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Leichtathletik

Ehammer will den Rekord und das Olympia-Ticket

29. Mai 2021, 06:58 Uhr
Das Potenzial von Zehnkämpfer Simon Ehammer ist unbestritten, er kann es sogar unter die Weltbesten schaffen. Am Wochenende steht der 21-Jährige im Mehrkampf-Mekka in Götzis erstmals unter Druck.
Simon Ehammer will in Götzis hoch hinaus.
© KEYSTONE/EPA PAP/ADAM WARZAWA

Der Schweizer Leichtathlet des Jahres 2020 will unbedingt an die Olympischen Spiele nach Tokio reisen. Dort gehört er gemessen an seinen Leistungen auch hin, aber betreffend einer Selektion steht er noch mit leeren Händen da. Die beiden 8000er-Resultate aus der Coronazeit sind mit Blick auf eine Nomination wertlos, denn der Weltverband World Athletics hat mit dem Ausbruch der Coronavirus-Krise die Qualifikationsphase unterbrochen.

«Ich verspüre keinen Druck», betont Ehammer. Er mag nicht hadern, er will jetzt endlich loslegen und die Olympialimite plus den Schweizer Rekord nach einem nassen Frühling ins Trockene bringen. «Es ist mein bislang grösster Wettkampf, ich freue mich riesig.» 8350 Zähler peilt der Mehrkämpfer im Vorarlberg an. «Ich will so viele Punkte machen, wie noch nie ein Schweizer gemacht hat», sagt der Appenzeller.

Mit dieser Ansage zielt der U20-Europameister nicht auf den offiziellen Schweizer Rekord (8244) von Beat Gähwiler aus dem Jahr 1988 ab, den er vergangenen August in Langenthal um bloss 13 Punkte verpasst hat. Er plant auch Stephan Niklaus zu entthronen, der 1983 8337 Punkte sammelte - dieser Rekord wurde mit der Einführung der neuen Punktetabelle wegen des neuen Speers eingefroren.

Zitterdisziplin Stabhochsprung

8350 Punkte sind hochkarätig. An der WM 2019 in Doha überboten diese Marke bloss fünf Athleten, in London 2017 deren vier und an den Spielen in Rio 2016 deren sieben. Man würde Ehammer diesen Effort vorbehaltlos zutrauen, wären da nicht die Hochs und Tiefs des Appenzellers in der Hallensaison. Einerseits verbesserte er den nationalen Rekord im Siebenkampf auf 6092 Punkte, andererseits erlitt er an der SM in Magglingen wie auch an der EM in Torun (POL) in einer noch besseren Ausgangslage im Stabhochsprung einen Nuller.

«Dieses Drama ist verarbeitet. Es klappt wieder», beteuert der Athlet. Zum einen habe er die Sache mit einem Mentaltrainer angeschaut, zum anderen spüre er im Training wieder jene Sicherheit, die ihm in der Halle gefehlt habe. «Ich gehe mit viel mehr Selbstbewusstsein an den Stab als im Winter», hält er fest. Von einem Nuller sei übrigens keiner gefeit, auch der Weltrekordhalter nicht - an der WM in Doha hatte es den Franzosen Kevin Mayer erwischt.

Der Blick aufs Ranking ist wichtig

Sollte der U20-Europameister die Olympialimite (8350) knapp verpassen, würde keine Welt zusammenbrechen. Denn das Resultat wäre mit Blick auf Tokio gleichwohl wertvoll. Im Gegensatz zu früheren Jahren setzte der Weltverband die Limiten so an, dass sich die Felder nach dieser Vorgabe nur etwa zur Hälfte füllen lassen. Das neu eingeführte World Ranking bietet die zweite Möglichkeit. Der Schlüssel zur Berechnung dieser Rangliste ist sehr kompliziert. Nicht nur die Leistung, sondern auch andere Faktoren wie beispielsweise die Bedeutung des Anlasses werden verrechnet. Und im Zehnkampf fliessen auch die Resultate aus der Halle mit ein.

In Tokio lässt World Athletics 24 Zehnkämpfer starten. Ehammer muss sich also in diese Region vorarbeiten. Im Gegensatz zu den meisten Disziplinen werden im Zehnkampf nicht fünf, sondern bloss die besten zwei Resultate für das Ranking herangezogen. Ehammer nimmt mit dem Hallen-Rekord vom Februar im Siebenkampf und den 7735 Punkten aus dem Jahr 2019 den für ihn unwürdigen Platz 48 ein. Mit zwei 8200er-Wettkämpfen in Götzis und Ende Juni an den Schweizer Meisterschaften in Langenthal würde sich dies aber schlagartig ändern. Auch mit zweimal gut statt mit einmal sehr gut steht Ehammer im Olympia-Feld.

Quelle: sda
veröffentlicht: 29. Mai 2021 05:05
aktualisiert: 29. Mai 2021 06:58