Olympia

Die Curlerin, die sich am besten kennen muss

18. Februar 2022, 05:49 Uhr
Alina Pätz spielt bei den Schweizer Curlerinnen das vierte Steinepaar. Ihre Verantwortung ist so gross wie die des Skips Silvana Tirinzoni.
Alina Pätz (links) und Silvana Tirinzoni haben schon viele knifflige Aufgaben gelöst
© KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI

Man kann die verschiedensten Vorzüge hervorheben, die aus der bald 32-jährigen Zürcherin eine aussergewöhnliche Curlerin machen. Ihre technischen Fertigkeiten sind überragend. Sie kann jederzeit die schwierigsten Aufgaben lösen. Derzeit kann man nicht einmal sagen, welche Curlerin weltweit besser ist als sie. Alle renommierten Kanadierinnen inbegriffen.

Wenn man sagt, Alina Pätz habe Nerven wie Drahtseile, ist es ebenfalls keine Übertreibung. Sie scheitert selten, wenn sie einen Match mit dem letzten Stein für ihr Team entscheiden kann. Und je wichtiger der Match, umso seltener scheitert sie. Das zeigte sie in allen drei Finals, in denen sie Weltmeisterin wurde. Sie hat ausserdem die Fähigkeit, sich auf dem Eis nichts anmerken zu lassen. Den Gegnerinnen übermittelt sie kein Zeichen von Schwäche.

Nützlicher beruflicher Einblick

Den vielleicht besten Trumpf bringt Alina Pätz von ihrer zivilen Tätigkeit mit. Sie ist Athletenbetreuerin bei einer Schweizer Sportmanagement-Agentur. Sie muss also von Berufs wegen die Seelen von Spitzensportlern ausleuchten. Da sie dies tut, kann sie auch einiges von der Kundschaft für sich selber übernehmen. Wie gehe ich mit dem eigenen und dem fremden Druck um? Wie bin ich in den schwierigsten Situationen? Es sind Phänomene, die in vielen Sportarten auftauchen und die Athletinnen und Athleten fordern. Alina Pätz kann bei anderen abschauen, während sie zugleich diesen anderen hilft. Am Schluss kennt sie sich selber so gut, wie es nur möglich ist.

Pätz' bis heute verblüffendste Leistung war der Gewinn der WM 2015 in Sapporo. Im damaligen Badener Team war sie Skip und spielte das letzte Steinepaar. Sie spielte mit den drei Bernerinnen Nicole Schwägli, Marisa Winkelhausen und Nadine Lehmann. Die vier starteten als Aussenseiterinnen und wurden mit 12:1 Siegen Weltmeisterinnen. Es blieb für diese Crew ein einmaliger Triumph. Lorbeeren in regelmässigen Abständen fand Alina Pätz erst nach ihrem Wechsel zur vormaligen Rivalin Silvana Tirinzoni. Auch deshalb, weil das Aarauer Team als Ganzes grundsätzlich leistungsfähiger ist, als es das Badener Team war.

Die Alpha-Tiere vertragen sich

Dass Silvana Tirinzoni und Alina Pätz als zwei Alpha-Tiere derart gut harmonieren, ist für das Schweizer Curling der grösste Gewinn. Zwei WM-Titel waren die ersten Früchte. Tirinzoni und Pätz haben ihre ureigenen Aufgaben – Nummer 4 und Skip – so aufgeteilt, dass beide ihre Stärken am besten einbringen können.

Tirinzoni gilt als eine der besten Taktikerinnen überhaupt. Sie führt das Team weiterhin als Skip an. Aber sie muss nicht mehr die nervenaufreibenden Steine als Nummer 4 spielen. Das übernimmt als eine Art «Terminator» Alina Pätz – die wiederum weitgehend davon befreit ist, die taktischen Probleme zu lösen.

Curling, wohin sie schaut

Nicht viele sind so gut in das Schweizer Curling eingebettet wie Alina Pätz. Ihr bereits langjähriger Freund ist Sven Michel, der als Nummer 3 des Genfer Männerteams gerade über das ärgerliche Ausscheiden nachdenken muss. Sven Michel kam im Frühling 2018 in die Genfer Crew, auf der dritten Position als Nachfolger von Claudio Pätz. Dieser hatte in Pyeongchang Olympia-Bronze gewonnen, bevor er aus beruflichen Gründen aufhörte. Aus Alina Pätz' Sicht: Der Lebenspartner hat den Bruder abgelöst.

Quelle: sda
veröffentlicht: 18. Februar 2022 05:49
aktualisiert: 18. Februar 2022 05:49
Anzeige