An Roger Assalé schieden sich die Geister

1. Oktober 2017, 20:39 Uhr
Beim 6:1 der Young Boys gegen St. Gallen ebenso gefeiert wie umstritten: der zweifache Torschütze Roger Assalé
Beim 6:1 der Young Boys gegen St. Gallen ebenso gefeiert wie umstritten: der zweifache Torschütze Roger Assalé
© KEYSTONE/PETER KLAUNZER
6:1 gewonnen, zwei umstrittene Entscheide zu ihren Gunsten, den Vorsprung als Leader ausgebaut: die Young Boys erleben beim Kantersieg gegen St.Gallen einen rundum gelungenen Nachmittag.

Nach einem Resultat dieser Deutlichkeit spielt die Leistung eines Schiedsrichters normalerweise keine Rolle. Dennoch gaben zwei Szenen zu reden, beide Male war Roger Assalé beteiligt.

Was war passiert? In der 42. Minute landete die Hand des Ivorers, der einen Einwurf mit dem Rücken zum Gegenspieler erwartete, im Gesicht des St. Gallers Alain Wiss. Referee Fedayi San ahndete die Aktion mit einer Verwarnung.

Die Meinungen dazu waren schnell gemacht. Sprach Assalé davon, nicht absichtlich gehandelt zu haben («ich bin kein aggressiver Spieler»), herrschte unter den Trainern Einigkeit. «Wir hatten Glück», sagte YB-Coach Adi Hütter. «Der Schiedsrichter hätte auch anders entscheiden können. Wenn es den Ausschluss gegeben hätte, wäre dieses Resultat nicht zustande gekommen.» Für St. Gallens Giorgio Contini war klar: «Es gibt keine zwei Meinungen. Die Farbe der Karte hätte dunkler als gelb sein müssen.»

Bei der zweiten strittigen Aktion kurz nach Wiederanpfiff sprang Assalé der Ball im gegnerischen Strafraum eher unabsichtlich an die Hand, Kevin Mbabu traf in der Folgeaktion zum 2:0. «Das war ein klares Hands», ereiferte sich Contini. Die TV-Bilder liessen keinen Aufschluss zu, ob Absicht im Spiel war oder nicht. Jedenfalls musste es sich aus St. Galler Sicht umso bitterer angefühlt haben, als Assalé auch noch das 3:1 erzielte - was wiederum Hütter als «Schlüsselszene» betitelte.

Natürlich beeinflussten die genannten Szenen mit Assalé das Duell im Stade de Suisse. Zu denken gab Contini aber auch, wie sich St. Gallen in der letzten halben Stunde gehen liess. «Wir waren in der ersten Halbzeit auf Augenhöhe, in der zweiten machten wir unseren Job nicht mehr. Die letzten 30 Minuten waren zum Vergessen. Gewisse Mannschaftsteile zerfielen regelrecht.»

YB verabschiedete sich mit dem höchsten Saisonsieg und mindestens sechs Punkten Reserve auf die Konkurrenten in die zweite Länderspiel-Pause der Saison. Die Zuschauer honorierten die Leistung der Berner mit Ovationen, Trainer Hütter zeigte sich sehr zufrieden. «Die Art und Weise, wie wir auftraten und wie wir die Tore erzielten, habe ich genossen wie schon lange nicht mehr. Die Mentalität, wie wir nach dem 4:1 hungrig blieben und weitere Tore schiessen wollten, hat mir gefallen.»

Quelle: SDA
veröffentlicht: 1. Oktober 2017 20:15
aktualisiert: 1. Oktober 2017 20:39