«Der Coup namens Matthias Hüppi»

René Rödiger, 13. Dezember 2017, 14:30 Uhr
Matthias Hüppi ist neuer Präsident des FC St.Gallen. In den Schweizer Medien sorgt der Umsturz in der Teppichetage der Espen für viele Schlagzeilen. Nebst lobenden gibt es auch warnende Stimmen.

Daniel Walt/St.Galler Tagblatt

«Transfer des Jahres» und «Hüppi, Hüppi, hurra»: Der «Blick» rührt in seiner Berichterstattung über die jüngsten Umwälzungen beim FC St.Gallen mit der ganz grossen verbalen Kelle an. Als Stärken des neuen FCSG-Präsidenten werden Präsenz, Berechenbarkeit sowie eine offene, klare Kommunikation genannt - für Vorgänger Stefan Hernandez habe exakt das Gegenteil gegolten, heisst es im Bericht.

So berichtet der «Blick» über den Umsturz in St.Gallen.
So berichtet der «Blick» über den Umsturz in St.Gallen.

Felix Bingesser, Chefredaktor Sport beim «Blick», schreibt in seinem Kommentar, der bisherige SRF-Mann Hüppi habe das Zeug dazu, die neue charismatische Integrationsfigur im Ostschweizer Fussball zu werden. «Aber ein solch fundamentaler Seitenwechsel birgt auch viele Gefahren», warnt er. Als Journalist zu kritisieren sei einfacher, als operative Verantwortung zu übernehmen. «Schafft es Hüppi, den in sich zerstrittenen FC St.Gallen auf Linie zu bringen? Hat er die unternehmerischen und betriebswirtschaftlichen Qualitäten, um einen Betrieb in dieser Grösse zu führen?»

«Tages-Anzeiger»: «Gewiefter Verkäufer»

Auch der «Tages-Anzeiger» ortet eine Diskrepanz zwischen dem abgetretenen Präsidenten Stefan Hernandez und seinem Nachfolger Matthias Hüppi: «Matthias Hüppi ist bekannt und ein gewiefter Verkäufer. Er ist all das, was sein Vorgänger Stefan Hernandez nicht war», heisst es im Artikel. St.Gallen habe an Orientierungs- und Führungslosigkeit gelitten. «Hernandez war ein schwacher Präsident, Hüppi soll ein starker werden . [...] Wegen seiner leidenschaftlichen Art des Kommentierens haben Kritiker Hüppi zuweilen das Etikett des Gute-Laune-Bären umgehängt. Dem lethargischen St.Gallen kann ein Schuss dieser Euphorie nur guttun», schreibt der «Tages-Anzeiger».

In einem Kommentar doppelt «Tages-Anzeiger»-Redaktor Thomas Schifferle nach: «Ob Hüppi ein guter Präsident ist, weiss niemand. Das weiss wohl nicht einmal er selber. Aber was für Hüppi spricht: Man nimmt ihn wahr. Und wenn man das tut, nimmt man auch den Verein wieder wahr. Denn was war der FC St.Gallen schon in den letzten Wochen und Monaten, in denen Stefan Hernandez der Präsident war? Ein Verein, der immer so sehr von seinen Emotionen gelebt hatte, war grau geworden. Er hatte zwar einen Präsidenten, aber keine wirkliche Führung mehr.»

Die Bericherstattung der «NZZ» über den FC St.Gallen.
Die Bericherstattung der «NZZ» über den FC St.Gallen.

NZZ: «Hüppi malt die Region grün-weiss an»

Eine ganze Seite widmet auch die «NZZ» dem Köpferollen in der St.Galler Teppichetage. Unter dem Titel «Wahnsinn!» schreibt der Autor unter anderem: «Es ist Winter in St.Gallen, die Region sieht grau und weiss aus gerade - Matthias Hüppi malt sie grün-weiss an.» Die Ambiance eines Anfangs sei an der Medienkonferenz vom Dienstagnachmittag zu verspüren gewesen: «Alles ist möglich.»

Im Kommentar von Peter B. Birrer heisst es dann, die Unzufriedenheit in der Ostschweiz sei indessen auch selbstverschuldet. «Der FC St.Gallen schreibt die Geschichte eines Klubs, der grösste Mühe hat, sich vom langjährigen Präsidenten und Geldgeber Dölf Früh zu lösen. Der Klub hinterliess in den letzten Monaten den Eindruck, als würden sich Gruppierungen unheilvoll seiner bemächtigen und Machtvakuums nutzen. Der Umgangston wurde rüder, die Stimmung schlechter. Gegeneinander statt miteinander.» Das sei zunehmend nicht mehr hinter verschlossenen Türen geschehen, sondern in der Öffentlichkeit. «Das Beispiel St.Gallen ist jenen eine Warnung, die glauben, dass ein neues Stadion pures Glück bedeutet», schreibt der Autor - der Liga-Boden sei pickelhart und der Kapitalbedarf von aussen permanent.

«Aargauer Zeitung»: Hüppi zum Scheitern verurteilt?

In der «Aargauer Zeitung» zählt François Schmid-Bechtel vier Gründe auf, weshalb die Wahl auf Matthias Hüppi gefallen ist: Er verfolge den Schweizer Fussball, sei bekannt, könne sich in der Öffentlichkeit verkaufen und sei verfügbar. «Hüppi ist quasi der Gegenentwurf zum unbekannten, in der Öffentlichkeitsarbeit unbedarften Hernandez. Und das ist schon mal ein guter Ansatz.»

Schmid-Bechtel wählt in seinem teils kommentierenden Artikel aber durchaus auch kritische Töne: So zitiert er Insider, laut denen Hüppi zum Scheitern verurteilt sei, sollte die Arbeit von Ex-Präsident Dölf Früh als Geldbeschaffer als Massstab gelten. «Daran ist Hüppis Bruder gescheitert, der als Präsident den Klub 2010 in einem desolaten Zustand an Dölf Früh übergab», heisst es im Artikel. Der Autor ist generell aber überzeugt, dass Matthias Hüppi in St.Gallen für Unterhaltung neben dem Rasen sorgen wird. «Einerseits, weil er sich gerne reden hört und sieht. Andererseits, weil er höchst empfindlich auf Kritik reagiert. Beim SRF schirmt ihn eine Presseabteilung ab. Beim FC St.Gallen indes kriegt Hüppi den Zorn des Publikums ungefiltert ab. Wie er damit umgehen wird?»

Dieser Artikel erschien am 13. Dezember auf Tagblatt.ch.

René Rödiger
veröffentlicht: 13. Dezember 2017 14:30
aktualisiert: 13. Dezember 2017 14:30