Handball

Andy Schmid trifft mit Rhein-Neckar Löwen auf Kadetten Schaffhausen

2. Februar 2021, 09:56 Uhr
Andy Schmid trifft mit den Rhein-Neckar Löwen erstmals in einem Wettbewerbsspiel auf einen Schweizer Verein
© KEYSTONE/URS FLUEELER
Andy Schmid trifft mit den Rhein-Neckar Löwen erstmals in einem Wettbewerbsspiel auf einen Schweizer Verein. In der European League ist zweimal die Kadetten Schaffhausen der Gegner.

Der in Horgen geborene Schmid spielt seit 2009 im Ausland. Nach einer Saison in Dänemark bei Bjerringbro-Silkeborg wechselte er zu den Löwen, bei denen er sich nach einem schwierigen Start zu einem der besten Spielmacher der Welt entwickelte. Fünfmal wurde er zum MVP der Bundesliga gekürt.

«Es ist sicher etwas Besonderes», sagt Schmid im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA zu den bevorstehenden Duellen gegen die Kadetten. So waren sechs Schaffhauser Spieler an der am Sonntag zu Ende gegangenen WM in Ägypten noch Teamkameraden von ihm, hatte er mit ihnen in Nordafrika Grosses erreicht.

Die Favoritenrolle ist klar verteilt, alles andere als zwei Siege für den Bundesligisten wären eine Überraschung, auch wenn mit den Schweden Andreas Palicka und Albin Lagergren sowie dem Franzosen Romain Lagarde drei Spieler am Sonntag noch an der WM im Einsatz standen. Die Mannschaft aus Mannheim ist in der besten Liga der Welt aktuell im 2. Rang klassiert - nach Verlustpunkten ist sie Vierte.

Der dritte Meistertitel nach 2016 und 2017 ist für Schmid derzeit eher unrealistisch angesichts der Stärke von Kiel und Flensburg-Handewitt. Nach dem Cupsieg 2018 seien zwei, drei Eckpfeiler des Teams weggebrochen, was zu einer kleinen Baisse geführt habe, so der 37-Jährige. «Nun befinden wir uns in einer Phase, in der es wieder nach oben geht. Jüngere Spieler, die zu uns gestossen sind, haben sich an die Bundesliga gewöhnt, treten nun selbstbewusster auf.»

Ohnehin wird die laufende Meisterschaft für Schmid angesichts der aktuellen Situation nicht nur auf dem Feld entschieden. Weitere Faktoren sind für ihn die Anzahl an Corona-Fällen in den jeweiligen Teams, und ob irgendwann wieder Zuschauer erlaubt sind. «Derzeit ist einzig wichtig, die Saison durchzubringen und die Sportart zu retten», führt Schmid aus.

Ohne Fans zu spielen, war für ihn «schon gewöhnungsbedürftig, ich bin in dieser Situation jedoch einfach froh, meinen Job ausüben zu dürfen. Es ist nun halt einfach so wie früher, als nur die Eltern zuschauten.» Schmid ist sich aber bewusst, «dass die Sportart in dieser Form nicht überlebt, wenn es noch lange so weitergeht.» Um dem Verein zu helfen, haben die Spieler auf «ein bisschen mehr als 20 Prozent» des Lohns verzichtet.

Mit den eigenen Leistungen in dieser Saison ist Schmid bisher zu zufrieden. Nichtsdestotrotz war es für ihn zunächst schwierig, nicht mehr ganz vorne mitspielen zu können. «Wenn du mal den Titel gewonnen hast, ist ein solcher jedes Jahr der Anspruch. Darum ist die Fallhöhe brutal. Ich musste lernen, zu akzeptieren, dass es nach einem Umbruch Zeit braucht, bis alles wieder funktioniert. Ich machte oft meine Vergangenheit zu derjenigen der neuen, jungen Spieler. Das ist nicht fair, da diese noch keinen Titel geholt haben.»

Hat er sich manchmal selber zu stark unter Druck gesetzt? «Nein. Druck setze ich mir immer, wenn das nicht der Fall wäre, würde ich nach nichts streben. Von aussen dagegen verspüre ich ehrlich gesagt null Druck. Klar habe ich die Latte hochgelegt, ist alles darunter nicht mehr gross bemerkenswert und ist es heutzutage schwieriger für mich, ein Lob zu erhalten, damit kann ich allerdings gut umgehen.»

Ausserdem gab ihm der erste Meistertitel Ruhe. «Wenn du über Jahre auf diesem Leistungsniveau bist, brauchst du irgendwann etwas Festes in den Händen», sagt Schmid. Das galt für ihn umso mehr, als er seit Jahren eine prägende Rolle im Verein einnimmt. «Nur 2. Plätze wären nicht befriedigend gewesen. Wie es nun gekommen ist, hätte ich mir nicht besser vorstellen können.»

Schmids Vertrag mit den Rhein-Neckar Löwen endet 2022. Danach wird er voraussichtlich in die Schweiz zurückkehren und allenfalls dort noch weiterspielen. «Allerdings ist nie etwas in Stein gemeisselt», stellt er klar. Zunächst einmal spielt er nun zweimal in Schaffhausen gegen die Kadetten.

Quelle: sda
veröffentlicht: 2. Februar 2021 09:55
aktualisiert: 2. Februar 2021 09:56