Spitzguuge

Dem FC St.Gallen geht der Schnauf aus

Dominic Ledergerber, 23. Juli 2020, 11:07 Uhr
Cedric Itten geht geknickt vom Platz.
© Keystone
Gegen Basel verliert der FC St.Gallen zum zweiten Mal seit Wiederaufnahme der Meisterschaft viel zu hoch (0:5). Nach dem zehnten Spiel innert 32 Tagen ist für Sportjournalist Dominic Ledergerber klar: «Diese Mannschaft hat ein loderndes Feuer entfacht, nun droht sie selbst auszubrennen.»

Die Analyse einer Niederlage hat immer etwas Unbefriedigendes. Ist sie auch noch so treffend, so wird sich an der Punkteverteilung trotzdem ebenso wenig ändern, wie an den Entscheidungen des Schiedsrichters. Und auch wenn die Ostschweizer Volksseele nach dem gestrigen 0:5 gegen Basel wieder einmal kochen mag, so ist sie doch Tatsache, diese zweite schallende Ohrfeige seit dem Re-Start.

Ende Juni, im Anschluss an das 0:4 gegen den FC Zürich, durfte man von einem Ausrutscher sprechen, den zu korrigieren die jungen Espen vor keinerlei Probleme stellte. Gestern nun verlor der FC St.Gallen zum zweiten Mal seit Wiederaufnahme der Meisterschaft viel zu hoch, wenngleich Basels Trainer Marcel Koller anderer Meinung ist.

Wie schon gegen den FCZ hätte es auch gestern anders kommen können, wären die Spieler von Peter Zeidler in der Startphase konzentrierter gewesen, wäre Eray Cömerts Tätlichkeit gegen Víctor Ruiz geahndet worden und hätte Schiedsrichter Urs Fähndrich nach dem klaren Foul von Alderete an Guillemenot auf den Penaltypunkt gezeigt.

Doch wer nach einem 0:5 den Konjunktiv bemüht, ist ein schlechter Verlierer. Vielmehr muss man aus neutraler Warte eingestehen, dass diesem jungen FC St.Gallen auf der Zielgerade der Schnauf ausgeht.

Loderndes Feuer nach holprigem Start

Die ganze Schweiz hatte sich in den letzten Wochen mit einem möglichen Sensationsmeister aus der Ostschweiz auseinandergesetzt und auch ausländische Gazetten hatten verdutzt davon Kenntnis genommen, dass der Schweizer Fussballmeister 2020 nicht aus Basel, Bern oder Zürich kommen könnte.

Zeidlers Mannschaft hat nach holprigem Saisonstart ein loderndes Feuer entfacht, den FC St.Gallen in der Region wieder zu einer Hausnummer gemacht und die Fans vom dritten Meistertitel der Club-Geschichte träumen lassen. Nach dem zehnten Spiel innert 32 Tagen folgt nun aber die Erkenntnis, dass die Espen selbst allmählich auszubrennen drohen.

Und das darf nicht überraschen. Sportchef Alain Sutter war mit der schwierigen Aufgabe konfrontiert, mit deutlich weniger finanziellen Mitteln eine konkurrenzfähige Mannschaft zusammenzustellen. Diese Aufgabe hat Sutter mit Bravour gemeistert. Doch für einen solchen Rhythmus ist sie nicht gemacht.

Zeugnis einer strapaziösen Zeit

Womöglich hätten die Ressourcen im Einmal-pro-Woche-Rhythmus bis zum Saisonende ausgereicht. Gestern gegen Basel waren die vielen Fehlpässe, die mentale Müdigkeit und der fehlende Killer-Instinkt vor dem Tor aber Zeugnis einer strapaziösen Zeit, in der die Leistungsträger weitaus mehr forciert wurden als anderswo.

Hat Peter Zeidler seine Leader also verheizt? Der Schluss liegt nahe, aber er ist falsch. Mit dem grossen Coup vor Augen hätte man St.Gallens Trainer kaum verziehen, wenn er mit einer B-Elf wichtige Punkte liegen gelassen hätte.

Ohnehin ist der Coup nach wie vor möglich, auch wenn die Espen nun auf Schützenhilfe angewiesen sind. Und das muss kein Nachteil sein: Ein Xamax-Sieg heute Abend gegen YB könnte sich auf St.Gallens Feuer auswirken wie ein Blasebalg. Der letzte Funken Hoffnung ist jedenfalls noch lange nicht erloschen.

Die Spielernoten nach der Niederlage gegen Basel

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 23. Juli 2020 11:01
aktualisiert: 23. Juli 2020 11:07