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Ajeti: «Fühle mich in St.Gallen pudelwohl»

René Rödiger, 10. März 2017, 12:25 Uhr
Er ist der Überflieger des FC St.Gallen: Albian Ajeti. Der 20-Jährige spricht vor dem Spiel gegen Luzern (Samstag, 20 Uhr, im Liveticker auf FM1Today) über seine Karriere, Träume, Mitspieler und auch über seine Zukunft.

Die Karriere Albian Ajetis begann vielversprechend: Vor seinem 16. Geburtstag bekamen Albian und sein Zwillingsbruder Adonis ein Angebot des FC Barcelona. Die Brüder lehnten dieses «aus verschiedenen Gründen» ab. «Ich wäre für den Schritt bereit gewesen. Aber als so junger Spieler ist es schwierig, einem Verein zuzusagen, wenn die Mutter mit Tränen in den Augen dagegen ist», sagt Ajeti.

Die Zwillingsbrüder setzten auf den FC Basel, wo sie auch alle Jugendabteilungen durchliefen. «Im Fussball läuft es halt nicht immer so, wie man sich das wünscht», sagt Ajeti. Die Konkurrenz im Basler Sturm ist stark, Ajeti wechselt in die Bundesliga zu Augsburg.

In Deutschland kommt Ajeti wie bereits beim FC Basel kaum zu Einsätzen. Er muss sich erneut neu orientieren. Da kommt das Leih-Angebot aus St.Gallen, Ajeti nimmt an. «Der Wechsel zum FC St.Gallen war der wohl beste Entscheid in meinem Leben», sagt er. Bei den Espen kam er bisher immer zu einem Einsatz, traf in 18 Spielen inklusive Cup neun Mal. Hier ist er Topskorer.

Albian Ajeti, wieso läuft es Ihnen beim FC St.Gallen?

Mir haben die Spiele gefehlt, das hat mir St.Gallen ermöglicht. Ich spüre einen grossen Rückhalt vom Verein und auch von den Fans. Ein junger Spieler braucht dieses Vertrauen.

Wie gehen Sie mit Kritik um, wenn es mal nicht mehr so gut laufen sollte?

Ein Trainer sagte mir einmal, dass ich nicht zu viel nachdenken soll. Es wird viel geschrieben. Das gehört zum Fussball.

Wo liegen denn Ihre Stärken?

Ich habe viel Talent geschenkt bekommen. Das versuche ich zu nutzen. Den Abschluss trainiere ich, die Zweikämpfe lerne ich, indem ich regelmässig den Kontakt suche.

Haben Sie ein Vorbild?

Luis Suárez. Er spielt nicht immer sehr sympathisch, aber wie er die Zweikämpfe annimmt, wie er immer alles für den Verein und den Erfolg gibt und wie er eiskalt vor dem Tor ist, das gefällt mir.

Dass sich der FC St.Gallen vom potenziellen Abstiegskandidaten zum heutigen Europa-League-Anwärter entwickelte, ist nicht zuletzt der unglaublichen Treffsicherheit Ajetis zuzuschreiben. Ajeti bleibt bescheiden: «Als ich frisch nach St.Gallen kam, habe ich gleich zu Beginn gemerkt, dass die Mannschaft mit diesen Qualitäten nicht im Tabellenkeller stehen darf. Ich hatte ein gutes Gefühl und wusste, wenn es einmal läuft, kann uns kaum jemand schlagen.»

Seit der Ankunft Ajetis in der Ostschweiz hat sich der FC St.Gallen von Platz 10 auf Rang 5 gespielt. Der 20-Jährige will das nicht überbewerten: «Wenn man einen solchen Lauf hat, spricht man ja schon fast über den Titel. Andererseits ist man in den Köpfen schon praktisch abgestiegen, wenn es mal nicht läuft. Wir müssen einfach weiter unseren Weg gehen und uns unserer Stärken bewusst sein.»

Die Stärken Ajetis sind offensichtlich. Das weckt auch Begehrlichkeiten, sein Leih-Vertrag läuft Ende Saison ab. Dass sich der FC St.Gallen um eine Übernahme bemüht, ist ein offenes Geheimnis.

Albian Ajeti, bleiben Sie beim FC St.Gallen?

Fussball ist schnelllebig. Momentan weiss niemand, wie es im Sommer weitergeht. Versprechen kann man im Fussball viel, ob man es halten kann, ist eine andere Sache.

Aber hier fühlen Sie sich wohl.

Pudelwohl. Und ich komme jeden Tag mit Freude ins Training.

Also würden Sie gerne hier bleiben?

Ich kann mir vorstellen, längere Zeit hier zu bleiben. Aber eben: Im Fussball kann sich das schnell ändern.

Die Fans würden es sicher gerne sehen, wenn Albian Ajeti einen neuen Vertrag beim FC St.Gallen unterschreiben würde. «Ich spüre diese Wertschätzung der Anhänger und versuche jedes Wochenende, diese zu rechtfertigen», sagt der 20-Jährige. Er habe viel Freude in der Ostschweiz.

Diese Freude sah man auch beim Spiel gegen Lausanne, als Ajeti der Siegtreffer zum 2:1 gelang. Mit einem speziellen Jubel feierte er sein Tor:

«Der ‹Salt Bae› war ein Kabinenwitz. Dann passte das halt im wichtigen Spiel gegen Lausanne irgendwie. Ich dachte: Wenn nicht jetzt, wann dann», sagt Ajeti. Man merkt, dass die Stimmung im Verein gut ist.

«Gerade zu Beginn habe ich extrem viel von Toko profitiert. Auch Lopar spricht viel mit den Spielern», sagt Ajeti. Er verstehe sich zudem «blendend» mit Barnetta und Salihovic. Ajeti: «Diese erfahrenen Spieler sagen mir, wo ich mich noch verbessern kann. Sie helfen mir viel.»

Die ehemaligen Bundesliga-Spieler geben dem noch jungen Ajeti auch Karriere-Tipps. «Sie sagen: ‹Junge, es würde Dir gut tun, noch ein bisschen länger hier zu bleiben.› Natürlich nehme ich das ernst», sagt Ajeti.

FC St.Gallen Stuermer Albian Ajeti, Mitte links, feiert seinen Treffer zum 2-1 mit seinen Mitspielern Karim Haggui, links, Tranquillo Barnetta, Mitte rechts, und Yannis Tafer, rechts, im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC St. Gallen und Lausanne-Sport FC, im Stadion Kybunpark in St. Gallen, am Sonntag, 12. Februar 2017. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Auch auf Nationalmannschafts-Ebene stehen Entscheidungen an. Albian Ajeti hat in seiner Jugend alle Junioren-Nationalmannschaften der Schweiz durchlaufen, sein Zwillingsbruder Adonis, bei dem er derzeit wohnt, spielt für Albanien.

«Albanien bemüht sich schon länger um mich. Interesse gibt es aber offenbar von beiden Nationalmannschaften und ich will mir den Entscheid noch offen lassen. Nur weil mein Bruder für Albanien spielt, heisst das noch lange nicht, dass ich auch dort spielen werde», sagt Ajeti. Er weiss aber genau, dass der Entscheid immer aktueller werden wird, wenn er so weiterspielt.

Aktuell steht für Ajeti jedoch das Spiel gegen Luzern an. Am Samstag empfängt der FC St.Gallen den Konkurrenten um einen möglichen Europa-League-Platz im Kybunpark (ab 20 Uhr im Ticker auf FM1Today).

Albian Ajeti, welche Mannschaft hat eher einen Europa-League-Platz verdient?

Luzern spielt die letzten Jahre konstanter. Aber von der Qualität der Spieler und vom Team her müssten wir eine Nasenlänge vor Luzern stehen.

Und wenn die Qualifikation für Europa plötzlich Tatsache ist?

Dann müssen wir einfach einen kühlen Kopf bewahren und so weiter machen.

(Dominic Ledergerber/René Rödiger)

René Rödiger
veröffentlicht: 10. März 2017 11:23
aktualisiert: 10. März 2017 12:25