Die Saslong wird 50

15. Dezember 2017, 05:54 Uhr
Bernhard Russi 1970 auf seiner Fahrt zu WM-Gold auf der Saslong in Val Gardena.
Bernhard Russi 1970 auf seiner Fahrt zu WM-Gold auf der Saslong in Val Gardena.
© KEYSTONE/STR
Val Gardena rüstet sich zum grossen Fest. Gefeiert wird 50 Jahre Weltcup. Neben den sportlichen Höhepunkten steigt deshalb auch noch eine Show, die ein besonderes Spektakel werden soll.

Ausgelöst wurde alles 1967 im fernen Libanon. Der FIS-Kongress, der schon damals gerne in sonnigen Gegenden seine Entscheide traf, vergab in Beirut die Ski-Weltmeisterschaften für 1970 ins Südtirol nach Val Gardena. Bereits ein Jahr zuvor, in der Saison 1968/69, fand die Hauptprobe für ein Rennen statt, das sich schon bald den Status eines Klassikers sicherte.

Das soll nun im 50. Winter seit der Premiere gefeiert werden. Eine Lichtshow mit Spezialeffekten, begleitet von Musik des aus dem Grödner Tal stammenden Produzenten Giorgio Moroder, Einlagen von Seiltänzern und Feuerschluckern, historische Videoaufnahmen und vieles mehr wird am Freitagabend im Zielraum geboten. Prominenz von Franz Klammer bis Pirmin Zurbriggen ist angesagt.

Vor allem aus Schweizer Sicht erinnert man sich gerne an die Anfänge auf der Piste Saslong. Die erste von bisher 54 Weltcup-Abfahrten ging am 14. Februar 1969 mit dem Sieg des Waadtländers Jean-Daniel Dätwyler zu Ende. Noch wichtiger waren die Ereignisse von 1970. Damals völlig überraschend fuhr Bernhard Russi zum WM-Titel, nachdem vier Tage zuvor bereits Annerösli Zryd Weltmeisterin in der Abfahrt geworden war. Den Urner verbinden noch heute starke Emotionen mit diesem Tag. Tränen liefen ihm bei der Siegerehrung über die Wangen, als die ersten Töne der Nationalhymne erklangen. Er merkte nicht einmal, dass anstatt dem Schweizer Psalm die Hymne von Grossbritannien eingespielt wurde.

Zwei Jahre später gewann Russi in Val Gardena ein zweites Mal, diesmal aber im Weltcup und als einer der Favoriten, nachdem er sich in Sapporo Olympia-Gold gesichert hatte. Nicht weniger als 14 Abfahrtssiege konnten die Schweizer bis heute auf der Saslong einfahren. Nur die Österreicher sind mit 18 Erfolgen erfolgreicher. Sie stellen mit Franz Klammer auch einen der beiden Rekordsieger. Der Kärntner kam wie der Italiener Kristian Ghedina auf vier Siege in der Abfahrt.

Erfolgreichster Mann über alle Disziplinen ist jedoch der Norweger Aksel Lund Svindal, der schon fünf Mal in Val Gardena triumphierte, vier Mal allein im Super-G. Auch ihn verbinden besondere Erinnerungen. «Ich gab hier 2002 mein Debüt im Weltcup. Mit Startnummer 56 wurde ich im Super-G Sechster. Seither freue ich mich jedes Jahr auf diese Rennen.»

Mausefalle und Steilhang wird mit Kitzbühel verbunden, Hundschopf und Brüggli-S gehören zu Wengen. Aber auch die Grödner Saslong verfügt mit den Kamelbuckeln und der Ciaslat über Passagen, die jeder Ski-Fan ohne zu überlegen zuordnen kann. An den Kamelbuckeln biss sich schon mancher die Zähne aus.

Die drei Höcker sind definitiv die spektakulärste Stelle der 3,4 Kilometer langen Strecke. Vor dem ersten Überflug durch den Österreicher Uli Spiess im Training 1980 sprangen die Athleten dort noch vor jeder Erhebung ab. Mittlerweile wird der erste Buckel gedrückt oder umfahren, während man in Spiess-Manier vom zweiten über den dritten springt, der entschärft wurde. An die 70 Meter weit geht es dennoch, bei bis zu sechs Meter Luftstand. Weiter unten folgt die Ciaslat, benannt nach der gleichnamigen Wiese. Einem Waschbrett gleich folgen hier mehr als ein Dutzend kleinere und grössere Bodenwellen.

Die Grödner Strecke wird aber auch geprägt durch lange Flachstücke, die schon oft für ungewöhnliche Umstürze gesorgt haben, wie es sie sonst in dieser Häufigkeit kaum irgendwo gibt. Am extremsten war es 1993. Marc Girardelli war mit Startnummer 30 zur Bestzeit gefahren und gab als vermeintlicher Sieger Interviews. «Ich war wirklich überzeugt, dass es was wird, und schwebte auf Wolke sieben», erinnert sich der heutige Co-Kommentator des Schweizer Fernsehens. Doch dann war mit Nummer 52 Werner Franz noch etwas schneller. Gewonnen hat letztlich aber auch der Österreicher nicht. Dies blieb dem von Marie-Theres Nadig trainierten Liechtensteiner Markus Foser - mit Nummer 66 - vorbehalten.

Quelle: SDA
veröffentlicht: 15. Dezember 2017 05:40
aktualisiert: 15. Dezember 2017 05:54