vermissen sie manchmal Ihre Heimat ein bisschen?

Ah nein, das nicht unbedingt. Aber ich gehe wie gesagt immer noch sehr gerne ins Innerrhodische.

Ihr Sohn Roger war als Kind sicher auch einige Male in Berneck. Ist er auch heute noch ab und zu dort?

Nein. Aber er schaut vielleicht mal nach Berneck, wenn er vom Flugplatz Altenrhein irgendwohin fliegt. Von dort nimmt er ab und zu das Flugzeug, wenn er in seinem Ferienhaus auf der Lenzerheide war.

In den Kartons, die Robert Federer hält, sind Kalender von Roger drin, die der Tennisstar bei den Swiss Indoors noch unterschreiben muss. Bild: FM1Today/Michael Ulmann

Als Roger in seinen jungen Jahren noch in Berneck war, was hat er damals so gemacht?

Wir waren viel an Weihnachten und Ostern in Berneck bei meinen Eltern. Ich bin in einem der ältesten Häuser in Berneck aufgewachsen. Unser Haus hatte ein grosses Garagentor. Da hat Roger dann stundenlang Tennisbälle dagegen geschlagen. Ausserdem hat er mit meinem Vater oft gejasst.

Der erfolgreichste Tennisspieler hat also in Berneck Jassen gelernt?

Ja, das würde ich schon sagen. Er hat mit seinem Grossvater viel gejasst.

Im letzten Jahr im September, als Roger wegen seiner Verletzung pausiert hat, hat er in den Sozialen Medien Fotos gepostet, die ihn beim Wandern im Alpstein zeigen. Hand auf's Herz, haben sie ihm geraten ins Appenzellerland zu gehen?

Ja klar! Er geht sehr gerne mit seinen Kindern wandern, auch auf der Lenzerheide. Und da hab ich ihm gesagt, kommt, wir gehen mal wieder ins Appenzellerland. Dann sind wir mit der Bahn auf die Ebenalp gefahren, danach zum Äscher gelaufen, von dort zum Seealpsee und wieder zurück nach Wasserauen. Das hat uns sehr gut gefallen. Seine Mädchen sind auch mitgekommen. Die Buben sind dafür noch zu klein.

Roger ist Bürger von Berneck. Und dort sagt man scherzeshalber, Roger sei ein Bernecker, kein Basler. Was sagen Sie dazu?

Oh, da muss ich die Bernecker enttäuschen. Roger ist ein Basler, da gab's nie eine Diskussion bei uns. In Basel selber diskutieren sie höchstens mal noch, ob er jetzt ein Baselstädter oder ein Baselländler ist. Nicht vergessen darf man aber, dass er auch Bürger von Südafrika ist, der Heimat meiner Frau.

Kurze Schlussfrage: Sie sind der Vater eines Superstars. Wie stolz sind sie eigentlich auf einer Skala von 1 bis 10? Sicher eine 11, oder?

(Lacht) Keine Frage, klar bin ich sehr stolz auf Roger. Aber ich bin auch stolz auf meine Tochter, die Schwester von Roger. Wir sind immer noch die Federers. Wir sind immer noch die Selben wir früher und das werden wir auch immer bleiben.

Bekannter Punkt und bekannte Jubelszene: Robert Federer freut sich über den Tweener von seinem Sohn im Halbfinal der US Open 2009 gegen Novak Djokovic (ab Sekunde 53 im Video):

Interview: Michael Ulmann

Michael Ulmann
veröffentlicht: 27. Oktober 2017 05:45
aktualisiert: 27. Oktober 2017 14:31