Fury – Wilder

Das musst du über den grössten Kampf seit fast 50 Jahren wissen

René Rödiger, 19. Februar 2020, 18:02 Uhr
Deontay Wilder (links) und Tyson Fury (rechts) treffen zum zweiten Mal aufeinander.
© Keystone
Diesen Samstag steigt in Las Vegas einer der grössten Boxkämpfe seit längerer Zeit. Sogar der frühere Weltmeister George Foreman vergleicht den Re-Match zwischen Tyson Fury und Deontay Wilder mit Fights wie Schmeling-Louis und Ali-Frazier. Das musst du vor dem Kampf wissen.

Nicht nur eingefleischte Boxfans fiebern dem zweiten Kampf zwischen Deontay Wilder (34) und Tyson Fury (31) entgegen. Man muss sich nicht weit aus dem Fenster lehnen, wenn man behauptet, dass wir ein Highlight der Boxgeschichte erleben werden. Einen Favoriten gibt es nicht wirklich, beide Boxer sind voll auf Angriff eingestellt. Und: Es geht um einen der wichtigsten Titel im Boxsport. Doch der Reihe nach:

Ähm, wie bitte? Und wieso soll mich das interessieren?

Tyson Fury. Skandal-Boxer. 2015 eroberte er den Schwergewichtsthron gegen den fast als unschlagbar geltenden Wladimir Klitschko. Plötzlich war der Brite Vierfach-Weltmeister nach WBA, IBF, WBO und IBO. Was danach folgte, würde man in einem Hollywood-Film als übertrieben und unglaubwürdig bezeichnen.

Tyson Fury holte sich 2015 vier Weltmeistertitel.

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Fury stürzte sich in Drogen und Alkohol, litt unter Depressionen. Zwischenzeitlich glaubte niemand mehr daran, dass sich der vom Junkfood aufgeblähte 180-Kilogramm-Koloss nochmals in den Ring wagen würde. Weil Fury nicht mehr antrat, verlor er all seine Weltmeister-Gürtel.

Dann kam Deontay Wilder. 2017 sagte er: «Fury ist durch. Der kommt nie zurück!» Die Reaktion Furys? «Als ich das hörte, war ich gerade mit meinem Hund draussen. Da fühlte ich mich wie ein fettes Schwein und wäre am liebsten ins Wasser gesprungen und hätte mich ertränkt. Aber dann dachte ich: Ich starte mein Comeback und knocke ihn aus.»

Ausgerechnet jener Wilder, gegen den Fury diesen Samstag erneut antritt, gab ihm den Impuls, sein Leben komplett zu ändern. Nur wenige Monate später stieg der Brite wieder in den Ring und gewann Kampf um Kampf. Bis er im Dezember 2018 endlich gegen Deontay Wilder kämpfen durfte.

Schön und gut. Aber was ist mit Wilder?

Die Box-Karriere Deontay Wilders verlief fast schon bilderbuchmässig. Der US-Amerikaner wollte ursprünglich Basketball- oder Football-Profi werden. Als er 2005 Vater eines Mädchens wurde, entschied er sich für eine Boxkarriere.

Schnell wurde sein Talent erkannt, bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking holte sich Wilder die Bronzemedaille. Wilder entschloss sich, Profi zu werden und unterschrieb bei der Agentur des ehemaligen Spitzenboxers Oscar de la Hoya.

Deontay Wilder hat in seiner Profikarriere noch nie verloren.

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Es folgte eine unglaubliche Bilanz: Mit 32 Siegen in ebenso vielen Kämpfen krönte er sich zum Schwergewichtsweltmeister des Verbandes WBC. Bis heute ist Wilder ungeschlagen, obwohl er sich auch unangenehme Gegner wie Luis «King Kong» Ortiz als Gegner aussuchte. Übrigens: Auch Fury hat in seiner Profikarriere noch nie verloren.

Ungeschlagen? Dann hat Wilder also den ersten Kampf gegen Fury gewonnen?

Nein. Oder ja. Je nachdem, wen man fragt. Offiziell gab es ein Unentschieden. Ein Ringrichter sah Fury als Sieger, ein anderer Wilder und der dritte beide gleichauf.

Beide Boxer tasteten sich im Kampf im Dezember 2018 erst mal an den Gegner ran. Dann kam die 9. Runde. Wilder konnte endlich seine gefürchtete Gerade ins Ziel bringen und schickte Fury zu Boden. Doch der Brite stand wieder auf. In den nächsten beiden Runden zeigte sich Fury von seiner stärksten Seite und brachte Wilder immer wieder in Bedrängnis.

Dann der Höhepunkt in der letzten Runde. Eine harte Rechte und ein linker Haken brachten Fury erneut auf die Bretter – völlig überraschend stand er aber erneut auf. In der Folge konnte er sogar noch einige Treffer platzieren, ehe der Schlussgong ertönte.

Selbstverständlich sahen sich nach diesem Kampf beide Boxer als Sieger. Aber eben...

Das tönt doch ganz ok. Aber das kann man doch nicht mit Ali-Frazier vergleichen!

Den Vergleich macht nicht einfach irgendjemand. Nein, der frühere Weltmeister George Foreman (71) hat ihn gezogen. Gegenüber «Boxing Scene» sagte die Box-Legende: «Es gab drei wichtige Rematches in der Geschichte des Boxsports. Das wichtigste war der zweite Kampf zwischen Max Schmeling und Joe Louis (1938). Dann Muhammad Ali gegen Joe Frazier (1974). Ich dachte damals, niemand könnte Ali schlagen, dann traf Frazier Ali mit einem linken Haken und Ali lag am Boden. Als sie den Revanchekampf ankündigten, waren alle heiss auf diesen zweiten Kampf. Jeder der Beiden konnte ihn gewinnen.»

Diese Ausgangslage macht für Foreman das Rematch zwischen Wilder und Fury nun zu einem grossen Kampf. Der Ausgang des Fights ist völlig offen. Der US-Amerikaner Foreman drückt übrigens eher dem Briten Fury die Daumen. Er sei schlicht der bessere Boxer.

Gut, überzeugt! Wann und wo kann ich den Kampf jetzt sehen?

Der Fight findet am Samstagabend zur Hauptsendezeit in Las Vegas statt. Das bedeutet, dass in der Schweiz die Vorkämpfe ab Sonntag, 3 Uhr, zu sehen sind. Der Hauptkampf zwischen Wilder und Fury beginnt um 5 Uhr.

Die Rechte für solche Fights sind natürlich heiss begehrt. Hier hat sich das Streaming-Portal Dazn den Kampf gesichert, er ist also nur so empfangbar.

WBA, WBC, IBO, WBU... Um welchen Titel geht es jetzt?

Auf dem Spiel steht der WBC-Schwergewichtstitel von Deontay Wilder. Die anderen drei Titel hat der Brite Anthony Joshua (30).

Dass es überhaupt so viele verschiedene Titel gibt, hängt mit der Organisation des Boxsports zusammen. Es gibt keine zentrale Dachorganisation für die Landesverbände und keinen alleinigen Weltmeister. Der Grund: Das liebe Geld. Jeder Verband will möglichst viel verdienen und ein eigener Weltmeister lässt sich nun mal besser vermarkten.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 21. Februar 2020 10:38
aktualisiert: 19. Februar 2020 18:02