Spitzguuge

Der FC St.Gallen hat kein Stürmerproblem

Dominic Ledergerber, 3. November 2020, 06:40 Uhr
Die St.Galler Stürmer brauchen einfach noch ein bisschen Zeit.
© Benjamin Manser/St.Galler Tagblatt
Seit drei Spielen sieglos, nur sechs Tore in sechs Spielen – der FC St.Gallen befindet sich in einer Minikrise, weil seine Stürmer das Tor zu selten treffen. «Trotzdem besteht kein Grund zur Panik, die Auftritte stimmen zuversichtlich», schreibt Sportjournalist Dominic Ledergerber.

Mit der 1:3-Heimniederlage gegen Basel lässt der FC St.Gallen im einzigen Super-League-Spiel des Wochenendes einen direkten Konkurrenten um die vordere Tabellenregion näher rücken. Nach der Pleite in Lugano (0:1) und dem Unentschieden in Luzern (2:2) ist es das dritte Spiel in Folge, das die Mannschaft von Peter Zeidler nicht gewinnen kann.

Das hatte es in der Meisterschaft schon länger nicht mehr gegeben, zuletzt blieben die Espen im August 2019 drei Partien ohne Vollerfolg, noch lange vor der Pandemie und auch vor dem Höhenflug, den man zu diesem Zeitpunkt der Saison 2019/2020 nicht für möglich gehalten hatte.

Heute fühlen sich jene Kritiker bestätigt, die nach den Abgängen von Itten, Demirović und Hefti einen zu grossen Substanzverlust befürchteten, als dass die Ostschweizer in der Tabelle noch einmal ein Wörtchen mitreden könnten.

Im Sturm fehlt der Killerinstinkt

Auf den ersten Blick scheint diese Kritik nach der jüngsten Negativserie nicht ganz unangebracht. Auch die Tatsache, dass die Espen nach sechs Partien erst sechsmal getroffen haben, ist Wasser auf die Mühlen der Skeptiker. Schliesslich wurde St.Gallens Publikum in der vergangenen Saison regelrecht verwöhnt: 2,2 Tore pro Spiel gelangen dem FCSG, der pro Treffer nur gerade acht Abschlüsse benötigte.

In der noch jungen neuen Spielzeit sind für ein Tor fast 18 Schüsse von Nöten! Es ist also offensichtlich, dass den St.Galler Stürmern derzeit der Killerinstinkt noch fehlt. Viel wichtiger ist aber, dass sie überhaupt zu Chancen kommen – so lautete das Schussverhältnis aus Sicht des FC St.Gallen auch gestern gegen Basel 21:9.

Dies zeigt, dass die Espen trotz gewichtigen Abgängen nach wie vor in der Lage sind, ihre Gegner zu dominieren und sich viele Torchancen zu erspielen.

Die Stürmer brauchen Zeit

Wenn die Chancen also da sind, die Tore aber ausbleiben, stellt sich die Frage: Hat der FC St.Gallen ein Stürmerproblem? Auch dieser Schluss liegt nahe, greift aber zu kurz. Vielmehr braucht es Zeit, bis sich die neuen Angreifer aneinander gewöhnt haben, neue Automatismen entstehen und greifen können.

Kwadwo Duah (23) zeigte gestern nicht nur seines zweiten Saisontores wegen, dass er immer selbstbewusster wird und in St.Gallens Angriff zu einer tragenden Säule aufsteigen könnte. Boris Babić (22) stand erstmals seit seiner schweren Verletzung im Februar wieder in der Startelf und braucht genauso noch ein bisschen Zeit, wie etwa Florian Kamberi (25), Élie Youan (21) oder Boubacar Traoré (23), der gestern sein Debüt im Trikot des FC St.Gallen feierte.

Jetzt wartet YB

Es besteht also kein Grund zur Panik, die Auftritte der Espen stimmen zuversichtlich und so werden sich diese auch selbst wieder belohnen. Vielleicht ja schon am kommenden Sonntag, wenn der FC St.Gallen auswärts auf YB trifft und einen erneuten Anlauf nehmen wird, in diesem Jahrtausend (!) den ersten Sieg in der Hauptstadt zu realisieren.

Zuletzt gelang dies den Espen im September 1998 unter Trainer Roger Hegi, als Hakan Yakin im Wankdorf-Stadion einziger Torschütze war. Wenn die Zeidler-Elf am Sonntag im Wankdof einläuft, werden die Young Boys drei Europapokal-Wochen in Folge in den Knochen haben, was für den FC St.Gallen ein Vorteil sein kann.

An Peter Zeidler ist es nun, dafür zu sorgen, dass seine junge, hungrige Truppe ihr Selbstvertrauen nicht verliert und geduldig bleibt. Dann ist die Rückkehr auf die Siegerstrasse nur eine Frage der Zeit.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 2. November 2020 10:45
aktualisiert: 3. November 2020 06:40