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Schwimmen

Das Projekt der einst vier Pubertierenden wird zur Zukunftshoffnung

28. Juli 2021, 10:40 Uhr
Die Schweizer Crawler, die sich gerne auch als die «neuen, jungen Wilden» bezeichnen, sorgen im Schwimm-Bassin für ein erstes grosses Schweizer Ausrufezeichen.
Vier der jungen wilden Schweizer Schwimmer, die vor sechs Jahren in Genf mit im Schnitt 15 Jahren ihr Olympia-Projekt gestartet haben
© KEYSTONE/EPA/PATRICK B. KRAEMER

Ihre Leistung: zumindest historisch. Nie vorher hatte es eine Schweizer Staffel im Schwimmen in einen Olympia-Final geschafft. Am Dienstag torpedierten sie den Schweizer Rekord über die 4 x 200 m Crawl um fast fünf Sekunden. Im Final schwammen Antonio Djakovic, Nils Liess, Noè Ponti und Roman Mityukov nochmals um eine halbe Sekunde schneller.

«Wir sind extrem stolz», sagten die vier unisono. «Dass die Schweiz in der Crawl-Staffel das sechstschnellste Land ist, ist an sich schon fast nicht zu glauben», so Nils Liess. In drei Staffelrennen in Tokio liessen die vier Schweizer die einstige Schwimm-Grossmacht Deutschland drei Mal hinter sich.

Wer aber meint, die Schweizer seien ob ihren Leistungen überglücklich, der täuscht sich gewaltig. Im Durchschnitt sind Djakovic, Liess, Ponte und Mityukov 21 Jahre jung. Ihr Projekt starteten sie 2015 in Genf. Und wohin das Projekt die vier damals Pubertierenden führen wird, ist noch gar nicht abzusehen. Schon jetzt legen sie das Augenmerk auf die nächsten Sommerspiele in drei Jahren in Paris. Die Schweizer Crawl-Staffel verspricht für die Zukunft einiges.

Denn das perfekte Rennen zeigten die Schweizer in Tokio trotz der Fabelzeiten noch nicht. Roman Mityukov liess beim dritten Wechsel im Vergleich zu den ersten beiden Wechseln eine halbe Sekunde liegen. «Und ich», so Nils Liess, «kann mit meiner heutigen Zeit nicht zufrieden sein. Ich habe die 200 m im Training auch schon zwei Sekunden schneller geschwommen. Irgendwann wird der Tag kommen, an dem uns allen das perfekte Rennen gelingt.»

Zur Olympia-Medaille fehlt den jungen Schweizern aber immer noch viel. Im Ziel verloren sie 4,3 Sekunden auf die Medaillenränge. Aber nach 250 der 800 m belegten die Schweizer dank einem formidablen Start von Antonio Djakovic, der als Startschwimmer den 13 Jahre alten Schweizer Rekord von Dominik Meichtry endlich um drei Hundertstel verbesserte, kurzfristig auf Platz 3. Liess fiel indes auf den nächsten 150 Metern auf den 8. Platz zurück. Noé Ponti und Roman Mityukov überholten danach noch Brasilien und Deutschland.

Mityukov (1:45,68) legte als Schlussschwimmer trotz des schwachen Starts (0,66 Sekunden Reaktionszeit) sogar noch die bessere Zeit als Djakovic (1:45,77) hin. Einzelrekorde kann in einer Staffel aber nur der Startschwimmer aufstellen. Mityukovs Zeit in der Staffel liess darauf schliessen, dass er sich anderthalb Stunden vorher im Halbfinal über 100 m Crawl bewusst für die Staffel geschont hatte. Das konnte er sich durchaus leisten, denn selbst mit einer persönlichen Bestleistung hätte es Mityukov über 100 m nicht viel weiter nach vorne und schon gar nicht in den Final schaffen können.

Quelle: sda
veröffentlicht: 28. Juli 2021 10:35
aktualisiert: 28. Juli 2021 10:40